Theo Zwanziger (l., mit Hoeneß) war von 2004 bis 2012 DFB-Präsident © imago

Ex-DFB-Präsident Zwanziger schießt gegen Alles und Jeden und sorgt für Kopfschütteln. Rivale Hoeneß erhält Unterstützung.

Von Matthias Becker

München - Es ist ein bisschen wie im Western.

Der alternde Sheriff trifft vor einem Saloon irgendwo im Wilden Westen auf eine Bande von Revolverhelden, der er schon seit Jahren hinterherjagt.

Der Moment des Showdowns ist gekommen, der Sheriff wähnt die aus den Häusern strömende Bevölkerung auf seiner Seite.

Dumm nur, wenn die sich dann hinter den Rivalen gruppiert.

"Wird ihn in die Isolation treiben"

So oder so ähnlich ergeht es derzeit dem ehemaligen DFB-Präsidenten Dr. Theo Zwanziger.

Um die Aufmerksamkeit für sein am Montag erscheinendes Buch "Die Zwanziger Jahre" zu erhöhen, veröffentlichte kontroverse Auszüge aus dem Werk vorab via "Bild"-Zeitung.

Das Echo hätte nicht verheerender ausfallen können.

"Dass Theo Zwanziger kein guter Präsident war, wusste ich schon lange", sagte Bayern-Präsident Uli Hoeneß am Samstag nach dem Sieg gegen Eintracht Frankfurt auf SPORT1-Nachfrage:

"Sein Buch wird ihn nach seinem peinlichen Rücktritt endgültig in die Isolation treiben."

[kaltura id="0_ac7p3268" class="full_size" title="Bruchhagen berrascht von Zwanziger Buch"]

Angriff auch auf Niersbach

Damit dürfte Hoeneß gar nicht so falsch liegen. Als "Besserwisser, "Macho" und "Scharfmacher" bezeichnet Zwanziger den Bayern-Boss in seinem Buch.

Zudem spricht er offen über angeblich überzogene Forderungen des aktuellen Nationalmannschafts-Führungsstabes um Oliver Bierhoff und Joachim Löw und Probleme mit Ex-Bundestrainer Jürgen Klinsmann.

Auch der aktuelle DFB-Präsident Wolfgang Niersbach gerät in die Schusslinie. "Zu schnell und zu oft" habe dieser seit seiner Amtsübernahme die "Rückkehr des DFB zum Kerngeschäft betont", beklagt sich Zwanziger im Interview mit der "Welt".

Unverständnis in der Branche

All das sind Aussagen, mit denen Zwanziger in weiten Teilen der Fußballbranche für Kopfschütteln sorgt.

"Ab und zu haben gewisse Leute eine Profilneurose. Ich finde diese Nachtreterei unerträglich. Warum muss man solche Dinge nach außen tragen? Wieso halt ich nicht den Mund?", fragte SPORT1-Experte Thomas Strunz im Volkswagen Doppelpass.

"Das sind Indiskretionen. Ein DFB-Präsident müsste diskret damit umgehen und das nicht in der Öffentlichkeit kundtun", kritisierte Karl-Heinz-Rummenigge, Vorstandsvorsitzender des FC Bayern.

Ballack beschwichtigt

Amtskollege Heribert Bruchhagen von Eintracht Frankfurt ergänzte im Volkswagen Doppelpass: "Er sollte sich eher zurückhalten. Ich bin total überrascht, dass ein ehemaliger DFB-Präsident ein Buch schreibt. Es ist ein Ehrenamt vor höchstem Vertrauen, da muss man vorsichtig sein."

Lediglich Michael Ballack, prägender deutscher Spieler der "Zwanziger Jahre", zeigte am Rande des Sportpresseballs auf SPORT1-Nachfrage ein wenig Verständnis.

"Es sind zwei große Persönlichkeiten. Es ist ja nichts Verwerfliches, wenn einer mal sagt, dass etwas gut oder nicht gut war. Ich denke, das werden wir alle überstehen."

Abschied schwer verkraftet?

Aber wozu das alles? Dem Eindruck, dass er alte Rechnungen begleichen will, kann sich Zwanziger nur schwer erwehren.

Der Ex-DFB-Boss, der den größten Sportfachverband der Welt gerne als gesellschaftlichen Motor darstellte und großen Wert auf das soziale Engagement des Sports legte, hat seinen wenig ruhmreichen Abschied von der Spitze womöglich nur schwer verwunden.

Auch die permanenten Angriffe auf FIFA-Präsident Sepp Blatter, in dessen Exekutive Zwanziger dient, kränken ihn offensichtlich in seiner Ehre.

"Sprüche raushauen langt nicht"

Vor allem Hoeneß hatte sich in der Vergangenheit als Kritiker Blatters hervorgetan, forderte wiederholt dessen Abschied, nach zahlreichen Korruptionsaffären im Weltverband.

"Ich hätte ihn oder Karl-Heinz Rummenigge gern in der FIFA gesehen", sagt Zwanziger jetzt in der "Welt":

"Aber das wollten sie nicht. Da kann ich nur sagen: Nur in den Talkshows die Sprüche raushauen, langt auf Dauer nicht."

Ohnehin finde er, "dass Blatter unter dem Strich gute Arbeit leistet."

Kritik an Lahm

Letztlich steht Zwanziger nun selbst vor einem Glaubwürdigkeitsproblem.

"Unsere Nationalspieler müssen sich ihrer besonderen Verantwortung in der Öffentlichkeit bewusst sein. Dazu gehört auch der Respekt vor Persönlichkeiten des Fußballs, mit denen sie nicht immer einer Meinung waren oder sind", erklärte Zwanziger vor 15 Monaten angesichts der umstrittenen Buchveröffentlichung von DFB-Kapitän Philipp Lahm.

"Philipp hat für mich den Fehler gemacht, dass er die durch die Vorab-Veröffentlichung seines Buches entstehende Eigendynamik und mögliche Interpretationen nicht richtig eingeschätzt hat."

Ein Fehler, aus dem Zwanziger selbst wohl nicht gelernt hat.

Kein Wunder, dass der alte Sheriff jetzt alleine dasteht.

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