Der 27-jährige Lewis Hamilton wurde in der Saison 2008 Weltmeister © getty

Beim Testfinale in Barcelona versprüht Hamilton Optimismus. Hülkenberg sieht das Team bei SPORT1 als größte Gefahr für Vettel.

Aus Barcelona berichtet Marc Ellerich

Montmelo - Lewis Hamilton hat wieder gute Laune.

Zuletzt hatte der McLaren-Weltmeister des Jahres 2008 die sonnige Stimmung im englischen Vorzeige-Rennstall mit deutlicher Kritik am Fahrverhalten des MP4-27 getrübt.

Es kursierten gar Gerüchte, Hamilton habe seinem Ex-Kollegen Heikki Kovalainen gesteckt, der neue Chrompfeil sei nicht sein Ding. Auch McLarens-Design-Taktik, beim neuen Silber-Flitzer auf die berühmt-berüchtigte Höcker-Nase der Konkurrenz-Boliden zu verzichten, schien das englische Enfant terrible zu beunruhigen.

"Die Frage ist: Haben unsere Konkurrenten Recht oder wir?", orakelte der Engländer während der zweiten Testwoche auf dem Cirucit de Catalunya. Inzwischen sind Hamiltons Zweifel offenbar verflogen. Oder der schnelle Pilot ist von seinem Team eingenordet worden ( 525286 DIASHOW: Die Tests in Barcelona ) .

"Wir haben viel gelernt"

Jedenfalls sind vom McLaren-Lenker während des Barcelona-Testfinales vor den Toren der katalanischen Metropole deutlich optimistischere Töne zu vernehmen. "Wir haben viel gelernt und gute Fortschritte gemacht", ließ Hamilton auf der berühmten Strecke nahe des Städtchens Montmelo verlauten.

Und fügte dann hinzu: "Ich glaube, das Auto ist stark. Stärker jedenfalls als letztes Jahr um diese Zeit. Auch wegen der Benzinmengen, mit denen wir gefahren sind, sind wir, verglichen mit anderen, ziemlich stark."

Das klingt kühn angesichts der lediglich neuntbesten Zeit, die der junge Brite bei seinem vorletzten Testeinsatz am Freitag im Elfer-Feld hinlegte (SERVICE: Die Resultate aus Barcelona).

McLaren hält sich bedeckt

Auch bei der vorangegangenen Testsession auf dem Circuit de Catalunya hatten weder Hamilton noch sein Teamkollege Jenson Button mit Bestzeiten geglänzt. Was aber offenbar auf die Taktik des englischen Weltmeister-Rennstalls zurückzuführen ist.

Das Team will sein Blatt im Schattenbox-Duell mit Red Bull auf keinen Fall zu früh aufdecken. Was McLaren wirklich drauf hat, werde es in Barcelona nicht mehr zeigen, kündigte Hamilton an: "Damit warten wir bis Melbourne." ( DATENCENTER: Rennkalender 2012)

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Und nicht nur dort werden die Engländer Vettels Weltmeister-Team herausfordern. Das vermuten viele Experten, auch Force-India-Pilot Nico Hülkenberg sieht das so. "Sie sind am dichtesten dran", sagte der Formel-1-Rückkehrer gegenüber SPORT1.

Und die Aussagen der Engländer lassen darauf schließen, dass sie sich mit dieser Rolle gut anfreunden können - wohl selbst sogar noch mehr wollen, als nur Herausforderer sein.

Red Bull nicht "superüberlegen"

Wie sonst sind die Sticheleien gegen den österreichisch-englischen Konkurrenten zu verstehen. "Red Bull hat ein solides, schnelles Auto. Aber sie sind nicht superüberlegen", hatte Teamchef Martin Whitmarsh bereits nach der ersten Barcelona-Woche gemutmaßt - und dabei offenbar auch technische Zaubereien des Rivalen mit einkalkuliert.

Sein Team werde den MP4-27 fürs Testfinale nochmals durch Technik-Updates beschleunigen, "aber das wird Red Bull vermutlich auch tun".

Sein Angestellter Hamilton gab sich in Barcelona von den letzten Nachrichten, Red Bull habe einen Wunder-Auspuff am RB8, denn auch ziemlich unbeeindruckt. Mindestens eine Podiumsplatzierung müsse beim Auftakt-Spektakel in Melbourne in zwei Wochen drin sein (VETTEL: Hoffnung Wunder-Auspuff).

"Lotus sieht schnell aus"

Und als er auf dem Parcours in Montmelo nach jenen Piloten gefragt wurde, die er am meisten fürchte, fiel ihm Doppel-Weltmeister Sebastian Vettel nicht als erster ein. Man möge unbedingt auf Formel-1-Rückkehrer Kimi Räikkönen achten, so Hamilton: "Der Lotus sieht wirklich schnell aus."

Er sei sich sicher, dass auch der mit Ferrari ordentlich ins Schlingern geratene Ex-Kollege Alonso schnell sei, meinte Hamilton - und schob dann nach: "Und Sebastian natürlich auch."

Die Saison kann losgehen, die Psychospielchen haben begonnen.

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