Mario Mandzukic (r.) wechselte im Sommer vom VfL Wolfsburg zum FC Bayern München © getty

So gravierend wie in der ersten Europapokal-Runde war die Nervenschwäche vom Elfmeterpunkt selten zuvor. Die Gründe für das Versagen.

Von Christian Paschwitz

München - Die Historie zeigt: Elfmeter zu schießen zählt seit jeher zu den großen Stärken deutscher Mannschaften, wenn es drauf ankommt.

Beispiele dafür gibt es genug - allen voran das gewonnene WM-Finale des DFB-Teams 1990, als Andreas Brehme nervenstark vom Punkt vollstreckte.

Die Strafstoßschwäche galt bislang eher als englische Krankheit.

Doch seit Bastian Schweinsteiger vor vier Monaten im Champions-League-Finale gegen die Engländer vom FC Chelsea seinen entscheidenden Versuch für den FC Bayern verpatzte, scheint auf den deutschen Klubs ein Fluch zu liegen. (DATENCENTER: Champions League)

Zumindest von einem Negativtrend darf man sprechen: Mit Mario Mandzukic, Mats Hummels, Klaas-Jan Huntelaar und schließlich Oscar Wendt verschossen im Europapokal gleich vier Spieler deutscher Teams ihre Strafstöße - auch wenn nur einer von ihnen deutscher Nationalität ist. ( 614493 DIASHOW Bilder des Spiels )

Auch Wendt versagt vom Punkt

Wendts Versagen beim Borussia Mönchengladbachs Nullnummer auf Zypern bei AEL Limassol war der Schlussakt eines dreitägigen Elfmeter-Dramas.

"Katastrophe!", hatte zuvor Dortmunds Hummels seinen schlappen Fehlschuss beim 1:0-Champions-League-Aufgalopp gegen Ajax Amsterdam genannt.

"Es hätte mich hart getroffen, wenn man mich nach einem Fehlverhalten am Elfmeterpunkt für zwei verlorene Punkte verantwortlich gemacht hätte", so Hummels.

[kaltura id="0_7zs4nx0x" class="full_size" title=" Sollten nicht schon an London denken "]

Hummels reumütig

Wie der Abwehrmann ließ Bayerns Mario Mandzukic tags darauf gegen den FC Valencia ebenso Druck und Präzision vermissen.

Huntelaars und Wendts Ausführungen sahen immerhin etwas besser aus, weil ihnen nur Zentimeter fehlten: Schalkes Torjäger scheiterte am linken Innenpfosten, Wendt an der Latten-Unterkante.

Am Ergebnis ? nämlich: Ball nicht drin - änderte das aber auch nichts.

Auch in der Bundesliga wurden in dieser Saison von sieben Elfmetern bereits zwei verschossen.

Zufall oder Beleg, dass hierzulande mittlerweile zwar immer mehr Wert darauf gelegt wird, gegen den Ball zu arbeiten und vertikal zu spielen, elementare Dinge des Spiels aber immer weniger geübt werden?

Basis spielt untergeordnete Rolle

Was womöglich dafür spräche, dass die Basics zusehends eine untergeordnete Rolle spielen: Die Nationalelf wartet seit vier Jahren auf ein Freistoßtor. Und aus Ecken gelingt deutschen Teams seit einer gefühlten Ewigkeit nichts Zählbares mehr.

Erinnert sei erneut an das "Drama Dahoam" der Bayern gegen Chelsea. 20 Ecken erarbeiteten sich die Münchner im Königsklassen-Endspiel, ein Tor entstand nicht daraus.

Die Elferschwäche alleine mit Glück oder Pech zu erklären, wäre zu einfach.

Denn es gibt durchaus wissenschaftliche Erkenntnisse, an die sich der Schütze doch halten sollte.

Zeitberechnung beim Elfmeter

Englische Forscher haben beispielsweise herausgefunden, dass die Chancen auf einen Treffer steigen, wenn die Zeit zwischen Schiedsrichter-Pfiff und Schuss nicht mehr als drei Sekunden beträgt.

Und natürlich gibt es die altbekannte Fußball-Weisheit, dass der Gefoulte niemals selbst schießen sollte - was Robben im Liga-Hit gegen Dormtund nicht beherzigte und prompt verschoss.

Franz Beckenbauer erweiterte den Weisheitenschatz am Dienstag noch um den Lehrsatz, dass Verteidiger wie Hummels am Elfmeterpunkt nichts zu suchen hätten.

Auch BVB-Trainer Jürgen Klopp scheint demnächst einen anderen Schützen zu bevorzugen.

"Mal sehen, wie wir das in Zukunft lösen", deutete der Coach einen Wechsel an.

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