CHRISTIAN NERLINGER: Hoeneß' Nachfolger - natürlich ebenfalls ein Ex-Bayer - hatte weniger Glück. Musste 2012 nach zwei titellosen Jahren für Matthias Sammer weichen, seitdem ist es ruhig geworden. Kümmert sich vorrangig um sein Privatleben, bis 2014 sein Vertrag ausläuft
Christian Nerlinger (r.) ist seit Juli 2009 Sportdirektor bei den Bayern © imago

Bayerns Sportdirektor Christian Nerlinger spricht bei SPORT1 über die Pfiffe gegen Robben und das Final-Drama gegen Chelsea.

Aus der Allianz Arena berichtet Mathias Frohnapfel

München - Ein Freundschaftsspiel gegen die Niederlande vor 33.000 Zuschauern, dazu Blumen für die Spieler, die den Verein verlassen.

Hinzu sollte am Dienstagabend etwas Frust-Auslaufen für die Bayern-Stars kommen, die nach dem vergebenen Champions-League-Finale an gleicher Stelle verzweifelt geweint hatten.

So schien die Szenerie für den Saisonausklang des FC Bayern auszusehen.

Doch die Dramaturgie änderte sich ab der 76. Minute dramatisch: Der für Oranje eingewechselte Bayern-Star Arjen Robben wurde bei jedem Ballkontakt ausgepfiffen -von Teilen der eigenen Fans. (BERICHT: Oranje-Spieler wütend auf Bayern-Fans)

Natürlich hörte auch FCB-Sportdirektor Christian Nerlinger diese Pfiffe ebenso wie die nicht minder lautstarken Pro-Robben-Gesänge.

Das Fan-Lager ist gespalten, nachdem der Niederländer in der Verlängerung des Champions-League-Finales per Elfmeter nicht geknipst, sondern mit seinem Fehlschuss Chelsea im Rennen gehalten hatte.

Im SPORT1-Interview sucht Nerlinger nach Erklärungen für die Reaktionen der Fans und spricht über die Gründe für die Finalpleite sowie die Folgen.

SPORT1: Herr Nerlinger, es gab im Testspiel gegen die Niederlande unterschiedliche Reaktionen auf Arjen Robben: Sprechchöre und Pfiffe. Wie bewerten Sie das?

Christian Nerlinger: Es gab sehr positive Sympathie-Bekundungen und Pfiffe. Ich kann mir nur vorstellen, dass die Leute, die gepfiffen haben, sich Arjen Robben im Bayern-Trikot und nicht in dem der Niederländer gewünscht hätten. Das ist für mich die einzige Begründung, alles andere wäre für mich nicht zu erklären.

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SPORT1: Glauben Sie, dass die Pfiffe bei Robben hängen bleiben?

Nerlinger: Nein, er hat auch starken Beifall bekommen und natürlich war medial sehr viel los. Das wird sich aber legen. Arjen fährt jetzt zur EM und wird hochmotiviert zurückkommen, darauf freuen wir uns.

SPORT1: Die Spieler mussten zum Testspiel gegen Oranje an den Ort des Grauens, an den Ort der Finalniederlage zurückkehren. Wie geht man damit am besten um?

Nerlinger: Die Spieler haben es doch demonstriert: Sie haben ein wirklich gutes Spiel gezeigt, sich bemüht für das Publikum eine gute Partie abzuliefern. Die meisten fahren jetzt zur EM, einige haben Urlaub. Dann werden wir am 3. Juli starten und uns auf eine neue Saison vorbereiten.

SPORT1: Mit etwas Abstand zu Samstagabend: Wo lagen die Gründe für die Pleite gegen Chelsea?

Nerlinger: Wir haben die Partie total dominiert, aber wir müssen uns den Vorwurf machen, die Chancen nicht genutzt und den Sack nicht zugemacht zu haben. Dieses Spiel alleine kann nicht zu einer Analyse der gesamten Saison dienen. Unsere Champions-League-Leistungen waren hervorragend: Wir haben im Bernabeu hervorragend gespielt, Real zuhause dominiert. In der Gruppenphase sind wir gegen Manchester City weitergekommen, dem Premier-League-Meister.

SPORT1: Wie fällt die Bundesliga-Bilanz aus?

Nerlinger: Natürlich muss man analysieren, was in der Bundesliga los war. Da ist Dortmund zum zweiten Mal Meister geworden. Das wird die Hauptaufgabe für die nächste Saison sein, in der Liga wieder die Nummer eins zu werden.

SPORT1: Werden Sie sich jetzt nach neuen Spielern und Siegertypen umschauen, so wie es Präsident Uli Hoeneß gefordert hat?

Nerlinger: Ich habe es immer betont und werde es immer betonen, dass ich von der Einstellung und Mentalität dieser Mannschaft total überzeugt bin. Wir haben eine gute Mannschaft. Jeder, der das Spiel gesehen hat, wird sagen, es war ein absolutes Drama. Die Leistungsstärke ist da, wir sind in drei Jahren zweimal im Champions-League-Finale gewesen. Wenn wir so weitermachen, bin ich überzeugt, dann kommt der Tag, an dem wir es auch gewinnen.

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