Felipe Massa fährt seit 2006 für das Traditionsteam aus Maranello © getty

Die legendäre italienische Formel-Firma kommt bei den Testfahrten nicht in Gang. Die Konkurrenz scheint jetzt bereits enteilt zu sein.

Aus Barcelona berichtet Marc Ellerich

Barcelona - Ob Fernando Alonso Jean Eric Vergne bis dato kannte?

Gehört haben wird er den Namen des jungen Franzosen vermutlich schon einmal (SERVICE: Die Resultate aus Barcelona).

Vergne ist jener talentierte junge Pilot, der bei den diesjährigen "Young Driver Days" der Formel 1 dreimal mit der Bestzeit glänzte und wohl auch deshalb den Toro-Rosso-Renner als Stammpilot über die Rennpisten dieser Welt steuern darf - sehr zum Leidwesen der bisherigen Platzhirsche Jaime Alguersuari und Sebastien Buemi.

Vergne überflügelt Alonso

Und dass ihn Ferrari-Star Alonso ins Herz geschlossen hat, darf von nun an auch bezweifelt werden: Vergne hat dem Spanier in Barcelona die Vormittagsbestzeit am zweiten Tag der finalen Übungsfahrten auf dem Circuit de Catalunya vermasselt.

Aber andererseits: Vielleicht nehmen Alonso und die Seinen vom italienischen Legenden-Team dem Youngster seine schnelle Rundenzeit nicht einmal krumm ( 525286 DIASHOW: Die Tests in Barcelona ) .

Vielleicht ist man bei den Roten einfach nur erleichtert, dass der eigene Name endlich mal wieder fast ganz oben im Zeitentableau des Motorsport-Elitezirkels aufgetaucht ist.

Zeichen der Ermutigung

Als Zeichen der Ermutigung - oder zumindest als mehr oder weniger ernsthaftes Signal an die Formel-1-interessierte Öffentlichkeit, dass es mit Ferrari doch noch nicht vorbei ist ( DATENCENTER: Rennkalender 2012).

Denn bisher sendete die Formel-1-Abteilung der berühmten Marke mit dem springenden Pferd ganz andere Signale aus: Zeichen einer tiefen Krise, die darin gipfelte, dass sie ihren F2012 mit giftgrüner Farbe bespritzt auf die Rennstrecke in Montmelo vor den Toren der katalanischen Metropole schickten.

[image id="c0acef50-645a-11e5-acef-f80f41fc6a62" class="half_size"]

Die Konkurrenz von Red Bull, McLaren oder dem im Vorjahr noch abgehängten Mercedes-Team schickte ihre Autos derweil auf den Kurs, um Ausdauer-Läufe abzuspulen, im Formel-1-Jargon Longruns genannt, oder sogar um komplette Renn-Wochenenden samt Boxenstopps zu simulieren.

Die schrille Farbe auf dem legendären roten Renner war Ausdruck großer Ratlosigkeit: Ferrari hat sein Auto immer noch nicht verstanden, schrieben die Journalisten nieder. Mit der grünen Farbe auf dem roten Lack versuchte der Rennstall das rätselhafte aerodynamische Verhalten seines Rennwagens zu erforschen.

Alonso redet Krise klein

Und während andere, etwa McLarens Geschäftsführer Jonathan Neale mit der forschen Ankündigung vorpreschten, das englische Vorzeige-Team dürfe sich Hoffnungen auf den Titel machen, hatte Alonso große Mühe, die Krise klein zu reden.

"Es gibt noch keinen Grund zur Aufregung", kommentierte der spanische Pilot die mittelmäßigen Ergebnisse der zweiten von drei Testwochen in diesem Winter, nach der für ihn lediglich die siebtbeste Zeit im 22-köpfigen Fahrerfeld zu Buche stand.

"Wir waren bisher nie auf Spitzenzeiten aus, sondern haben unser klar definiertes Testprogramm Stück für Stück abgearbeitet", behauptete Alonso.

Dass es um seine Coolness vielleicht nicht ganz so bestellt ist, wie der spanische Top-Pilot glauben machen will, verrät indes ein anderer Satz, der Alonso zugeschrieben wird: Ferrari sammele immer noch Daten, "die wir längst haben sollten".

Stochert Ferrari im Nebel?

Für Aufruhr sorgten auch die Worte des Doppel-Weltmeisters der Jahre 2005 und 2006, Ferrari probiere pro Test-Tag bis zu 50 verschiedene Komponenten aus. Was den Eindruck, die Italiener stocherten im Nebel, erst recht verstärkte.

Was ist nur bei Ferrari los? Selbst Alonsos junger deutscher Widersacher Sebastian Vettel wundert sich. "Die sind für mich momentan noch ein großes Fragezeichen", ließ er verlauten.

Und das Fachblatt "Motorsport aktuell" zitierte einen Alonso-Insider: Sollte Ferrari bei den abschließenden Tests nicht an Weltmeister Sebastian Vettel herangekommen sein, "schaffen wir das bei normalem Verlauf die ganze Saison nicht mehr".

Der Druck auf Ferrari ist also gewaltig. Den letzten Weltmeistertitel für das italienische Renommier-Team fuhr der mittlerweile bei Lotus in die Formel 1 zurückgekehrte Kimi Räikkönen ein.

Auch in der Teamwertung enteilte die Konkurrenz: Seit 2009 stehen die Platzierungen vier, drei und drei zu Buche. Allzu logisch erscheint es da, dass mittlerweile vor allem Teamchef Stefano Domenicali immer stärker in den Fokus gerät.

Ferrari braucht den großen Wurf

Nach der misslungenen Vorsaison musste noch Ferraris Technikchef Aldo Costa das Feld räumen - mit einem vergleichbaren Bauernopfer wäre es bei einem Fehlschlag 2012 wohl nicht mehr getan.

Ferrari braucht also den großen Wurf. Zunächst bei den Abschlusstests in Barcelona. Aber nicht einmal das wird wohl genügen.

Wie hatte es Fernando Alonso beim ersten Barcelona-Testtreffen formuliert? "Wir haben uns im Winter das Ziel gesetzt, das wir gleich beim ersten Rennen um den Sieg mitfahren."

An diesen Worten werden er und sein berühmter Ferrari-Rennstall ganz gewiss gemessen werden.

Weiterlesen