Kimi Räikkönen steht seit 2012 bei Lotus unter Vertrag © getty

Lotus drücken Schulden in dreistelliger Millionenhöhe. Räikkönens Zukunft bleibt offen. Die Bosse versuchen sich als Romantiker.

Von Christoph Lother

München - Wechselgerüchte hier, ein technischer Defekt da, ein empfindlicher Rückschlag im WM-Kampf dort.

Erst sorgten die anhaltenden Spekulationen über einen möglichen Abschied Kimi Räikkönens von Lotus zum Saisonende im Vorfeld des Großen Preises von Belgien für jede Menge Schlagzeilen.

Dann schied der Finne in Spa aufgrund einer überhitzten Bremsscheibe aus und verabschiedete sich somit womöglich vorzeitig aus dem Titelrennen (DATENCENTER: WM-Stand Fahrer).

Und als wäre die Stimmung bei Lotus nach den Querelen des vergangenen Wochenendes nicht schon angespannt genug, sorgen Meldungen über einen angeblichen Bankrott des Teams nun für zusätzlichen Ärger.

120 Millionen Euro Schulden

Endgültig pleite ist der Rennstall aus Enstone zwar nicht. Mittlerweile hat sich der Schuldenberg aber auf über 120 Millionen Euro angehäuft, wie Mitbesitzer Gerard Lopez gegenüber "Auto Motor und Sport" bestätigte.

Sollten in absehbarer Zeit keine finanzkräftigen Großsponsoren gewonnen werden, dürfte es für Lotus eng werden.

"Wir werden die finanzielle Struktur im Team reorganisieren", hatte Teamchef Eric Boullier Anfang August dem finnischen TV-Sender "MTV3" gesagt und eine "große finanzielle Investition, die Teil unseres Plans für die Zukunft ist" angekündigt.

Vergebliche Suche nach Investoren

Vorangekommen sind die Briten bei der Suche nach einem Geldgeber seitdem aber offenbar nicht.

Im Gegenteil: Wie "motorsport-total.com" berichtet, ist der geplante Deal mit der Investorengruppe Infinity geplatzt.

Auch Lopez, Vorsitzender von Lotus-Eigentümer Genii Capital Partners, äußert sich zurückhaltend: "Daran wird noch gearbeitet, aus Bankensicht. Wir werden sehen, was passiert."

Räikkönen lässt Zukunft weiter offen

Gleiches gilt für die Personalie Räikkönen.

Anders als Kollege Romain Grosjean, der offen um seine Weiterbeschäftigung wirbt (News), lässt der Weltmeister von 2007 sein Team hinsichtlich der neuen Saison seit Wochen im Ungewissen.

Stattdessen wird Räikkönen mit Red Bull, Ferrari und McLaren in Verbindung gebracht ( 576155 DIASHOW: Das Fahrerkarussell 2014 ).

"Vor zwei Monaten hat er gesagt, dass er bleibt, wenn wir ihm gewisse Garantien geben können, technische Garantien", kommentiert Lopez die Gerüchte über einen Wechsel des "Iceman" im Winter und fügt hinzu: "Ich denke, die Chance dass er bleibt, ist hoch."

Lopez: Geld für Räikkönen kein Problem

Daran, dass Räikkönen vom finanziellen Engpass seines Arbeitgebers allmählich genug haben könnte, glaubt Lopez nicht.

"Das ist nicht das Problem", sagt der Luxemburger über die jüngsten Beschwerden des Finnen, Teile seines Gehalts verspätet oder gar nicht erhalten zu haben.

"Er hat einige Bonuszahlungen für seine Punkte erhalten", berichtet Lopez und führt aus: "Sein Hauptanliegen ist, dass wir nächstes Jahr ein Topteam sind, auch weil sich die technischen Spezifikationen stark ändern."

Soll heißen: Lotus und vor allem Räikkönen streben bei der Zusammenarbeit mit Motorenhersteller Renault eine Entwicklung vom Kunden- zum Werksteam an.

"Wir diskutieren, wie wir näher an Renault heranrücken können. Deswegen haben wir den Motorenvertrag bisher noch nicht unterschrieben", erklärt Lopez.

Boullier: "Kimi weiß, was er an uns hat"

Auch Lotus-Teamchef Boullier glaubt, dass der sportliche Aspekt Räikkönens Entscheidung über dessen Zukunft mehr beeinflussen wird als der finanzielle.

"Kimi ist nicht käuflich. Er braucht nicht noch mehr Geld in seinem Leben, er verdient hier genug", sagt der Franzose angesichts Räikkönens derzeitigen Jahresgehalts von geschätzten 11,5 Millionen Euro.

"Er ist unser großes Plus. Und er wiederum weiß, was er an uns hat. Das Umfeld muss bei ihm passen", so Boullier weiter.

Technik am E21 ausgereizt

Bei aller Romantik können die Lotus-Bosse die Augen vor der - zumindest finanziell - bitteren Wahrheit aber nicht verschließen.

"Wir haben für 2013 nicht mehr viel in der Pipeline. Was wir geplant hatten, ist bereits entwickelt und wird im entsprechenden Rennen eingesetzt werden", beschreibt Chefingenieur Alan Permane bei "Auto Motor und Sport" den eingeschränkten Handlungsspielraum seiner Crew bei der Arbeit mit dem Lotus E21.

Allzu große Leistungssprünge sind von dem bislang durchaus beachtlich auftretenden Rennstall aus der Nähe von Oxford in den verbleibenden acht Saisonrennen also nicht mehr zu erwarten.

Stattdessen droht ein Absprung - der von Räikkönen.

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