Romain Grosjean feierte 2009 bei Renault sein Debüt in der Formel 1 © getty

Boullier bläst nach den starken Leistungen von Grosjean zur Attacke auf die Rivalen. Ein wichtiger Deal verzögert sich.

Von Tobias Wiltschek

München - Noch immer herrscht Ungewissheit bei Lotus.

Am vergangenen Rennwochenende in Japan (Ergebnis) hatte Teamchef Eric Boullier Sauber-Pilot Nico Hülkenberg zum Wunschkandidaten für das zweite Lotus-Cockpit ab 2014 erklärt (Bericht).

Doch erst wenn der lang ersehnte Deal mit einer Investorengruppe endgültig fixiert ist, können die Schwarz-Goldenen den Nachfolger des zu Ferrari wechselnden Kimi Räikkönen verkünden.

Gute Stimmung

Was die aktuelle Situation angeht, könnte die Stimmungslage beim Rennstall aus Enstone aber kaum besser sein.

Seit dem Singapur-Grand-Prix hat Lotus 73 Punkte und vier Podestplatzierungen geholt. Der Rückstand auf den finanziell lukrativen Platz zwei der Konstrukteurs-Wertung ist seitdem auf 33 Zähler zusammengeschmolzen (DATENCENTER: WM-Stand Teams).

Schätzungen zufolge bringt der Rang hinter dem weit enteilten Spitzenreiter Red Bull 15 Millionen Euro mehr ein als Platz vier.

Boullier richtet schon einmal Kampfansagen an die Konkurrenz von Ferrari und Mercedes, die derzeit vor Lotus liegen. "Wir sind klar schneller als Ferrari - sowohl im Qualifying als auch im Rennen. Und im Vergleich zu Mercedes sind wir vielleicht ein bisschen langsamer im Qualifying, aber dafür besser im Rennen", erklärte der Franzose bei "autosport.com".

Rivalen unter Druck

Der Druck liege jetzt bei den Rivalen, so Boullier: "Wir werden tun, was wir können. Ich denke, einer von ihnen wird dran glauben müssen, aber wir werden versuchen, beide zu kriegen."

Dass Lotus nach zwei mageren Rennen auf den Hochgeschwindigkeitskursen in Spa und Monza vor den Asien-Stationen wieder die Kurve gekriegt hat, hat mehrere Gründe.

Die nicht ganz so schnellen Strecken in Asien kommen dem E21 sehr entgegen. "Wir hatten eine bessere Leistung erwartet, wenn wir erst einmal auf Strecken für mehr Abtrieb kommen, das hat sich bewahrheitet", erklärte Chefingenieur Alan Permane.

Außerdem gehen die Lotus-Renner derzeit schonender mit den Pirelli-Reifen um als Mercedes und Ferrari. "Das Auto war super, wir haben die Reifen gut gemanagt", bekundete Romain Grosjean nach seinem dritten Platz beim Japan-GP am vergangenen Wochenende.

Vom Bruch- zum Top-Piloten

Nicht zuletzt gilt auch der französische Pilot selbst als wichtiger Faktor für den schwarz-goldenen Aufschwung. Im vergangenen Jahr noch verschuldete er zwei Startunfälle und wurde als draufgängerischer Bruchpilot abgestempelt. In dieser Saison ist er zu einem Top-Fahrer gereift, stand schon vier Mal auf dem Podium.

"Romain hat seine Lektion gelernt. Das verdient großen Respekt", lobte Weltmeister Sebastian Vettel den Achtplatzierten der WM-Wertung (DATENCENTER: WM-Stand Fahrer).

Auch Permane ist die positive Entwicklung des 27-Jährigen nicht entgangen. "Neu ist, dass Romain auch im Rennen eine gute Pace zeigt. Da ist er jetzt auf einem Level mit Kimi."

In Suzuka stand Grosjean erstmals in dieser Saison als einziger Lotus-Pilot auf dem Podium, Kimi Räikkönen musste sich nach schwachem Qualifying mit Platz fünf begnügen.

Indirekt ist wohl auch der "Iceman" am Höhenflug seines Kollegen beteiligt. Seitdem sein Wechsel zu Ferrari feststeht, fährt Grosjean wie entfesselt.

"Extrem konzentriert"

"Er ist einfach extrem fokussiert und konzentriert. Er macht alles richtig, hat viel Selbstvertrauen", betonte Permane.

Dass der Aufschwung bei Lotus bald wieder vorbei sein könnte, befürchtet Teamchef Boullier nicht - im Gegenteil.

"Die restlichen Strecken sind Südkorea und Japan sehr ähnlich, verlangen etwa gleichviel Anpressdruck", sagte er: "Außerdem kommen in den nächsten paar Rennen die Medium- und Soft-Reifen zum Einsatz, die uns hervorragend entgegenkommen."

Die Zuversicht ist groß bei den Schwarz-Goldenen - und wohl auch der Wille, es besser zu machen als 2012. Damals lagen sie nach den ersten drei Asienrennen ebenfalls in Schlagdistanz zu Platz zwei.

In den abschließenden vier WM-Läufen holten sie aber nur noch 48 Punkte - und mussten sich abgeschlagen mit Platz vier begnügen.

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