Arjen Robben (l.) und Mark van Bommel wurden mit Holland 2010 Vize-Weltmeister © imago

Nach den lauten Pfiffen gegen Bayerns Finalfehlschützen stellen sich Huntelaar und Co. hinter den niederländischen Kollegen.

Aus der Allianz Arena berichten Mathias Frohnapfel und Reinhard Franke

München - Arjen Robben ging nicht, er spurtete am späten Dienstagabend fast schon durch die Mixed Zone in der Allianz Arena.

Auf keinen Fall wollte Bayerns Superstar etwas sagen nach diesen für ihn so deprimierenden Abend: 3:2 hatte der FCB in einem Testspiel gegen die Niederlande gewonnen, doch das war nebensächlich (SPIELBERICHT: Robben wird ausgepfiffen) .

Teile des Bayern-Anhangs hatten Robben nach seiner Einwechslung für Oranje bei jeder Ballberührung gnadenlos ausgepfiffen.

Erst Sprechchöre, dann Pfiffe

Robbens Vater Hans, Mutter Marjo und seine Frau Bernadien verfolgten es auf der Haupttribüne mit versteinerten Mienen.

Dabei hatte es um 21.50 Uhr noch Robben-Sprechchöre gegeben, als der FCB-Flügelflitzer sich vor der Südkurve aufwärmte.

Doch kaum war Robben auf dem Feld, hagelte es bis zum Spielende 14 Minuten lang deutliche Pfiffe, auch wenn die Sprechchöre blieben.

Dass der 28-Jährige im Champions-League-Finale gegen Chelsea in der Verlängerung den Elfmeter versemmelte, haben ihm längst nicht alle Roten verziehen.

Van Bommel sauer über "Unverschämtheit"

"Das war eine Unverschämtheit", schimpfte Mark van Bommel über die Pfiffe gegen seinen Teamkameraden der Elftal.

Der frühere Bayern-Kapitän und jetzige Milan-Spieler fand auch deutliche Worte für die möglichen Folgen: "Ich würde mir an seiner Stelle gut überlegen, ob ich nächstes Jahr noch hier spielen will."

Außerdem kritisierte van Bommel:

"Niemand im Verein unterstützt ihn, ich bin der Einzige, der in den Medien hinter ihm steht."

FCB übermittelt Entschuldigung

Diese Kritik van Bommels wollte der Verein aber so nicht stehenlassen. Am Mittwoch reagierten die Bayern umgehend und übermittelten in einer Pressemitteilung eine Entschuldigung der Fans bei Robben.

"Wir haben heute Morgen viele Reaktionen unserer Fans erhalten, die sich im Namen derjenigen, die gepfiffen haben, bei Arjen Robben dafür entschuldigen", erklärte der Vorstandsvorsitzende Karl-Heinz Rummenigge.

Einige Fans waren offensichtlich enttäuscht, dass Arjen drei Tage nach dem verlorenen Champions League-Finale nicht auch im Trikot des FC Bayern, sondern nur für die holländische Nationalelf gespielt hat", so Rummenigge weiter.

"Dies gibt jedoch niemand das Recht, unseren Spieler auszupfeifen", fügte er hinzu.

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"Das war ein Skandal"

Joris Mathijsen reagierte bei SPORT1 emotional auf die Pfiffe. Stinksauer sagte er: "Das ist sehr peinlich. Ich finde das schlimm", sagte der Ex-Hamburger auf SPORT1-Nachfrage.

Und Schalkes Stürmer Klaas-Jan Huntelaar raunzte: "Das war ein Skandal, was heute mit ihm passiert ist, es war wirklich traurig, mir fehlen da die Worte."

Auswirkungen auf Robbens Psyche befürchtet der Schalkes Stürmer aber nicht, der Mittelfeldspieler könne damit umgehen.

"Arjen ist stark, das kriegt er schon hin - und wir als Mannschaft auch", meinte ebenfalls Khalid Boulahrouz. Der Stuttgarter Profi wunderte sich indes über die 33.000 FCB-Fans in der Arena, sprach von einer "absoluten Frechheit, wie die Fans sich da gegen ihren eigenen Spieler verhalten haben".

Boulahrouz enttäuscht von Bayern-Fans

Und er fügte an: "So etwas gehört sich nicht. Ich bin schockiert. Das kennt man gar nicht von den Fans in München."

Für Robben und die Verantwortlichen des Rekordmeisters war die Szenerie umso unerfreulicher, war das Freundschaftsspiel doch gedacht, um alle Wogen zwischen dem niederländischen Verband und Bayern zu glätten.

Robben hatte während der WM trotz Verletzung gespielt und fehlte anschließend monatelang seinem Klub, daher das Kompensationsspiel, dessen Einnahmen an den FCB gingen.

"Das sind vereinzelte Zuschauer", kommentierte Jupp Heynckes sachlich die Pfiffe. "Andere haben Beifall gespendet. Das ist immer so, damit muss man leben."

Lahm und Badstuber verteidigen Robben

Ähnlich wie sein Trainer urteilte Philipp Lahm. "Es waren vereinzelte Pfiffe. Ich denke, es gehört nicht zu einem Freundschaftsspiel in der Allianz Arena, die anderen Fans haben sehr gut reagiert", sagte der Bayern-Kapitän auf SPORT1-Nachfrage.

Deutlich emotionaler reagiert Holger Badstuber, der sogleich versicherte, dass Robben "die volle Rückendeckung der Mannschaft" besitze. "Er ist ein Supertyp, er reißt sich für jeden den Arsch auf, Bayern kann ganz froh sein, dass wir ihn haben."

Die Pfiffe empfand der Nationalspieler als "erschreckend". Für Badstuber, der im Finale gesperrt fehlte, und seine Mitspieler geht es nun darum, möglichst rasch auf EM-Vorbereitung zu switchen.

Nationalelf als Muntermacher

"Für mich ist das ganz gut, weil die Gedanken woanders hingehen. Die Nationalelf bringt ein neues Umfeld, das tut gut. Wir müssen erstmal das krasse Erlebnis noch verarbeiten."

Bei Lahm hörte sich das fast deckungsgleich an. "Wir sind Leistungssportler, wir wollen Erfolg und sind ehrgeizig, das ist die größte Motivation", stellte er mit Blick auf die EM klar fest. Zudem fehle die Zeit zum Grübeln, denn "im Fußballleben" gehe es "sehr, sehr schnell".

Ob Robben die Pfiffe ebenso schnell vergessen wird, blieb indes unbeantwortet.

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