Arjen Robben wechselte 2009 von Real Madrid zum FC Bayern München © getty

Robben spaltet die Fans: Der geniale, aber glücklose Dribbler ist schon lange nicht mehr unumstritten, wie die Pfiffe beweisen.

Von Christian Stüwe

München - Im August 2009 bestritt Arjen Robben sein erstes Bundesligaspiel für den FC Bayern.

In der Halbzeit des Heimspiels gegen den VfL Wolfsburg machte sich der Niederländer warm, die Fans des Rekordmeisters bedachten bereits die Aufwärmübungen des für 25 Millionen Euro von Real Madrid gekommenen Niederländers mit jeder Menge Applaus.

Als Robben dann für Hamit Altintop in die Partie kam, erstmals in München den Turbo zündete und mit zwei Treffern den Sieg gegen den Meister der Vorsaison sicherstellte, kannte die Begeisterung keine Grenzen mehr.

Nun, nicht ganz drei Jahre später, wurde Robben beim Freundschaftsspiel der Bayern gegen die Niederlande von Teilen der eigenen Fans ausgepfiffen. (SPIELBERICHT: Robben wird ausgepfiffen)

Die pfeifenden Fans lasteten dem 28 Jahre alten Dribbler anscheinend die Hauptschuld an der bitteren Niederlage im Finale der Champions League gegen Chelsea an, weil er in der Verlängerung mit einem Elfmeter an Petr Cech scheiterte. (Bericht)

Van Bommel: "Ein Skandal"

Nach Abpfiff verlies Robben wortlos die Allianz Arena, offenbar tief getroffen von den Pfiffen.

"Das ist ein Skandal. So etwas habe ich in München noch nie mitgemacht", regte sich der frühere Bayern-Kapitän Mark van Bommel nach Abpfiff über das Verhalten der Bayern-Fans auf. (BERICHT: Oranje wütend auf FCB-Fans)

Auch Karl-Heinz Rummenigge fand deutliche Worte.

"Einige Fans waren offensichtlich enttäuscht, dass Arjen drei Tage nach dem verlorenen Champions League-Finale nicht auch im Trikot des FC Bayern, sondern nur für die holländische Nationalelf gespielt hat", sagte der Vorstandsvorsitzende des FCB:

"Dies gibt jedoch niemand das Recht, unseren Spieler auszupfeifen."

Der Stil des FC Bayern und seiner Fans sei es "demjenigen, der am Boden liegt, die Hand zu reichen und zu helfen."

Am Mittwochmorgen hätten sich zahlreiche Fans beim FC Bayern gemeldet, führte Rummenigge weiter aus: "Um sich im Namen derjenigen, die gepfiffen haben, bei Arjen Robben dafür entschuldigen."

[kaltura id="0_ucas6mo0" class="full_size" title=" Ein Skandal Oranje Stars verteidigen Robben"]

Robben spaltet die Bayern-Fans

Längst nicht alle Fans des FC Bayern hatten ihren Unmut gegen Robben bekundet, insbesondere die Südkurve spendete dem Niederländer beim Aufwärmen aufmunternden Applaus und bedachte ihn mit Sprechchören.

Und doch lassen sich die Pfiffe in der Allianz Arena, wo das Publikum ohnehin ungeduldiger ist als andernorts, nicht wegwischen.

Immerhin 25,2 Prozent der SPORT1-User zeigten in einer Umfrage Verständnis für die Pfiffe. (Stand: Mittwoch, 20 Uhr, 62915 abgegebene Stimmen)

Robben spaltet die Fangemeinde, zumindest bei Teilen des Anhangs ist er vom Liebling zum Buhmann geworden.

"Ich konnte mir nicht vorstellen, dass so etwas bei Bayern passiert. Es ist eine Schande. Ich würde darüber nachdenken, ob ich hier nächstes Jahr noch spielen würde", schimpfte Nationalmannschaftskollege van Bommel.

"Man muss doch sehen, was er die letzten Jahre für den Klub getan hat", regte sich der Mittelfeldspieler weiter auf.

Verletzungen und Egoismusdebatte

In der ersten Saison 2009/10 schoss Robben die Bayern zum Double und bis ins Champions-League-Finale gegen Inter Mailand.

Mit den Niederlanden stand der Superstar im WM-Finale, das allerdings genauso wie das Endspiel in der Königsklasse gegen Inter verloren ging.

Robben kam mit einer langwierigen Muskelverletzung aus Südafrika zurück und tat sich in der Folgezeit deutlich schwerer.

Eine Egoismusdebatte kam auf, Robben geriet auf dem Spielfeld mit Thomas Müller aneinander und in der Kabine wurde Franck Ribery gegen den Flügelstürmer handgreiflich.

Als der ohnehin nicht mehr unumstrittene Robben dann im entscheidenden Bundesliga-Spiel gegen Borussia Dortmund ebenfalls einen Elfmeter verschoss und anschließend beleidigt auf die Kritik von Ehrenpräsident Franz Beckenbauer reagierte, sank er immer weiter in der Gunst der Bayern-Fans.

Dass sich seine Vertragsverlängerung und somit das klare Bekenntnis zum FC Bayern zur Hängepartie entwickelte, dürfte ebenfalls seinen Teil zur aktuellen Situation beigetragen haben.

Rückendeckung aus der Mannschaft

Vom Klub und der Mannschaft der Bayern erhielt Robben allerdings "volle Rückendeckung", wie Nationalspieler Holger Badstuber betonte: "Ich will das mal sagen: Er ist ein super Typ, der sich für jeden in der Mannschaft den Arsch aufreißt. Er ist ein Riesen-Fußballer."

Letzteres ist unbestritten. Genauso wie der Umstand, dass Robben in den entscheidenden Spielen vom Pech verfolgt zu sein scheint.

Im WM-Finale 2010 scheiterte er denkbar knapp frei vor Spaniens Iker Casillas. Kürzlich verhinderte Roman Weidenfeller, dass Robben in einem enorm wichtigen Spiel zum Matchwinner wurde.

Und am Samstag eben Petr Cech.

Nicht auszudenken, was gewesen wäre, wenn Arjen Robben den Elfmeter verwandelt und das "Finale dahoam" entschieden hätte.

Ein Platz in der Historie des FC Bayern und den Herzen der Fans wäre ihm sicher gewesen.

Doch "hätte, wäre und wenn? haben im Fußball bekanntlich noch nie gezählt.

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