Im April entscheidet die FIFA zwischen den Systemen GoalRef und Hawkeye © getty

Die FIFA setzt bei der WM in Brasilien auf die neue Torlinientechnologie. In Europa ist die Einführung des Systems umstritten.

Zürich - Seit Dienstag ist es offiziell: Die Schiedsrichter bei der Weltmeisterschaft 2014 bekommen technische Unterstützung.

Wie der Weltverband FIFA bekanntgab, wird man bei dem Turnier in Brasilien die in Europa weiter umstrittene Torlinientechnologie GLT einsetzen.

"In jedem Stadion wird ein System installiert, das von den Spieloffiziellen vor den Partien jeweils getestet wird", teilte die FIFA mit.

Nationalmannschaftsmanager Oliver Bierhoff bewertet die Neuerung positiv. "Gegen ein funktionierendes System ist nichts zu sagen. Wenn die Funktionalität gegeben ist, sehe ich das sehr positiv", sagte Bierhoff am Rande des Sportwirtschafts-Kongresses SpoBIS in Düsseldorf.

Auf hitzige Diskussionen über Fehlentscheidungen, die für viele Fans im Fußball durchaus dazu gehören, kann der Europameister von 1996 gut verzichten. "Wenn wir 1966 Weltmeister geworden wären, dann kann dieser Reiz ruhig verloren gehen", sagte Bierhoff.

Einsatz auch bei Confed Cup

Der ehemalige Nationaltorhüter Oliver Kahn sieht in der Nutzung der Torlinientechnik ebenfalls Vorteile. "Das ist wunderbar und eine Hilfe für den Schiedsrichter. Der Fußball macht sich unglaubwürdig, wenn er solche Technologien nicht nutzen würde", sagte Kahn.

Auch bei der WM-Generalprobe Confed Cup (15. bis 30. Juni) in Brasilien werde das System zum Einsatz kommen, so die FIFA. Vorausgegangen war die "erfolgreiche Anwendung bei der Klub-Weltmeisterschaft" im vergangenen Dezember.

Angesichts der verschiedenen Technologien hat die FIFA eine Ausschreibung mit den technischen Anforderungen lanciert. Bei der Klub-WM testete der Verband die Systeme "GoalRef" (System zur Überprüfung strittiger Szenen mit einem Chip im Ball) und "Hawk-Eye" (aus dem Tennis bekanntes Kamera-System).

Platini sperrt sich

"Interessierte GLT-Unternehmen können voraussichtlich Mitte März an Inspektionsbesuchen in den Stadien des Konföderationen-Pokals teilnehmen, ehe Anfang April der definitive Entscheid bestätigt wird", schrieb die FIFA.

In den europäischen Wettbewerben scheint die baldige Einführung des Hilfsmittels ausgeschlossen. "Ich war immer gegen den Einsatz von Technik im Fußball. Deshalb wird es in den europäischen Wettbewerben keine Torlinien-Technologie geben", hatte UEFA-Präsident Michel Platini gesagt:

"Auch aus finanziellen Gründen: Wenn ich die Technik in der Champions League und Europa League einführe, kostet mich das jetzt 32 Millionen Euro für 78 Stadien. In fünf Jahren kostet es dann 54 Millionen."

DFL schließt Einführung aus

Auch die Deutsche Fußball Liga (DFL) hatte sich bereits gegen die Pläne von FIFA-Präsident Joseph S. Blatter gestellt und eine Einführung der Torlinientechnik zur Saison 2013/14 ausgeschlossen.

Allerdings gehen die Meinungen immer noch auseinander. Bayern Münchens Präsident Uli Hoeneß ist ein Befürworter der technischen Hilfe.

"Wenn das funktioniert, bin ich dafür. Es ist die einzige technische Neuerung, die ich akzeptiere. Ich bin total gegen technische Hilfsmittel bei Abseits- oder Elfmeterentscheidungen", hatte Hoeneß unlängst "Sky" gesagt.

Der ehemalige Bayern-Manager sprach sich gleichzeitig gegen den Einsatz der Torlinien-Technik in unteren Spielklassen aus: "Ich würde die Technik nur in der Bundesliga oder Champions League einsetzen. Eine Einführung in der C-Klasse halte ich für schwachsinnig."

Torklau trotz Zusatzschiedsrichter

UEFA-Chef Platini spricht sich nach wie vor für die auf europäischer Bühne seit 2009 eingesetzten zwei Torrichter als preiswerte Alternative aus.

"Wenn der Torrichter einen Meter von der Linie entfernt ist und eine gute Brille trägt, dann kann er sehen, ob der Ball drin ist oder nicht", betonte der Franzose.

Bei der EM 2012 in Polen und der Ukraine war das allerdings leider nicht immer der Fall. Im Viertelfinale zwischen England und der Ukraine (1:0) war einem Treffer des Co-Gastgeber die Anerkennung verweigert worden, obwohl der Ball die Linie überschritten hatte.

Weiterlesen