Nico Rosberg gewann in der Formel 1 bisher vier Rennen © getty

Die Diskussion um die angeblich zu leisen Motoren geht weiter. Mercedes will beim Spanien-GP ein Megafon am Auspuff montieren.

Von Jan Reinold

München - Es sagt viel über die Formel 1 aus, dass sich die Königsklasse des Motorsports seit Wochen mit einer beinahe lächerlichen Lärm-Diskussion beschäftigt.

Vor allem Weltmeister Sebastian Vettel, der in den ersten vier Rennen hinterherfuhr, sorgt sich angesichts der leiseren V6-Turbomotoren um das Image der Formel 1.

Zum wiederholten Male klagte der Red-Bull-Pilot über die im Vergleich zum Vorjahr deutlich leistungsschwächeren Aggregate. Zumindest was die Lautstärke der Motoren angeht, erhält er nun Schützenhilfe von der Konkurrenz.

"Ich glaube, es ist schon wichtig, dass wir daran arbeiten, weil das einfach zur Show gehört", meinte WM-Spitzenreiter und Mercedes-Pilot Nico Rosberg zum Tonproblem. (DATENCENTER: WM-Stand Fahrer)

Show - und nicht nur Sport. Darum geht es. Spektakel muss geboten werden, also wird für den Spanien-GP in Barcelona (Training am Freitag, ab 10 Uhr im LIVE-TICKER und im TV auf SPORT1) mit allen Mitteln am Lautstärke-Problem gearbeitet.

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Megafon am Auspuff

"Wir haben vergangene Woche darüber diskutiert, welche Lösungen es gibt, und wir von Mercedes haben da Ansätze und Vorschläge. Die werden wir auch in Barcelona am Auto testen und probieren", kündigte Mercedes-Teamchef Toto Wolff an:

"Die Ansätze gehen dabei von sehr komplexen Lösungen innerhalb des Auspuffsystems bis zu simplen Megafone hinten drauf. Ein Megafon-Lautsprecher ist ein paralleler Auspuff, der sich am Ende einfach öffnet - mit allen Problemen, die so etwas mit sich bringt."

Das klingt irgendwie lächerlich, und so ganz überzeugt klingt Wolff selbst nicht: "Ich weiß nicht, ob das für die Formel 1 spricht, nichtsdestotrotz kommt Mercedes mit Vorschlägen und Ansätzen nach Barcelona."

Auf die Länge kommt's an

Das ist schön zu hören. Ob es die unsägliche Lärm-Diskussion beendet, wird man sehen. Zumal Mercedes-Motorchef Andy Cowell sagt, dass die Lautsprecher-Lösung "mechanisch nicht so leicht" sei.

Sollte das Mercedes-Megafon nicht die gewünschte Wirkung entfalten, bleiben angeblich nicht mehr viele Alternativen. Die Ingenieure behaupten, es gebe nur sehr begrenzte Möglichkeiten, die Motorenlautstärke unter den aktuellen Regelvorschriften zu erhöhen.

Laut Rob White hängt das Problem der geringen Motorenlautstärke aber nicht mit der Drehzahl-Beschränkung (15.000 Umdrehungen pro Minute) oder der Durchflussmengen-Begrenzung (100 Kilogramm pro Stunde) zusammen.

"Das liegt an den Auspufflängen und an der Kontrolle des Turboladers", wird der Renault-Motorenchef in der "auto motor und sport" zitiert: "Mercedes hat den kürzesten Auspuff, wir den längsten, und Ferrari liegt irgendwo dazwischen. Die Drehzahl und die Steuerzeiten spielen nur eine untergeordnete Rolle."

Vettel braucht "ein Biest"

Mitten im Jahr wird das erst zu dieser Saison generalüberholte Reglement kaum geändert werden, zumal sich insbesondere Primus Mercedes aus verständlichen Gründen gegen jede Regeländerung sträubt.

Der Automobilweltverband FIA hat sich zwar ebenfalls des Problems angenommen, aber eigentlich ist ja alles wie immer in der Formel 1.

"Die vorne beschweren sich nicht, die hinten schon", sagt FIA-Präsident Jean Todt mit einem Schmunzeln: "Das war doch schon immer so."

Und in diesem Jahr sind die, die hinterherfahren, nun die ehemaligen Seriensieger von Red Bull um den viermaligen Weltmeister Vettel.

Zicke statt Biest

Gerade der Heppenheimer, der bislang auch im teaminternen Duell mit Daniel Ricciardo den Kürzeren zog, hat sich in eine Fundamental-Opposition zum neuen Auto begeben. Alles ist doof, auch das Geräusch.

"Wir sind eine Sportart, die dafür berühmt ist, laut und gefährlich zu sein. Wir laufen Gefahr, den Kern des Motorsports zu verlieren", meinte der Titelverteidgier im "Focus": "Ich hätte gerne Autos, die so schnell fahren wie es überhaupt nur geht. Ich brauche das Gefühl, einen Drachen oder ein Biest zu zähmen."

Bekommen aber hat er, der nach den ersten vier Rennen in der Fahrerwertung nur auf Platz fünf liegt, eine Zicke.

"Suzie", wie er den RB10 taufte, "macht noch nicht, was ich will", gibt der Weltmeister zu: "Beim Bremsen und Rausfahren aus den Kurven fehlt mir zudem das absolute Vertrauen."

Buttons Seitenhieb auf Vettel

Möglicherweise sind die Probleme nicht die Schuld der Technik, denn Ricciardo scheint bislang deutlich besser mit dem Boliden zurechtzukommen.

Zuletzt landete der Australier in China und Bahrain vor Vettel, beim Saisonauftakt in Australien war der ursprünglich zweitplatzierte Youngster zudem disqualifiziert worden (DATENCENTER: Ergebnisse Rennen).

McLaren-Pilot Jenson Button konnte sich daher einen Seitenhieb auf Vettel nicht verkneifen, auch wenn er den Deutschen namentlich nicht erwähnte.

"Wenn man gewinnt", sagte der Ex-Weltmeister; "ist es egal, wie laut der Motor ist".

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