Seit der Wiedervereinigung spielen die meisten Top-Klubs aus der ehemaligen DDR in den unteren Ligen und damit auch unter dem Radar der überregionalen Medien. Das will SPORT1 nun ändern. Wir spüren die vergessen geglaubten Traditionsklubs zwischen Elbe und Oder wieder auf und nehmen die dortigen Geschehnisse in unserem wöchentlichen Ost-Blog unter die Lupe.

So hatte sich das rot-weiß-rote Brause-Imperium sein Engagement in Leipzig vorgestellt.

Eine große Kulisse in einem modernen WM-Stadion und ein souveräner Erfolg. Die Retortentruppe schlug Lok Leipzig im ersten Pflichtspiel-Derby mit 3:1.

Der Europapokalfinalist von 1987 hielt aber trotz seines Mini-Etats gut dagegen.

Die Fans der Blau-Gelben überzogen den Regionalliga-Krösus dennoch mit reichlich Häme.

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Schließlich wollten die "Bullen" in ihrem vierten Jahr schon mindestens in der Dritten Liga mitmischen, stattdessen geht es alle zwei Wochen nach Torgelow, Auerbach oder Meuselwitz.

Aktuell versucht sich mit dem sportlichen Chef Ralf Rangnick und Trainer Alexander Zorniger das nächste Führungsduo daran, die hochtrabenden Pläne der Konzernzentrale umzusetzen.

Das Potenzial in einer der wenigen aufblühenden Ost-Metropolen ist in jedem Fall vorhanden. Das zeigte auch die neue Viertliga-Bestmarke von fast 25.000 Zuschauern im Zentralstadion.

Zwar jubelten die meisten Anwesenden für Lok, doch die ganze Region dürstet nach großem Fußball - das bewiesen auch RBs Auftritte im DFB-Pokal 2011/2012.

Viele Einheimische würden aber lieber einen ihrer gewachsenen Vereine oben sehen, immerhin stellte Leipzig 1903 den ersten Deutschen Meister überhaupt.

Zumindest beim Lokalduell wurde Otto Rehhagels legendäre These einmal mehr widerlegt. Geld schießt indirekt eben doch Tore.

Die mit etlichen erst- und zweitligaerfahrenen Akteuren gespickte Mannschaft blieb auch im vierten Saisonspiel ungeschlagen und wird - zumindest mittelfristig - nicht am Aufstieg in den Profifußball zu hindern sein.

Dass diese Entwicklung nicht nur Beifall verursacht, weiß Rangnick aus eigener Erfahrung in Hoffenheim. Im Fußball-Osten der Republik schlägt sich diese Ablehnung aber häufig in Gewalt nieder.

Am Rande des Derbys gerieten beide Fangruppen aneinander und die Polizei musste Wasserwerfer einsetzen. RB-Anhänger können sich in nahezu allen Bezirken Leipzigs nur auf eigene Gefahr mit Fanutensilien bewegen.

RasenBall-Kapitän Daniel Frahn wurde durch seine Forderung nach einer härteren Linie gegen Hooligans nun selbst zur Zielscheibe.

Via Facebook wurde dem Stürmer gedroht. Er solle daran denken, wenn er nachts unterwegs sei, dass er nie allein in der Stadt sei.

Diese nicht zu entschuldigenden Ausbrüche haben jedoch auch eine wirtschaftliche Ursache, denn sowohl Lok als auch der verhasste Rivale Sachsen - ehemals Chemie - darben trotz großer Tradition in veralteten Stadien und ohne finanzielle Rücklagen vor sich hin.

Dagegen werden in ein seelenloses Projekt Millionen hineingepumpt, manch einer verliert da die Beherrschung - auch weil der Hass von Ultras geschürt wird.

Die Aussagen der RB-Verantwortlichen tragen nicht zur Entspannung bei. Sie sehen sich offenbar als willkommene Befreier der Region aus dem fußballerischen Dornröschenschlaf.

Ohne wenigstens die große Vergangenheit der Lokalrivalen anzuerkennen, wird es RB schwer haben, die Sympathie der breiten Masse zu erobern und nicht mehr als fremder "Besatzer" wahrgenommen zu werden.

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