Rosberg liegt vor dem Belgien-GP 40 Punkte hinter Hamilton © imago

Spätestens seit dem Ungarn-GP steht Rosberg im Schatten von Hamilton. Eine Stallorder zugunsten des Briten fürchtet er nicht.

Spa - Es arbeitet in Nico Rosberg. Die Kiefer mahlen, man merkt, auf diese Fragen hat er keine Lust.

Dann setzt er an. "Ich spiele überhaupt nicht die zweite Geige, das höre ich jetzt zum ersten Mal", sagte der Formel-1-Pilot im Vorfeld des Großen Preises von Belgien (Qualifying Sa. ab 13.45 Uhr im LIVE-TICKER und Highlights ab 17 Uhr im TV auf SPORT1) mit Nachdruck.

Auf die Kraftverhältnisse bei Mercedes war er soeben angesprochen worden, ob er sich angesichts des WM-Standes mit der Rolle hinter Lewis Hamilton begnügen müsse.

Die Fragen sind nicht unberechtigt, denn mit 48 Punkten Rückstand auf Weltmeister Sebastian Vettel (Red Bull) hat Hamilton noch Chancen auf den Titelgewinn, Rosberg liegt dagegen bereits 88 Zähler zurück (DATENCENTER: WM-Stand Fahrer).

Rosberg im Training schneller

Im Training zum Belgie-GP zeigte sich ein anderes Bild. Rosberg fuhr exakt eineinhalb Zehntelsekunden schneller als sein britischer Teamkollege (DATENCENTER: Das Trainingsergebnis).

Doch auch Hamilton braucht für eine Aufholjagd jeden Punkt - eine Teamorder würde damit in gewissen Situationen Sinn machen. Doch Rosberg wiegelt ab. "Die Gefahr besteht nicht, das Thema gibt es bei uns in keiner Form", sagt er: "Teamintern ist es wie immer: Wir werden gleich behandelt und fahren Vollgas."

Rosberg spielt zweifellos eine gute Rolle in diesem Jahr, doch die Entwicklung der vergangenen Wochen war undankbar für den 28-Jährigen.

Der Wahlmonegasse fährt die beste Saison seiner Karriere, keine zwei Monate ist es her, da war er das Gesicht des Aufschwungs bei den Silberpfeilen. Rosberg gewann in Monaco und Silverstone - doch Hamilton punktete konstanter.

Hamilton schärfster Vettel-Rivale?

In der Fachwelt gilt der Engländer seit dem Sieg in Ungarn vor vier Wochen, seinem ersten für Mercedes, als schärfster Konkurrent Vettels - noch vor Kimi Räikkönen (Finnland/Lotus) und Fernando Alonso (Spanien/Ferrari), die im Klassement derzeit vor ihm liegen.

Die Konkurrenz befeuert diese Stimmung genüsslich. So meldete sich Red-Bull-Motorsportberater Helmut Marko kürzlich zu Wort. "Mercedes", sagte er in der "Auto Bild", "wittert jetzt die Chance und wird alles auf Hamilton setzen."

Dem ehrgeizigen Rosberg kann das nicht gefallen, und bei den Stuttgartern beteuert man schon seit Saisonbeginn, seit der Ankunft von Neuzugang Hamilton, dass beiden Piloten die exakt gleichen Chancen eingeräumt werden.

Wertvolle Hilfe

Rosberg hat sich das auch in den schwierigen Jahren seit 2010 verdient, in denen er mithalf, das Auto zu entwickeln, in denen Top-Ergebnisse jedoch kaum möglich waren.

Eine Reihenfolge gebe es "überhaupt nicht", sagt etwa Motorsportchef Toto Wolff. Und auch Mercedes-Aufsichtsrat Niki Lauda will daran keinen Zweifel lassen. "Bei uns gibt es eine klare Ansage: Jeder kann machen, was er will", sagte der 64-Jährige bei "auto motor und sport".

Einzig Teamchef Ross Brawn schlug während der vierwöchigen Sommerpause andere Töne an - und räumte das Konfliktpotenzial ein, das in der zweiten Saisonhälfte schlummert.

Der Grund dafür sei ein einfacher: "Wir haben das beste Fahrer-Duo in der Formel 1", sagte der Brite im Gespräch mit dem britischen Formel-1-Reporter James Allen: "Sie haben beide die Eigenschaften, um Weltmeister zu werden. Das Problem ist: Für zwei Fahrer ist das zur gleichen Zeit schwer möglich."

Wenn es daher in die entscheidende Phase gehe und ein Mercedes-Fahrer um die WM kämpfe, "dann wird es hart. Aber wir müssen das irgendwie hinkriegen." Denn eines sei auch klar: "Es wäre ein Problem, das wir gerne hätten." Das weiß, bei allem Ehrgeiz, auch Rosberg.

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