In Europa obenauf: Schalkes Jermaine Jones (r., hier gegen Arsenals Olivier Giroud) © getty

Nach der nächsten Gala-Woche im Europapokal rücken die deutschen Klubs im UEFA-Ranking England mehr denn je auf die Pelle.

Von Christian Paschwitz

München - Eine Tendenz ist es schon längst nicht mehr - und auch der Begriff Wiederholungstäter greift viel zu kurz:

Vielmehr ist die Bundesliga mehr denn je auf dem besten Weg, sich zur zweitstärksten Spielklasse auf dem Kontinent aufzuschwingen.

In der Fünfjahreswertung der Europäischen Fußball-Union (UEFA) haben die deutschen Klubs erneut fleißig Punkte gesammelt (insgesamt nun 70,043 Punkte) und Boden auf die noch zweitplatzierten Engländer (74,535) gut gemacht.

Möglich macht es die einmal mehr formidable Ausbeute der zurückliegenden Europapokal-Woche mit vier Siegen, drei Unentschieden und ohne Niederlage, wodurch der Rückstand auf die Premier League auf nur mehr 4,492 Zähler zusammenschmolz.

Erneut starke Auftritte

Die abermals ganz starken Auftritte in der Königsklasse durch den FC Bayern (6:1 über den OSC Lille), Borussia Dortmund (2:2 bei Real Madrid) und den FC Schalke 04 (2:2 gegen den FC Arsenal) zahlen sich aus.

Nicht zu vergessen die niederlagen-freien deutschen Auftritte in der Europa League dank Bayer Leverkusen (3:0 gegen Rapid Wien), Hannover 96 (3:2 über Helsingborg IF), Borussia Mönchengladbach (2:2 bei Olympique Marseille) und den VfB Stuttgart (2:0 bei FC Kopenhagen).

In der laufenden Saison verbuchte die Bundesliga bisher schon 8,357 Punkte und liegt damit vor der spanischen Primera Division (8,285), die das UEFA-Gesamtranking mit 78,596 Zählern allerdings weiter unangefochten anführt, und der Premier League (8,000).

Watzke: "Haben dramatisch aufgeholt"

Hierzulande ist man nach den vierten Spieltagen stolz auf die Positiv-Entwicklung in der Fünfjahreswertung, die maßgeblich ist für die Verteilung der europäischen Startplätze.

"Wir haben dramatisch aufgeholt, brauchen uns vor keiner Liga der Welt zu verstecken. Inzwischen können wir europäisch jedes Tempo mitgehen", sagte Dortmunds Klubboss Hans-Joachim Watzke in der "Bild".

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Uli Hoeneß prophezeit den deutschen Klubs für die kommenden Jahren auf internationaler Ebene denn auch eine rosige Zukunft. (DATENCENTER: Die Champions League)

Hoeneß: "Auf einem guten Weg"

"Wenn ich sehe, dass Dortmund das große Real Madrid, das weiße Ballett mehr oder weniger an die Wand spielt. Wenn ich sehe, dass Schalke 04 den FC Arsenal schlägt und zuhause unglücklich unentschieden spielt. Und dass der FC Bayern die Kräfteverhältnisse in der Gruppe zurechtgerückt hat, dann bin ich der Meinung, dass wir auf einem guten Weg sind", sagte der Bayern-Boss beim "ZEIT"-Wirtschaftsforum.

Außerdem hätten viele internationale Spitzenvereine "in Zukunft große Schwierigkeiten, mit den Deutschen mitzuhalten." (DATENCENTER: Die Europa League)

Hoeneß ergänzte: "In Italien kann ich mir nicht vorstellen, dass die Banken weiterhin Inter und den AC Mailand mit hunderten Millionen Euro subventionieren. Ich kann mir nicht vorstellen, dass unser Geld über spanische Banken an Real Madrid und den FC Barcelona weitergegeben wird."

Heldt betont Wirtschaftlichkeit

Horst Heldt sieht das ähnlich: "Ich weiß, dass die deutsche Liga eine sehr starke Liga ist, dass sie auch gut aufgestellt ist, wie sie wirtschaftet und haushaltet. Ihre Hausaufgaben haben die deutschen Vereine viel besser gemacht als viele ausländische."

Die Bundesliga sei "einfach mega-Interessant. Ich weiß nicht, ob es unbedingt immer so prickelnd ist, nach England zu gehen."

Und Schalkes Manager ergänzt: "Das zeigt sich daran, dass in den letzten Jahren immer mehr Qualitätsspieler von Außen dazugekommen sind, aber auch daran, dass die Nachwuchsausbildung in allen Vereinen exzellent gemacht wird."

Vorteil Jugend-Arbeit

Watzke stößt ins gleiche Horn: "Die Jugendabteilungen leisten tolle Arbeit. Talente, wie Götze, Reus, Müller oder Schweinsteiger kommen alle aus den eigenen Reihen."

Angesichts des bereits feststehenden K.o.-Runden-Einzugs von Leverkusen und Hannover sowie den anderen vorm Weiterkommen stehenden Bundesliga-Klubs dürfte sich die Entwicklung fortsetzen - während die Konkurrenz weiter abfällt.

Italien (56,814 Zähler insgesamt) auf Platz vier des Rankings liegt mittlerweile bereits 13,229 Punkte hinter Deutschland zurück. Fünfter bleibt Frankreich (54,166).

Vier deutsche CL-Starter

Als Belohnung für die guten Leistungen in den vergangenen Jahren durfte Deutschland für die Saison 2012/13 wieder vier Champions-League-Teilnehmer (3 Direktstarter plus 1 Qualifikant) stellen. Das war zuvor letztmals in der Saison 2001/02 der Fall gewesen.

Aktuell läuft es mindestens genauso prächtig: Fünf der sieben im Europapokal vertretenen Bundesligisten sind Tabellenführer, alle haben ein Weiterkommen selbst in der Hand.

Und an drei von bislang vier Spieltagen blieben deutsche Klubs ungeschlagen.

Fünf-Jahres-Wertung in der Übersicht:

Land: Saison 08/09 / 09/10 / 10/11 / 11/12 / 12/13 = Gesamt

1. Spanien: 13,312 / 17,928 / 18,214 / 20,857 / 8,285 = 78,596

2. England: 15,000 / 17,928 / 18,357 / 15,250 / 8,000 = 74,535

3. Deutschland: 12,687 / 18,083 / 15,666 / 15,250 / 8,357 = 70,043

4. Italien: 11,375 / 15,428 / 11,571 / 11,357 / 7,083 = 56,814

5. Frankreich: 11,000 / 15,000 / 10,750 / 10,500 / 6,916 = 54,166

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