Arjen Robben kam 2009 von Real Madrid zum FC Bayern © getty

Gomez schießt Bayern zum Sieg über die Niederlande - der Test-Erfolg wird aber von Negativreaktionen gegen Robben überschattet.

Aus der Allianz Arena berichten Mathias Frohnapfel und Reinhard Franke

München - Die Frustbewältigung ist geglückt - aber neuer Unmut ist geschürt.

Drei Tage nach dem verlorenen Champions-League-Finale gegen den FC Chelsea (NACHBERICHT: Bayern wie gelähmt) hat der FC Bayern das Testspiel gegen die Niederlande mit 3:2 gewonnen - der Erfolg aber wurde überschattet davon, dass Teile der eigenen Fans Arjen Robben bei jedem Ballkontakt auspfiffen.

Der für die Niederlände eingewechselte Flügelstürmer bekam bei und nach seiner Einwechslung Pfiffe von einem hörbaren Teil der FCB-Anhänger.

"Das ist sehr peinlich", meinte Robbens Nationalteamkollege Joris Mathijsen zu SPORT1: "Ich finde das schlimm."

Wiedergutmachungsspiel für Robben-Verletzung

Für die Münchner trafen Toni Kroos (18.), Nils Petersen (28.) und Mario Gomez (87.), die Treffer für Deutschlands EM-Gruppengegner erzielten Klaas Jan Huntelaar (18.) und Luciano Narsingh (21.).

Das Spiel gilt als Wiedergutmachung für den langen Ausfall Robbens nach der WM 2010. Der Bayern-Profi hatte dort trotz einer Verletzung gespielt und fiel danach sechs Monate aus.

Nach dem geplatzten Henkelpott-Traum versuchten die meisten Bayern-Fans ihrem Team wieder Kraft zu geben.

"Kopf hoch, Jungs. Ihr seid die Champions-League-Sieger der Herzen", war auf einem Plakat zu lesen.

Sechs FCB-Spieler sagen Adieu

Vor der Partie verabschiedeten FCB-Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge, Sportdirektor Christian Nerlinger und Finanzvorstand Karl Hopfner sechs Profis: Ivica Olic, Jörg Butt, Danijel Pranjic, Takashi Usami, Breno und Ersatzkeeper Rouven Sattelmaier.

Butt beendet seine Karriere, Olic wechselt zu Wolfsburg, Usami wird voraussichtlich nach Hoffenheim gehen.

Bei Breno, Pranjic, Sattelmaier sind die Ziele noch offen.

Pizarro vor Wechsel zu Bayern

Nerlinger gab vor dem Anpfiff auch noch einen Hinweis auf die Personalplanung.

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Es sehe "nicht schlecht aus", dass Claudio Pizarro von Werder Bremen zur nächsten Saison zum deutschen Rekordmeister kommen werde, sagte er der "ARD".

Der 33-jährige hatte bereits von 2001 bis 2007 bei den Münchnern gespielt.

Tragischer Held Schweinsteiger nicht dabei

Torhüter Jörg Butt führte in seinem letzten Spiel für die Roten das Team als Kapitän aufs Feld, auch Danijel Pranjic und Ivica Olic standen vor 33.000 Zuschauern in der Startelf.

Elfmeter-Pechvogel Bastian Schweinsteiger fehlte den Bayern gegen Oranje wegen einer Wadenprellung.

Robben, der in der Verlängerung per Elfer an Chelsea-Keeper Petr Cech gescheitert war, trug das Trikot der Elftal. Allerdings stand er, wie von Bert van Marwijk angekündigt, nicht in der ersten Elf.

"Arjen ist fix und fertig. Das erscheint mir nach einem vergebenen Elfmeter auch logisch", hatte das der Bondscoach vorab bekannt gemacht.

Torreicher Beginn

Die Partie startete unterhaltsam, bereits nach einer halben Stunde hieß es 2:2. Toni Kroos hatte mit einem Fernschuss den FCB in Führung gebracht, Oranje-Keeper Michel Vonn von Swansea City sah dabei nicht gut aus (17.).

Ebenso wie die Bayern-Abwehr, die bei den Sololäufen von Huntleaar (18.) und Narsingh (21.) nicht im Bilde war. Der Münchner Ausgleich fiel nach einer schönen Flanke von Olic auf Petersen (28.).

Bis zur Pause tat sich dann wenig, auch weil die Niederländer aus dem Trainingsquartier in Lausanne scheinbar schwere Beine mitgebracht hatten.

Noch am Montag hatte das Team zwei Übungseinheiten absolviert.

Viele Wechsel nach der Pause

Die Pause nutzte Bondscoach van Marwijk zu zahlreichen Wechseln, der Ex-Bayern-Kapitän Mark van Bommel blieb aber noch außen vor genauso wie Robben.

Bei Bayern kamen Philipp Lahm und Jerome Boateng neu ins Spiel, auch sie ließ Trainer Jupp Heynckes ihren Frust von Samstag aus den Beinen laufen.

Die Partie verlor jetzt weiter an Tempo, lediglich Nils Petersen hatte einmal viel Platz, ließ sich aber im Strafraum noch abfangen (66.).

Zu einer Trainingseinheit kamen auch noch Mario Gomez, Diego Contento und Franck Ribery. Der vergab gleich die Großchance zum Sieg, den machte stattdessen Joker Gomez nach Ribery-Vorarbeit perfekt (87.).

Südkurve stellt sich hinter Robben

Robben kam in der 76. Minute, in der sich seine Gegner bemerkbar machten - während ihn die Fans in der Südkurve davor und danach mit aufmunterndem Jubel und Sprechchören bedachten.

Bastian Schweinsteiger brachte den sichtlich irritierten Robben nach Abpfiff noch dazu, noch zu den Treuesten zu gehen und sich feiern zu lassen.

Heynckes versuchte die Pfiffe gegen seinen Star herunterzuspielen: "Das sind vereinzelte Zuschauer. Andere haben Beifall gespendet. Das ist immer so, damit muss man leben."

Robben empfand die ganze Sache aber wohl doch als etwas weniger alltäglich. Zu den Journalisten wollte er nach Abpfiff nichts mehr sagen.

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