Seit der Wiedervereinigung spielen die meisten Top-Klubs aus der ehemaligen DDR in den unteren Ligen und damit auch unter dem Radar der überregionalen Medien. Das will SPORT1 nun ändern. Wir spüren die vergessen geglaubten Traditionsklubs zwischen Elbe und Oder wieder auf und nehmen die dortigen Geschehnisse in unserem wöchentlichen Ost-Blog unter die Lupe.

Alle Welt staunte in der vergangenen Woche über den unglaublichen Fallrückzieher-Heber von Schwedens Superstar Zlatan Ibrahimovic gegen England.

Was Tomislav Piplica zu diesem Traumtor gesagt hat, ist nicht überliefert. Dabei machte den ehemaligen Keeper von Energie Cottbus auch eine Bogenlampe berühmt.

Allerdings war er bei besagter Szene im April 2002 gegen Mönchengladbach nicht der Held, sondern der Trottel.

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Statt den Ball zu fangen oder wenigstens über die Latte zu fausten, erstarrte "Pipi" angesichts des unbekannten Flugobjekts, ging verdutzt in die Knie und beförderte die Kugel mit seinem Hinterkopf ins Tor.

Sicherlich trug auch diese Slapstick-Nummer dazu bei, dass der mittlerweile 43-jährige bosnische Spaßvogel mit dem markanten Pferdeschwanz drei Jahre nach dem Ende seiner Profi-Karriere ein viel beachtetes Comeback geben darf - beim sächsischen Landesligisten FC Eilenburg.

Dort hatte sich der Stammtorwart bei einem Motorradunfall an der Hand verletzt, und Piplica musste zu seiner Rückkehr ins Tor nicht lange überredet werden.

Schließlich sei er nach wie vor ein leidenschaftlicher Fußballer mit großen Ehrgeiz, wie er jüngst wieder versicherte.

Dieser Ehrgeiz zeichnete ihn auch schon in jüngeren Jahren aus und führte ihn trotz manch unerklärlicher Ausflüge aus seinem Tor und der Comedy-Aktion gegen Gladbach zu einer respektablen Karriere.

Sechs Jahre stand er in der Bundesliga für Energie im Kasten, für die bosnische Nationalmannschaft kam er auf neun Einsätze.

Dem Osten Deutschlands blieb er auch als Coach erhalten. Erst als Co-Trainer der Cottbuser U-23-Mannschaft und später als Torwarttrainer von Carl Zeiss Jena.

Zurzeit muss er sogar mehrere Trainerjobs und sein Engagement als Schlussmann in Eilenburg unter einen Hut bringen. Er trainiert nämlich auch den Bezirksligisten Torgau 04 und arbeitet als Assistenzcoach für die bosnische Nationalmannschaft.

Bei seinem Debüt für Eilenburg gegen die zweite Mannschaft von RB Leipzig führte er sich in gewohnter Piplica-Manier ein.

Nach einem Lattenschuss prallte der Ball von seinem Rücken zu einem Gegenspieler. Das daraus resultierende Tor zählte wegen Abseits nicht. An der 0:2-Niederlage konnte das aber auch nichts ändern.

Am folgenden Wochenende reichte es für ihn und die Eilenburger immerhin zu einem 1:1 beim FSV Zwickau II. Die Vereinshomepage berichtete stolz von vier klarsten Chancen des Gegners, die der starke Piplica zunichte gemacht habe.

Die Szene aus dem Spiel gegen Gladbach ist ihm nach eigenen Worten "immer noch peinlich", gestand er vor einem Jahr: "Wegen dieses Tores bin ich für die Leute nur der Pleiten-Piplica."

Sie ist aber auch der Grund, warum er bei den verrücktesten Treffern der Fußball-Geschichte einen festen Platz hat.

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