Sebastian Vettel startete bisher bei 101 Formel-1-Rennen © getty

Der Weltmeister ist hauchdünn schneller als Nico Hülkenberg und bester Deutscher. Beim Team gibt es laut Vettel "viel zu tun".

Barcelona - Weltmeister Sebastian Vettel hat am zweiten Tag der abschließenden Testfahrten vor dem Formel-1-Saisonauftakt am 17. März in Australien zumindest die "Deutsche Meisterschaft" für sich entschieden. (Freies Training, Fr., 15. März, ab 6.30 Uhr LIVE im TV auf SPORT1)

Der Heppenheimer fuhr in seinem Red Bull auf dem Circuit de Catalunya in 1:23,743 Minuten zwar nur auf den vierten Rang, war damit aber trotzdem Schnellster der vier deutschen Piloten.

Die Tagesbestzeit setzte der französische Lotus-Fahrer Romain Grosjean in 1:22,716 vor dem englischen Ex-Weltmeister Jenson Button (McLaren/1:23,181) und dem Venezoelaner Pastor Maldonado (Williams/1:23,628).( 681508 DIASHOW: Die Tests in Barcelona )

Wetter macht Strich durch Rechnung

Nach nur 65 Runden war Vettel nicht ganz zufrieden mit seinem Tag.

"Wir sind nicht so viel gefahren, wie wir wollten, das Wetter war nicht gut", sagte Vettel, "aber das Gefühl für das Auto passt, darauf lässt sich aufbauen."

Trotzdem sei es schwer zu sagen, wo sich der Champion der vergangenen drei Jahre im Vergleich zur Konkurrenz befinde. Aber: "Wir sind weiter als vor einem Jahr", sagte Vettel, allerdings gebe es auch "viel zu tun".

Hülk hauchdünn hinter Vettel

Nico Hülkenberg (Emmerich) lag im Sauber als Fünfter nur eine Tausendstelsekunde hinter Vettel, aber knapp eine halbe Sekunde vor Adrian Sutil (Gräfelfing), der 24 Stunden nach seiner Rückkehr zu Force India auf Platz sechs fuhr (1:24,215). Bis zur Mittagspause hatte Sutil bei schlechten Bedingungen sogar auf einem starken zweiten Rang gelegen.

Mercedes-Fahrer Nico Rosberg (Wiesbaden/1:26,655) bildete als Zehnter zwar das Schlusslicht des deutschen Quartetts knapp vor Vettels Dauerrivalen Fernando Alonso (Spanien/1:27,878) im Ferrari, doch die Zwei waren die größten Kilometerfresser des Tages und konzentrierten sich vor allem auf möglichst lange Umläufe mit viel Sprit im Tank.

Dauerbrenner Rosberg und Alonso

Insgesamt kam Rosberg auf 120 Runden, Alonso umrundete den 4,655 km langen Kurs 102-mal. "Das Auto hat sich bei den schwierigen Bedingungen gut angefühlt", sagte ein zufriedener Rosberg, `jede einzelne Runde ist wichtig für unseren Lernprozess." (SERVICE: Ergebnisse aus Barcelona)

Auch Vettel spulte intensive Aerodynamiktests ab. Das Weltmeisterteam setzte dabei ein neues technisches Element am Heckflügel ein, das seinem Star noch mehr Anpressdruck und damit höhere Geschwindigkeiten in den Kurven ermöglichen soll.

"Das ist ein interessanter Bereich, in dem es sehr viel zu entdecken gibt", sagte Red Bulls Design-Genie Adrian Newey. Ob das neue Bauteil bereits in Melbourne zum Einsatz kommt, stehe aber noch nicht fest.

Lowe zu Mercedes

Bei Mercedes sorgte der offenbar bevorstehende Wechsel des bei McLaren abgesetzten Technischen Direktors Paddy Lowe für Wirbel.

In Barcelona bestätigte McLaren-Sportdirektor Sam Michael, dass sich Lowe zu einem Engagement bei den Silberpfeilen ab 2014 entschieden habe: "Er hat seine Wahl getroffen." Bereits seit Anfang des Jahres wird über einen Wechsel von Lowe, der als Vertrauter des neuen Piloten Lewis Hamilton gilt, zu Mercedes spekuliert.

Die Stuttgarter wollen den sich anbahnenden Deal aber nicht kommentieren. Dass Lowes Verpflichtung gleichzeitig das Aus von Teamchef Ross Brawn bedeuten würde, dementierte Mercedes zuletzt ebenfalls energisch.

Die Teams übten sich neben dem Rundendrehen nahe der katalanischen Metropole zudem einmal mehr in Geheimniskrämerei.

Kaum Chancen für Spione

Immer wenn Vettel, Alonso und Co. in die Box kamen, wurden ihre Wagen sofort mit Stellwänden und anderen Sichtschutz-Planen versteckt, um den Spionen der Konkurrenz die Arbeit so schwierig wie möglich zu machen. Vettels Heckflügel zog dabei die größte Aufmerksamkeit der Kiebitze auf sich.

Wetter bringt Plan durcheinander

Nach heftigen Regenfällen zu Beginn des Trainings trocknete der Asphalt im Laufe des Tages ab. Allerdings blieb es unangenehm kühl - keine optimalen Bedingungen für die so wichtige Abstimmung der Autos auf die neuen Reifen.

Auf Slicks wurde nur sehr wenig gefahren. Die Teams verloren so wichtige Zeit und damit Daten, um die anfälligen Wagen richtig einzustellen. Bei den ersten Rennen im sonnigen Australien und schwülwarmen Malaysia werden ganz andere Bedingungen herrschen.

Am Sonntag endet die Testphase für die Formel-1-Teams, zwei Wochen später wird in Melbourne der erste Grand Prix 2013 gestartet.

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