Das interne Duell bei den Silberpfeilen spitzt sich zu. Rosberg will zurückschlagen. Lauda spricht schon von Krieg.

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Von Tobias Wiltschek

München - Ob Sebastian Vettel mehr über das zwischenmenschliche Klima bei den beiden Mercedes-Piloten weiß?

Vor dem Spanien-Grand-Prix versuchte der Red-Bull-Pilot jedenfalls schon mal, sich in die Lage seines Landsmanns Nico Rosberg hineinzuversetzen - und kam zu folgendem Ergebnis: "Ich würde Lewis jetzt hassen, wenn ich Nico wäre."

Erfahren in psychlogischer Kriegsführung

Ganz ernst gemeint war das zwar nicht. Aber Vettel kennt sich nach jahrelanger teaminterner Rivalität mit Mark Webber bestens aus in psychologischer Kriegsführung.

Und dass in seinem flapsigen Spruch auch ein wenig Wahrheit steckte, war den beiden Silberpfeil-Piloten nach dem Rennen in Barcelona ja auch deutlich anzumerken.

Nachdem sich Hamilton zum vierten Mal in Serie gegen seinen einstigen Kart-Kumpel durchgesetzt und ihm auch noch die WM-Führung abgenommen hatte, war von Freundschaft nichts mehr zu sehen (DATENCENTER: WM-Stand Fahrer).

Wortlos in den Katakomben

Wortlos standen sie sich nach dem Rennen in den Katakomben der Tribüne gegenüber, würdigten sich keines Blickes (DATENCENTER: Das Renn-Ergebnis).

Spätestens in diesem Moment war klar, dass aus den früheren Freunden erbitterte Konkurrenten geworden sind.

Im gleichen Maße nimmt die Rivalität unter den beiden Crews der Piloten ebenfalls an Schärfe zu, was auch Daimler-Vorstandschef Dieter Zetzsche auf dem Circuit de Catalunya nicht verborgen blieb.

"Sie ahnen gar nicht, was bei uns in der Garage los war. Die beiden Crews haben sich mit allen Mitteln der Kunst versucht, gegenseitig auszutricksen", sagte der Ober-Boss von Mercedes.

Von der "Bild"-Zeitung ließ er sich gar mit den Worten zitieren: "Die Crews von Lewis und Nico sind sich beinahe an die Gurgel gegangen."

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Lauda: "Lewis ist unschlagbar"

Noch verweisen die Verantwortlichen gerne darauf, dass sie beide Piloten frei gegeneinander fahren lassen. Dabei hat sich zumindest Aufsichtsratsboss Niki Lauda schon auf einen Favoriten festgelegt.

"Lewis ist unschlagbar - so einfach ist das. Denn er wird Rennen für Rennen noch besser", betonte der Österreicher: "Er macht keinen einzigen Fehler und ist absolut fokussiert. Du kannst den Jungen nicht schlagen."

Das klingt so, als gäbe es bei den Silberpfeilen nun doch eine klare Nummer 1, obwohl Mercedes ja eigentlich von einer Hackordnung im Team nichts wissen will.

Rosberg ist jedenfalls gewarnt und schlägt schon mal verbal zurück. "Die Saison ist noch lang, und beim nächsten Rennen in Monaco will ich wieder übernehmen", kündigte er schon bei der Pressekonferenz nach dem Spanien-GP an.

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Rosbergs Schwächen

Um diesen Worten Taten folgen zu lassen, muss der 28-Jährige allerdings zwei Schwächen noch ausmerzen.

Erstens muss er endlich die miserable Qualifying-Bilanz gegen seinen Teamkollegen von derzeit 1:4 verbessern, um auch wieder einmal von der Pole-Position ins Rennen zu gehen.

Zweitens ist er auf dem Weg zur ersten Kurve noch zu langsam. "Mein Start war schlecht", musste er auch in Barcelona einräumen: "Das ist eine unserer Schwächen. Wir werden versuchen, uns zu steigern."

Erst wenn er im Rennen einmal wieder vor Hamilton fährt, kann der den Spieß im Teamduell umdrehen.

Rivalität wird zunehmen

Von den anderen Teams droht trotz der Steigerung von Red Bull vorerst keine ernst zu nehmende Gefahr. Auch deshalb wird die Rivalität der beiden Silberpfeil-Piloten in den nächsten Rennen noch zunehmen.

Und Lauda heizt das Duell sogar noch an.

"Sie können gegeneinander fahren, und wer es übersteht, ist Weltmeister. Ich wünsche mir, dass sie alle anderen aus dem Rennen werfen, dann gibt es keinen Gegner mehr. Und dann wird es wirklich ein Krieg werden."

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