Franz Beckenbauer (r.) gehörte von 1998 bis 2010 dem DFB-Präsidium an © getty

"Kaiser" Franz Beckenbauer weist jegliche Kenntnis von einem möglichen Rauswurf Klinsmanns vor der WM 2006 von sich.

München - Franz Beckenbauer hat jegliche Kenntnis von einem möglichen Rauswurf des damaligen Nationaltrainers Jürgen Klinsmann vor der WM 2006 von sich gewiesen.

"Ich habe auch gelesen, dass es da einen Plan B gegeben hätte, aber ich kann mich nicht daran erinnern", sagte der Präsident des WM-Organisationskomitees am Mittwoch in Frankfurt/Main.

Der ehemalige Präsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) Theo Zwanziger hatte in seiner Autobiographie zugegeben, dass der DFB nach der 1:4-Länderspielniederlage im März 2006 in Italien einen Plan B in der Tasche gehabt hatte:

Matthias Sammer hätte als Bundestrainer die Nationalmannschaft übernommen und damit die Nachfolge Klinsmanns angetreten. Von diesem Plan hätten laut Zwanziger nur vier Leute gewusst: Horst R. Schmidt, Franz Beckenbauer, Wolfgang Niersbach und er selbst (Zwanziger: Klinsmann stand vor Entlassung).

Beckenbauer kann sich nicht erinnern

Davon will Beckenbauer nichts wissen: "Natürlich haben wir uns bei Sitzungen oft getroffen und uns ausgetauscht", sagte der Ehrenpräsident von Rekordmeister Bayern München: "Aber dass die Absicht bestand, den Trainer während der WM auszutauschen - daran kann ich mich nicht erinnern."

Einzig im Laufe der Diskussion um den damaligen Hockey-Bundestrainer Bernhard Peters, den Klinsmann als DFB-Sportdirektor installieren wollte, habe es Überlegungen mit Sammer als Notlösung gegeben.

Name Sammer kann gefallen sein

"Da hat das Präsidium nicht mitgespielt und dann war schon die Frage da, was passiert, wenn der Jürgen entsprechend reagiert und sagt: 'Ihr könnt euren Mist alleine machen'", sagte Beckenbauer: "Dass dann der Name Sammer gefallen ist, kann sein."

Anstelle von Peters machte der DFB anschließend Sammer zum Sportdirektor, Klinsmann führte die Nationalmannschaft bis ins Halbfinale der Heim-WM.

[kaltura id="0_ac7p3268" class="full_size" title="Bruchhagen berrascht von Zwanziger Buch"]

100 Zuschauer, 10 Kameras

Beckenbauer warb in der hitzigen Diskussion um die Autobiographie Zwanzigers aber auch für etwas mehr Ruhe. "Wir wissen ja, wie so etwas gemacht wird. Da werden einzelne Worte rausgenommen und zu Schlagzeilen gemacht", sagte er: "Ich verstehe auch Theo Zwanziger, wenn er sagt: Mensch, lest doch erstmal das Buch, bevor ihr urteilt."

Zwanziger reagierte indes auf die jüngsten Angriffe von Uli Hoeneß mit Hohn und Spott. "Uli Hoeneß, der sich angegriffen fühlt, ist erstens ein Mensch, der sehr zurückhaltend mit anderen Menschen umgeht. Man hört selten etwas von ihm über einen anderen. Er lobt nur", sagte Zwanziger ironisch bei seiner offiziellen Buchpräsentation vor rund 100 Zuschauern und zehn Kamerateams in Berlin.

EM-Revolution: "Auf ersten Blick logisch"

Die revolutionären Pläne für die Europameisterschaft 2020 hat die Fußball-Ikone begrüßt. "Auf den ersten Blick erscheint das sehr logisch", sagte Beckenbauer am Mittwoch in Frankfurt/Main: "Europa ist ja nicht Afrika oder Asien, wo man Stunden von einer Stadt in die andere fliegt."

Michel Platini, Präsident der Europäischen Fußball-Union (UEFA) favorisiert für das Turnier in acht Jahren ein Modell, das die Verteilung der Austragungsstätten über den gesamten Kontinent vorsieht. Dieses soll am 7. Dezember im UEFA-Exekutivkomitee beraten werden.

"Der erste Gedanke war: Respekt", sagte Beckenbauer, der als Präsident des Organisationskomitees für die WM 2006 hauptverantwortlich für die Ausrichtung des "Fußballfestes" in Deutschland zeichnete: "Eine EM in Lissabon, Berlin, Madrid oder wo auch immer hört sich sehr gut an - man sollte diesen Gedanken auf jeden Fall diskutieren."

Weiterlesen