Kevin Pezzoni lief zwischen 2008 und 2012 in 90 Spielen für den 1. FC Köln auf © getty

Der "Pezzoni-aufmischen"-Gründer meldet sich bei Domian zu Wort und wird vom FC erkannt. DFB-Vize Milkoreit fordert Konsequenzen.

Köln/Leipzig - Der 1. FC Köln hat eigenen Angaben zufolge den Gründer einer gegen Ex-Profi Kevin Pezzoni gerichteten Kampagne identifiziert und umgehend harte Sanktionen angekündigt.

"Es handelt sich um ein FC-Mitglied, gleichzeitig Vorsitzender eines kleineren Fanklubs. Wir haben gegen diese Person ein sofortiges Mitgliederausschlussverfahren in Gang gesetzt, werden ein maximales Stadionverbot verhängen und den Fanklub-Status entziehen", teilte Geschäftsführer Claus Horstmann auf der Internetseite des Bundesliga-Absteigers mit.

FC-Abwehrspieler Pezzoni hatte in der vergangenen Woche um Auflösung seines Vertrages gebeten, nachdem er vor seiner Haustür und im Internet bedroht worden war.

Der vom Verein beschuldigte Anhänger hatte sich in der Nacht zum Freitag in der "WDR"-Talksendung Domian als "Initiator" einer gegen Pezzoni gerichteten Facebook-Gruppe bezeichnet.

Uneinsichtig bei Domian

Ebenso hatte er behauptet, die Personen zu kennen, welche den Profi vor dessen Haus beleidigt hatten. "Ich kenne die Leute, die ihm vor der Tür aufgelauert haben. Da sind Beleidigungen gefallen - auch Drohungen", sagte der Anrufer.

Selbst sei er aber nicht an der Aktion beteiligt gewesen. "Mir kam die Idee, dass man ein paar Anreize setzen kann, um die Spieler darauf hinzuweisen, dass es in der Form nicht geht, dass man sich so lasch präsentiert", sagte er.

"Das Resultat ist nicht verkehrt, aber wie es zustande gekommen ist... na ja, vielleicht hätte man das auch anders lösen können", zeigte sich der Anrufer, der sich sicher als der 21 Jahre alte Benni vorstellte, uneinsichtig.

[kaltura id="0_qcn7hfk1" class="full_size" title="Horstmann attackiert scheinheilige Kritiker"]

Horstmann: "Widerwärtig"

Horstmann bezeichnete das Verhalten als "widerwärtig" und das könne "auch nicht mit Emotionen im Fußball erklärt werden." (Ewald Lienen im SPORT1-Interview: "Diese Leute missbrauchen den Fußball)

Er gehe davon aus, dass `die Ermittlungsbehörden jetzt weitere Anhaltspunkte erhalten, um die Vorgänge am Dienstagabend vor der Wohnung von Kevin Pezzoni aufzuklären."

Zudem betonte Horstmann aber gleichzeitig, dass der Verein den Vertrag mit dem 23-Jährigen aber nicht "wegen dieser oder anderer Chaoten aufgelöst" habe.

DFB fordert Stadionverbote

Währenddessen hat DFB-Vizepräsident Rainer Milkoreit nach den Drohungen gegen Leipzigs Fußballer Daniel Frahn durch Fans des Stadtrivalen Lok Leipzig Stadionverbote gefordert.

"Wir werden es nicht tolerieren, dass einige Chaoten den Fußball missbrauchen, um ihre Aggressionen auszuleben und nun auch noch bewusst die Privatsspähre der Spieler angreifen", sagte Milkoreit, zugleich Vorsitzender des Nordostdeutschen Fußball-Verbandes (NOFV).

Allerdings betonte der ranghöchste Fußballfunktionär des Ostens auch, dass in solchen Fällen das Problem häufig in den anonym formulierten Internet-Einträgen liege.

Dadurch sei es kompliziert, die Personen zu identifizieren. Milkoreit bewertete die zuletzt zunehmende Anzahl von Fan-Attacken gegen Fußball-Spieler als "eine sehr besorgniserregende Entwicklung".

Frahn: Bedrohung im Internet

Nur sechs Tage nach Pezzzonis Flucht war am Donnerstag Kapitän Frahn vom Regionalligisten RB Leipzig im Internet von Anhängern des Stadtrivalen Lok Leipzig massiv bedroht worden.

"Frahn denk immer daran, wenn Du nachts unterwegs bist, du bist nie allein unterwegs. Lok ist in der Stadt", schrieb ein Nutzer auf der offiziellen Facebook-Fanseite des Profis.

Streit auf Facebook angeheizt

Allerdings hatte der 25-Jährige den Streit zuvor auf seiner eigenen Facebook-Seite durch scharfe Aussagen angeheizt und Lok-Fans wegen deren Verhalten rund um das Stadtderby am letzten Sonntag (3:1 für RB) attackiert.

"Schämt euch", schrieb der Angreifer. "Wie krank und bescheuert muss man sein, als Fußballfan Frauen und Rentner zu schlagen", so Frahn. "Ich hoffe, solche Idioten bekommen irgendwann die richtige Strafe."

Die Einträge wurden mittlerweile gelöscht.

Polizei wird hellhörig

Auch die Polizei ist mittlerweile hellhörig geworden. "Wir beobachten den Fall und prüfen, ob eine Bedrohung vorliegt."

Eine Beleidigung müsste der Fußballspieler selbst bei der Polizei anzeigen. Das ist aber bislang noch nicht der Fall gewesen", sagte Uwe Voigt, Pressesprecher der Polizeidirektion Leipzig.

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