Uli Hoeneß (l.) hatte mit Angela Merkel und Reinhard Rauball sichtlich Spaß © imago

Seite an Seite und gut gelaunt warben die Kanzlerin und der Bayern-Präsident für den Integrations-Spieltag in der Bundesliga.

Berlin - Sie scherzten, sie mahnten und sie streichelten gemeinsam den Fußball mit dem Logo "Geh Deinen Weg": Gut gelaunt warben Bundeskanzlerin Angela Merkel und Bayern-Präsident Uli Hoeneß im Kanzleramt für den Integrations-Spieltag am Wochenende.

Alle 18 Klubs verzichten am 3. Spieltag auf Trikotwerbung und laufen stattdessen mit dem Slogan auf.

"Uns eint eine Überzeugung: Wir wollen, dass Integration gelingt", sagte Merkel, die am Samstag beim Spiel zwischen Borussia Dortmund und Bayer Leverkusen auf der Tribüne sitzen wird.

Die CDU-Politikerin verwies darauf, dass 15,7 Millionen Migranten in Deutschland leben. Zudem spielten Profis aus 66 Ländern in der Bundesliga.

"Wenn es um Integration geht, kann ich mir keinen stärkeren Partner als den Fußball vorstellen", sagte Merkel.

"Motor für Integration"

Auch Hoeneß sprach von einer gelungenen Koalition aus Fußball und Politik.

"Sport und insbesondere der Fußball können der Motor für Integration sein. Herkunft, Religion und Hautfarbe dürfen niemals eine Rolle spielen", sagte der Bayern-Boss. Die Bundesliga benötige ein weltoffenes Deutschland. "Integration ist erst erfolgreich, wenn keiner mehr drüber spricht."

Initiatoren der Aktion sind die Deutsche Fußball Liga (DFL) sowie die Deutschland-Stiftung. Liga-Präsident Reinhard Rauball sieht die Kicker in der Pflicht: "Fußballer sind nicht nur Millionäre in kurzen Hosen. Sie haben auch eine besondere soziale Verantwortung", sagte er.

Einheitliche Trikotaufschrift erstmals 1992

Vor 20 Jahren hatte es letztmals in der Bundesliga eine einheitliche Trikotaufschrift bei den Vereinen gegeben.

"Mein Freund ist Ausländer" sollte 1992 als konzertierte Aktion nach den ausländerfeindlichen Übergriffen in Rostock ein Zeichen setzen.

Die jetzige Bundesliga-Aktion soll auch dazu dienen, dass Diskriminierungen gegen schwule Profis ein Ende nehmen.

Ein anonymes Interview eines homosexuellen Bundesliga-Profis über Ängste vor Bedrohungen hatte für Aufsehen gesorgt.

Merkel machte dem Spieler Mut: "Er lebt in einem Land, in dem er sich vor einem Outing nicht fürchten muss. Wir können nur das Signal geben, dass er keine Angst haben muss."

Hoeneß: Debatte vor einer Zäsur

Für Hoeneß steht die Debatte über schwule Spieler vor einer Zäsur. "Über kurz oder lang wird sich der eine oder andere Spieler outen. Die Angst davor darf man aber nicht allein dem Fußball zuschreiben. Der Fußball ist offen genug dafür", sagte Hoeneß.

Der Bayern-Boss sieht seinen Klub Bayern München gewappnet. "Ich kann mir nicht vorstellen, dass ein schwuler Spieler mit unseren Fans Probleme bekommt. Der FC Bayern ist vorbereitet", sagte Hoeneß und ergänzte: "Die gesamte Gesellschaft ist in diesem Punkt weiter als in den Medien dargestellt."

Rauball will nichts kleinreden

Auch Rauball wollte das Thema nicht kleinreden. "Das ist ein ungelöstes Problem, obwohl es mehrere Versuche gab. Wir müssen eine Lösung im gesellschaftlichen Konsens finden. Niemand kann die Nachteile überschauen, die einem Fußballer drohen, der sich outet."

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