Seit der Wiedervereinigung spielen die meisten Top-Klubs aus der ehemaligen DDR in den unteren Ligen und damit auch unter dem Radar der überregionalen Medien. Das will SPORT1 nun ändern. Wir spüren die vergessen geglaubten Traditionsklubs zwischen Elbe und Oder wieder auf und nehmen die dortigen Geschehnisse in unserem wöchentlichen Ost-Blog unter die Lupe.

Er gehörte zu den zahlreichen Vereinen der DDR, der als Betriebssportgemeinschaft gegründet wurde und deshalb das Kürzel BSG im Namen trug.

Die BSG Stahl Brandenburg war die Sportvereinigung des städtischen Stahl- und Walzwerks.

Nach Erstliga-Fußball hört sich das nicht an.

Doch im sozialistischen System wurde der Sport und damit auch der Fußball zunächst unmittelbar von den Volkseigenen Betrieben organisiert und finanziert.

[image id="9aec2586-63ef-11e5-acef-f80f41fc6a62" class="half_size"]

Stahl Brandenburg zählte lange Zeit nicht zu den Aushängeschildern dieser Organisationen, die sich schon bald gegen die neu gegründeten Sportklubs behaupten mussten. Dorthin wurden die besten Spieler des Landes delegiert, um den Spitzensport zu stärken.

Doch mit dem Aufstieg in die Oberliga 1984 mischte nun auch Brandenburg im Konzert der Großen mit. Stahl etablierte sich schnell in der obersten Spielklasse und hielt sich dort bis zur Wiedervereinigung.

Wenn die Mannschaft im heimischen Stadion - wie so häufig - bedingungslos nach vorne spielte und den Gegner unter Druck setzte, griffen die Reporter des DDR-Fernsehens gerne zur Metapher des "lodernden Stahl-Feuers", das die "Stahlwerker" entfachten.

Nur zwei Jahre nach dem Aufstieg qualifizierte sich die BSG als Fünfter sogar für den UEFA-Cup.

Die Heimspiele gegen den FC Coleraine aus Nordirland und IFK Göteborg wurden zu unvergesslichen Erlebnissen im weiten Rund, das damals mit rund 20.000 Zuschauern aus allen Nähten platzte.

Auch in der letzten Oberliga-Saison feierte die Mannschaft einen großen Erfolg, in dem sie sich als Außenseiter für die zweite Bundesliga qualifizierte.

Zu den Leistungsträgern zählten Steffen Freund, Roy Präger und Christian Beeck. Drei Spieler, die sich später auch in der Bundesliga einen Namen machen sollten.

Doch mit dem Aufstieg in die Zweite Liga war der Abstieg schon programmiert. Und der fiel umso heftiger aus.

Bereits im Mai 1991 hatte Brandenburg mit großen finanziellen Problemen zu kämpfen. Nach der Abwicklung der Volkseigenen Betriebe fehlte dem Verein, der mittlerweile in BSV Stahl Brandenburg umbenannt wurde, der große Geldgeber.

Dazu kamen selbst gegen so attraktive Gegner wie St. Pauli oder Hannover 96 nicht mehr als 7000 Zuschauer.

Die Brandenburger trugen ihr Geld lieber zu den Spielen der Bundesliga-Stars, die sie nach der Wende nicht mehr nur im Fernsehen, sondern endlich live im Stadion erleben konnten.

Für ihren Fußballverein ging es nach dem einen Zweitliga-Jahr in einem rasanten Tempo abwärts, bis er 1998 als Fünftligist Konkurs anmelden musste.

Die Tradition der "Stahlwerker" lebt seitdem im neu gegründeten FC Stahl Brandenburg fort. Der spielt zwar mittlerweile nur noch in der sechstklassigen Brandenburg-Liga, dafür aber ist er derzeit nicht von der Existenz bedroht.

Das Stadion des Klubs gehört übrigens wegen seines markanten Sprecherturms laut "11 Freunde" zu den 99 Orten in Deutschland, die jeder Fußballfan mal gesehen haben muss.

Profi-Fußball wird er dort in absehbarer Zeit jedoch nicht zu sehen bekommen.

Weiterlesen