Kimi Räikkönen (l.) wurde 2007, Fernando Alonso 2005 und 2006 Weltmeister © getty

Kimi Räikkönen und Fernando Alonso suchen vor dem Belgien-GP auch neben der Strecke ihren Weg. Ihre Vorgesetzten sind genervt.

Von Christoph Lother

München - Vier Wochen lang standen in der Formel 1 die Räder still, doch im Blätterwald rauschte es munter weiter.

Mittendrin im Gerüchte-Dickicht: Lotus und Ferrari. Ausgerechnet.

Immerhin sind Kimi Räikkönen und Fernando Alonso vor dem Großen Preis von Belgien (Fr., ab 9.55 Uhr LIVE im TV auf SPORT1 und im LIVE-TICKER) die härtesten Rivalen von WM-Spitzenreiter Sebastian Vettel und sollten angesichts ihres gewaltigen Rückstands von 38 beziehungsweise 39 Punkten auf den Titelverteidiger eigentlich andere Sorgen haben.

Doch statt sich mit voller Konzentration auf die noch verbleibenden neun Saisonrennen zu konzentrieren, verstricken sich die Teams und deren Starpiloten zunehmend in die Planung für das kommende Jahr (DATENCENTER: WM-Stand Fahrer).

Räikkönen-Manager setzt Lotus unter Druck

Nachdem die Verhandlungen mit Red Bull offenbar gescheitert sind (News), wird Lotus-Pilot Räikkönen nun verstärkt mit Ferrari in Verbindung gebracht.

"Lotus hält den Schlüssel für Räikkönens Zukunft in Händen", sagte Räikkönens Manager Steve Robertson zwar dem Fachmagazin "Autosport", zugleich erhöhte er aber auch den Druck auf die Briten:

"Wenn sie ihm die Antworten liefern, die er sucht, und ihm ein Auto stellen, das um Siege und die Weltmeisterschaft mitfahren kann, wird er bleiben", so Robertson weiter.

Boullier von Gerüchten genervt

Eine Antwort schuldet der Rennstall Räikkönen wohl in punkto Gehalt. In der Vergangenheit soll der 33-Jährige sein Salär gleich mehrfach verspätet erhalten haben, weshalb das Verhältnis Räikkönens zu dessen Arbeitgeber als belastet gilt.

Der Ton bei Lotus wird allmählich rauer, Teamchef Eric Boullier wirkte von den Transfergerüchten um den Ex-Weltmeister zuletzt sehr gestresst.

"Alles ist möglich - auch dass Kimi bei uns bleibt, glauben Sie mir das doch endlich", klagte Boullier kürzlich in "Motorsport aktuell".

Räikkönen und Alonso schwer vereinbar

Als fast unmöglich gilt allerdings, dass Räikkönen und Alonso künftig gemeinsam für Ferrari an den Start gehen könnten. Zu groß ist die Rivalität zwischen dem Finnen und dem Spanier, zu sehr stünden sie sich im Kampf um die WM-Krone gegenseitig im Weg.

Vielleicht ist das angebliche Interesse der Scuderia an Räikkönen auch Grund für Alonsos jüngste Kritik am eigenen Rennstall.

Di Montezemolo kontert Alonso-Kritik

"Wenn wir im Endspurt 2013 noch mitmachen wollen, müssen wir bei den letzten Rennen in Europa endlich ein konkurrenzfähiges Auto an den Start bringen", moserte der Champion von 2005 und 2006 in der Schweizer Zeitung "Blick" und resümierte:

"Der Ferrari ist einfach zu langsam." (DATENCENTER: WM-Stand Teams)

Alonsos Chef Luca di Montezemolo fand den öffentlichen Vorstoß des 32-Jährigen ganz und gar nicht lustig, stellte vielmehr umgehend klar: "Ferrari ist immer größer als seine Angestellten."

Kryptischer Beitrag bei Twitter

"Der Krieger, der das Schwert benutzt, wenn er beleidigt wird, kann nicht als tapfer angesehen werden. Tapfere Männer weichen nicht zurück, wenn sie höhere Ziele verfolgen", konterte Alonso daraufhin noch einmal mit einem kryptischen Beitrag bei "Twitter".

Durchaus denkbar, dass Alonso eine Trennung zum Saisonende in die Wege leiten möchte. Schließlich fährt er Dreifach-Weltmeister Vettel mit Ferrari nun schon seit Jahren hinterher.

Ferrari um Ruhe bemüht

Die Verantwortlichen des Traditionsteams aus Maranello sind unterdessen sichtlich darum bemüht, den Fokus wieder auf das Sportliche zu lenken.

"Im Moment genießt es Priorität, das Auto für Fernando und Felipe auf die Beine zu stellen. Eine Entscheidung über den Kader für 2014 fällt in einem geeigneten Moment, der aktuell nicht da ist", ließ die Scuderia in einer offiziellen Mitteilung verlauten.

Die neuesten Gerüchte über angebliche Verhandlungen mit Sauber-Pilot Nico Hülkenberg machen die Sache für Ferrari aber nicht gerade leichter.

Statt um die WM kämpfen die Roten dieser Tage um Ruhe.

Massa und Grosjean mit schwerem Stand

Es ist ein Kampf, den Felipe Massa als Nummer zwei im Team schon lange führt.

Ungeachtet seiner Ergebnisse steht der Brasilianer bei Ferrari eigentlich immer in der Kritik und gefühlt auch kurz vor dem Aus - durch die Hülkenberg-Gerüchte ganz besonders.

Massas Pendant, der Franzose Romain Grosjean, ist im Schatten des mächtigen Räikkönen bei Lotus ebenfalls nie gänzlich unumstritten - trotz seiner zuletzt ansteigenden Formkurve.

Auf dem berühmten Circuit de Spa-Francorchamps werden sich Massa und Grosjean am Wochenende erneut beweisen müssen.

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