Theo Zwanziger (l.) war von 2004 bis 2012 DFB-Präsident © imago

Die Schlammschlacht nach der Buchveröffentlichung Zwanzigers geht unverblümt weiter. Gegen FCB-Boss Hoeneß legt er nach.

München - Der ehemalige DFB-Chef Theo Zwanziger hat im Konflikt mit Bayern Münchens Präsident Uli Hoeneß nochmals nachgelegt.

"Wenn Uli Hoeneß als Meinungsbildner in unserer Gesellschaft sich zum Beispiel über Frauen-Fußball so despektierlich äußert wie mit einer Bemerkung 'Wir reden jetzt mal über Fußball', muss er erwarten, dass das auch einmal thematisiert wird. Wenn er sich deshalb so aufregt, tut er mir leid. Dann ist Hoeneß eine kleinkarierte Seele", sagte der 67-Jährige dem "kicker". (BERICHT: Wie im Wilden Westen)

Zwanziger weiter: "Über die Qualität von Meinung entscheidet in einer Streitkultur nicht allein Uli Hoeneß. Das lässt mich eiskalt."

Hoeneß hatte am Samstag auf die Zwanziger-Kritik in dessen Buch reagiert und erklärt:

"Dass Theo Zwanziger kein guter Präsident war, wusste ich schon lange. Dieses Buch wird ihn nach seinem mehr als peinlichen Rücktritt endgültig in die Isolation treiben."

Kritik an Niersbach

Auch DFB-Präsident Wolfgang Niersbach ("Eigentlich ist jedes Wort zuviel, aber ich würde Uli Hoeneß nicht widersprechen"), der in einem "WamS"-Interview von seinem Vorgänger harsch kritisiert wurde, reagierte nochmals auf die Zwanziger-Vorwürfe, wonach er nur halbherzig das soziale Engagement betreibe.

So sei der Besuch der Gedenkstätte in Auschwitz vor der Europameisterschaft in Polen und der Ukraine "zu schnell abgetan" worden.

"Exklusive Wahrnehmung"

Dazu Niersbach in der "Bild": "Wichtiger als die exklusive Wahrnehmung meines Vorgängers ist mir in diesem Zusammenhang das Dankesschreiben des Internationalen Auschwitz-Komitees an den DFB."

Zwanziger hatte geäußert: "Wer etwas Soziales macht, sollte das tun, weil er sich wirklich verpflichtet fühlt. Das muss man sichtbar machen. Das ist vor allem Sache des Präsidenten."

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Bierhoff: "Es steht für sich"

Nationalmannschafts-Manager Oliver Bierhoff betonte am Montag in Amsterdam, Zwanzigers Zeilen hätten ihn "nicht groß getroffen. Man braucht es nicht mehr groß kommentieren, es steht für sich. Wichtig für uns ist, nach vorne, nicht zurückzuschauen".

Bierhoff war selbst kürzlich unter die Autoren gegangen. "Jeder muss es für sich selbst ausmachen, wie er ein Buch schreibt. Für mich war es wichtig, dass es keine Abrechnung wird, keiner beleidigt sein muss", sagte er.

US-Coach kann nur Schmunzeln

Jürgen Klinsmann hat am Montag gelassen auf die Zwanziger-Aussage reagiert, dass der Weltmeister von 1990 kurz vor der WM 2006 in Deutschland vor dem Rauswurf als Bundestrainer gestanden habe.

"Dafür habe ich nur ein Schmunzeln übrig. Es ist so, dass manche Leute gerne über andere urteilen. Ich habe viel durchgeboxt und für vieles meinen Kopf hinhalten müssen. Für mich war es eine super Zeit", sagte der 48-jährige Klinsmann, der schon während der Heim-WM vor sechs Jahren mit seinem Rücktritt geliebäugelt hatte.

Klinsmann weiter: "Ich habe schon vor dem Viertelfinale gegen Argentinien gesagt, wenn wir nicht gewinnen, trete ich ab." Deutschland gewann und scheiterte erst im Halbfinale am späteren Weltmeister Italien (0:2 n.V.).

Klinsmann-Nachfolger stand bereit

Zwanziger hatte in seiner Autobiographie zugegeben, dass der DFB nach der 1:4-Länderspielniederlage im März 2006 in Italien bereits einen Plan B in der Tasche gehabt hatte: Matthias Sammer hätte als Bundestrainer die Nationalmannschaft übernommen und damit die Nachfolge des aktuellen US-amerikanischen Nationalcoaches Klinsmann angetreten.

Veh entsetzt: "Wo kommen wir da hin?"

Kein Verständnis für Buchautor Zwanziger brachte Eintracht Frankfurts Trainer Armin Veh auf.

"Ich kann überhaupt nicht nachvollziehen, wieso der ein Buch schreibt. Er ist Präsident des DFB gewesen. Jetzt bringt er Dinge daher, die geheim bleiben müssen. Wo kommen wir da hin?", sagte Veh bei "Sky".

"Man sollte schon fähige Leute da vorne haben. Man sollte die Klasse und Größe haben, dass sie nicht nachtreten, wenn sie aufhören. Das verlange ich von jemandem, der diese Position und dieses Alter hat. Was er hier macht, finde ich ganz, ganz schwach."

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