Seit der Wiedervereinigung spielen die meisten Top-Klubs aus der ehemaligen DDR in den unteren Ligen und damit auch unter dem Radar der überregionalen Medien. Das will SPORT1 nun ändern. Wir spüren die vergessen geglaubten Traditionsklubs zwischen Elbe und Oder wieder auf und nehmen die dortigen Geschehnisse in unserem wöchentlichen Ost-Blog unter die Lupe.

Der Zufall wollte es so, dass das Pokalspiel von Dynamo Dresden bei Hannover 96 an Halloween stattfand.

Tatsächlich dürften sich viele Besucher dieser Partie angesichts der Vorfälle vor und im Stadion gefürchtet haben.

Was sie zu sehen bekamen, war aber keine Gruselshow mit Gespenstern und Vampiren, sondern Dynamo-Hooligans, die vor dem Spiel die Eingänge stürmten und Polizisten und Ordner regelrecht überrannten.

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Dass in Hannover nicht alle verfügbaren Stadion-Eingänge geöffnet wurden und 400 Fans vor verschlossenen Toren gestanden haben sollen, mag zu deren Aggression beigetragen haben.

Eine Rechtfertigung für die Krawallen sind diese Zustände aber noch lange nicht.

Wie groß das gegenseitige Misstrauen zwischen Teilen der Fan-Szene und den Sicherheitskräften vor allem im Osten Deutschlands immer noch ist, war am Mittwoch vergangener Woche auch in Jena und Leipzig zu spüren.

In Jena trafen die beiden thüringischen Erzrivalen Carl-Zeiss und Rot-Weiß Erfurt im Landespokal aufeinander.

Für einen reibungslosen Ablauf der Partie eines Viert- gegen einen Drittligisten waren mehrere hundert Beamte aus Bayern, Hessen, Thüringen und der Bundespolizei im Einsatz.

In Leipzig stand am selben Tag in der Regionalliga der alte Oberliga-Klassiker zwischen Lok und dem 1. FC Magdeburg an.

Die Sicherheitsmaßnahmen rund um dieses Spiel bekam auch der SPORT1-Redakteur zu spüren.

Dabei war er an diesem Tag gar nicht im Stadion, sondern unternahm mit der Familie lediglich einen Ausflug in den Leipziger Zoo.

Umso überraschter war er, als er vor der Heimfahrt nach Halle auf dem Bahnsteig ein riesiges Polizei-Aufgebot stehen sah und ihn eine Beamtin fragte, ob er wirklich den dort stehenden Regionalzug zu nutzen gedenke.

Da drin befänden sich nämlich auch ein paar Magdeburger Fans auf ihrer Rückreise.

Aus Mangel an Alternativen stieg er mit seiner Familie dennoch in den Zug und musste feststellen, dass die "paar" Fans doch ziemlich viele waren.

Genauso auffällig war aber auch die Präsenz der Bundesgrenzschutz-Beamten, die alles im Griff hatten - bis der SPORT1-Redakteur seinen kleinen Sohn zur Toilette begleiten musste.

Hektisch zückte ein Polizist sein Funkgerät und fragte bei einem Kollegen im anderen Wagon nach, ob denn der Gang zum WC durch die Schar der alkoholisierten Fans gefahrlos gewährleistet werden könne.

Da sich beide wohl nicht ganz sicher waren, wurden die zwei Fahrgäste von einem Beamten vorsichtshalber bis zur Toilette geleitet.

Die Magdeburger Anhänger ließen alle drei gewähren, der Ausflug in den Zoo nahm ein friedliches Ende.

Und dennoch bleibt die Frage, was das alles noch mit Fußball zu tun haben soll.

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