Theo Zwanziger (l.) war zwischen 2004 und 2012 Präsident des DFB © imago

Bayerns Präsident kanzelt den Ex-DFB-Boss nach der Kritik an der FCB-Führung ab. Zwanziger lgeht auf Nachfolger Niersbach los.

München - Präsident Uli Hoeneß und Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge haben die Kritik des früheren DFB-Präsidenten Theo Zwanziger an Bayern München in aller Schärfe zurückgewiesen.

"Dass Theo Zwanziger kein guter Präsident war, wusste ich schon lange. Dieses Buch wird ihn nach seinem mehr als peinlichen Rücktritt in die Isolation treiben", sagte Hoeneß am Samstagabend nach dem 2:0 (1:0) gegen Eintracht Frankfurt.

Rummenigge ergänzte, er habe das Buch von Zwanziger nur in Auszügen gelesen, betonte aber: "Letzte Woche habe ich Louis van Gaal nicht verstanden, diese Woche verstehe ich Theo Zwanziger nicht."

Wie van Gaal hatte auch Zwanziger vor allem Hoeneß' Rolle kritisiert.

"Das sind Indiskretionen"

"Das sind Indiskretionen", sagte Rummenigge über die Zeilen von Zwanziger: "Ein DFB-Präsident müsste diskret damit umgehen und das nicht in der Öffentlichkeit kundtun. Von mir muss keiner erwarten, dass ich ein Buch schreibe, wenn ich aufhöre. Wenn ich etwas zu sagen habe, sage ich es direkt."

Zwanziger (67) hatte den Rekordmeister einen "Zirkus" und einen "Verein mit den vielen Besserwissern" genannt. Hoeneß sei ein Macho, der "einfach keinen Respekt" kenne.

Der frühere DFB-Boss schrieb zudem, er glaube nicht, dass Hoeneß und der im Sommer vom DFB abgeworbene Sportvorstand Matthias Sammer langfristig zusammenarbeiten könnten.

Zwanziger legt gegen Hoeneß nach

In der "Welt am Sonntag" legte Zwanziger nach.

"Er hat mich maßlos enttäuscht, vor allem im internationalen Bereich mit pauschalen Sprüchen der Kategorie 'Alle sind korrupt' und 'Ich weiß alles besser' und des gleichzeitigen Fehlens der Bereitschaft, selbst Verantwortung zu übernehmen", erklärt er.

"Er hatte das Angebot, statt mir in die Exekutive des Weltverbandes zu gehen. Das hat er abgelehnt. Darum haben mich all seine Äußerungen so enttäuscht. Er ist ein Mann, der unglaublich viel geleistet hat im Fußball. Er nutzt seine Bekanntheit aber leider nicht dazu, Gräben zuzuschütten, sondern er reißt sie auf."

Zwanziger hätte Hoeneß oder Münchens Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge gern in der FIFA gesehen: "Aber das wollten sie nicht. Da muss ich sagen: Nur in den Talkshows die Sprüche raushauen, langt auf Dauer nicht."

Angriff gegen Nachfolger Zwanziger

Auch die Arbeitsweise des neuen DFB-Präsidenten Wolfgang Niersbach kritisierte Zwanziger, hierbei vor allem dessen angeblich halbherziges soziales Engagement.

"Mir ist aufgefallen, dass mein Freund und Nachfolger Wolfgang Niersbach mir zu schnell und zu oft die Rückkehr des DFB zum Kerngeschäft betont hat", sagte Zwanziger.

"Kerngeschäft? Man kann mir ja vorwerfen, dass ich ein Sozialromantiker bin. Dieser Vorwurf wäre aber nur dann despektierlich, wenn ich gleichzeitig die Nationalmannschaft, die Nachwuchsförderung oder den Amateurfußball vernachlässigt hätte. Meine Botschaft ist aber, dass man beides tun muss: den sportlichen Bereich stark halten und sich der gesellschaftlichen Verantwortung stellen."

Kritik an Umgang mit Auschwitz-Besuch

Weiter kritisierte Zwanziger, dass der Besuch der Gedenkstätte in Auschwitz vor der Europameisterschaft "zu schnell abgetan" worden sei: "Wer etwas Soziales macht, sollte das tun, weil er sich wirklich verpflichtet fühlt. Das muss man sichtbar machen. Das ist vor allem Sache des Präsidenten."

In anderen Bereich warf der 67-Jährige Niersbach indirekt Untätigkeit vor. "Wir haben dreimal in der Ukraine gespielt. Dort gibt es Stätten wie Babij Jar, wo 1941 mehr als 33.000 Juden von der Wehrmacht getötet wurden. Dort hätte man doch einen Kranz niederlegen können", sagte er:

"Oder warum nicht ein Treffen mit den Klitschkos, die ja in der politischen Opposition der Ukraine tätig sind. Doch das geschah nicht. Darum hatte ich das Gefühl, dass der innere Antrieb fehlte, ein so wichtiges Zeichen wie den Auschwitz-Besuch wirklich glaubwürdig zu machen."

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