Die Auspuff-Variante von Mercedes sorgt für lustige Motive (Copyright: twitter@nico_rosberg) © twitter

Die neue Auspuff-Variante von Mercedes fällt komplett durch und sorgt für Heiterkeit. An weiteren Vorschlägen wird gearbeitet.

Von Tobias Wiltschek

Barcelona/München - Diese Bezeichnung trifft es am besten.

Einschlägige Lexika definieren den Begriff des "Rohrkrepierers" im übertragenen Sinne als "übereilte Maßnahme, die in einem Misserfolg endet" oder auch "als misslungen empfundenen Witz".

Das Rohr, das Mercedes am zweiten Tag der Formel-1-Tests in Barcelona dem Piloten Nico Rosberg ans Heck seines Boliden schraubte, erfüllt beide Kriterien einwandfrei.

Nachdem sich immer mehr Fahrer, Veranstalter und Fans über den mangelnden Sound der neuen V6-Motoren echauffiert hatten, kündigten die Silberpfeile noch vor dem Spanien-GP eine neue Auspuff-Variante an.

Eigenartiges Konstrukt

13 Runden lang fuhr Rosberg nun die Mischung aus Trichter, Trompete und Vuvuzela auf dem Circuit de Catalunya spazieren (DATENCENTER: Tests in Barcelona).

Das reichte dem WM-Zweiten schon, um sein abschließendes Urteil fällen zu können.

"Leider hat es rein gar nichts geändert. Wir müssen daran noch arbeiten", sagte Rosberg. "Wir wollen das Ganze lauter haben, deshalb müssen wir jetzt andere Lösungen finden, weil das nicht funktioniert hat."

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Heiterkeit statt Lautstärke

Tatsächlich sorgte der rund ein Meter lange, trichterförmige Metall-Aufsatz am Heck des F1 W05 Hybrid keineswegs für mehr Lautstärke - dafür aber für umso mehr Heiterkeit.

Am Tag nach der Vorführung veröffentlichte Rosberg eine Fotomontage eines Team-Mitglieds. Das zeigt den Jazztrompeter Louis Armstrong, der den Auspuff als Trompete nutzt.

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Enttäuschte Erwartungen

Ob allerdings Andy Cowell das Ganze auch so lustig findet, darf bezweifelt werden. Schließlich hatten der Motorenchef von Mercedes und seine Ingenieure intensiv über eventuelle Lösungen nachgedacht und durchaus Erwartungen geweckt.

Der Auspuff werde nicht nur die Lautstärke in die Höhe schrauben, sondern gleich auch die Farbe des Klanges verändern, hieß es. Mit der Häme muss nun vor allem Mercedes leben, auch wenn sich die anderen Motorenhersteller Renault und Ferrari an der Entwicklung beteiligt haben.

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Vettel stößt Debatte an

Vor allem von Sebastian Vettels Red-Bull-Rennstall hätte man jedoch erwarten können, dass er als erstes einen eigenen Lösungsvorschlag präsentiert. Denn der viermalige Weltmeister war es, der die Debatte schon sehr früh angestoßen hatte.

Er verglich den Sound der neuen Antriebseinheiten mit einem "Staubsauger" und wünschte sich, er könne endlich wieder "eine Bestie zähmen".

Doch offenbar muss sich Red Bulls Motorenlieferant Renault erst einmal um dringendere Sachen kümmern als um die Steigerung der Dezibelzahlen. Immerhin ist Mercedes den "Bullen" nach nur fünf Rennen schon um über 100 WM-Punkte enteilt.

Vorsprung ausgebaut

In Spanien haben die Silberpfeile mit dem vierten Doppelsieg in Folge den Vorsprung auf die Konkurrenz noch einmal ausbauen können.

Bei einem so komfortablen Vorsprung blieb Mercedes in den vergangenen Wochen offensichtlich noch genügend Zeit, sich um ein Problem zu kümmern, das eigentlich keines ist.

Die Ergebnisse des Trompetentests werden nun innerhalb der FIA und dann mit den Teams diskutiert.

Abgesehen davon, dass die Mercedes-Variante in Barcelona offensichtlich ihre Bestimmug verfehlt hat, wird sie wohl auch deshalb keine Zukunft haben, weil die Rivalen Red Bull und Ferrari dadurch einen Wettbewerbsvorteil für die ohnehin schon dominanten Silberpfeile wittern würden.

Renault kündigt Lösung an

Die Verantwortlichen von Renault haben zumindest schon mal angekündigt, in absehbarer Zeit ebenfalls eine Lösung für das Lautstärke-Problem zu präsentieren.

"Wir sind in der Forschungsphase und versuchen, dem Thema adäquat zu begegnen", wird Technikchef Rob White in der "Bild"-Zeitung zitiert.

Es ist also durchaus möglich, dass sich die Formel-1-Welt auf ein weiteres optisches Highlight freuen kann. Ob das auch akustisch ein Vollteffer wird, darf aber weiter bezwweifelt werden.

Nicht wenige Experten sind der Meinung, dass sich Formel-1-Motoren künstlich nicht lauter machen lassen. Ihre Argumentation: Abgesehen von der Lautstärke können die neuen Hybrid-Turbomotoren mit sechs Zylindern das charakteristische, aggressive Kreischen der alten V8-Saugmotoren einfach nicht leisten.

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