Seit der Wiedervereinigung spielen die meisten Top-Klubs aus der ehemaligen DDR in den unteren Ligen und damit auch unter dem Radar der überregionalen Medien. Das will SPORT1 nun ändern. Wir spüren die vergessen geglaubten Traditionsklubs zwischen Elbe und Oder wieder auf und nehmen die dortigen Geschehnisse in unserem wöchentlichen Ost-Blog unter die Lupe.

Fußball-Deutschland spricht über den Pokal.

Während jedoch im Rest der Republik die neutralen Fans auf Sensationen im DFB-Pokal hofften, blickte Thüringen auf den Landespokal.

Dort trafen heuer bereits im Viertelfinale die darbenden Lokalgrößen Rot-Weiß Erfurt und Carl-Zeiss Jena aufeinander.

Derzeit meinen es nicht einmal die Los-Feen gut mit den Erzrivalen. Denn normalerweise steigt das Derby der namhaftesten Klubs des Bundeslandes später.

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Abgesehen von der ohnehin großen Brisanz, die nur vom aufgeblähten Polizeiaufgebot übertroffen wird, war es diesmal ein besonders wichtiges Duell.

Da Jena vor der Saison aus der Dritten Liga abstieg und gegenwärtig einen Neuaufbau in der Regionalliga vorantreibt, war es die einzige Gelegenheit der ungeliebten Landeshauptstadt eine Pleite beizubringen.

Der drittklassige Kontrahent suchte im Paradies - so heißt der Jenaer Bahnhof in Stadionnähe - ein dringend benötigtes Erfolgserlebnis.

Schließlich verpuffte die Entlassung von Trainer Stefan Emmerling ergebnislos. Unter Nachfolger Alois Schwartz rutschte die Truppe nach 15 Spieltagen nun sogar auf den letzten Rang ab.

Im Sturm drückt der Schuh besonders. Der bisweilen vom eigenen Anhang ausgebuhte Torjäger Marcel Reichwein (ging nach Aalen) wird nun plötzlich schmerzlich vermisst.

Nur drei Drittligisten haben einen schwächeren Angriff.

Es entbehrt nicht einer gewissen Ironie, dass Reichweins ebenso unbeliebter Nachfolger Mijo Tunjic den packenden Pokal-Fight in der 90. Minute entschied.

Erfurts Bosse konnten zumindest kurzfristig aufatmen. Das Präsidium hatte vor der Saison medienwirksam ein Jugendkonzept statt bekannter Namen propagiert, lässt nun aber die Geduld vermissen. Ex-Bundesligaspieler Emmerling war das leichte Bauernopfer.

Jena hat sich unter der Führung von Coach Petrik Sander zwar in der neuen Liga etabliert, hängt aber in der Tabelle bereits deutlich hinter RB Leipzig zurück.

Der angestrebte Wiederaufstieg dürfte kaum zu realisieren sein, da auch der wiedererstarkte 1. FC Magdeburg mitmischt.

Finanziell sind weder die Roten noch die Blauen auf Rosen gebettet. Deshalb ging es neben der Ehre und einem Platz im Halbfinale auch ums Geld.

Den Rot-Weißen winkt nun das lukrative Ticket für den DFB-Pokal. Der einzig verbliebene ernsthafte Gegner um die nationalen Fleischtöpfe ist nämlich Jenas Liga-Konkurrent ZFC Meuselwitz.

Die Ostthüringer schlugen den beiden Schwergewichten in den vergangenen zwei Jahren ein Schnippchen und holten sich den Pott sowie das begehrte Startrecht.

Im nächsten Jahr könnte dann auch wieder das überregionale Pokal-Fieber Erfurt erobern.

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