Ab und an beschwerte sich Alonso zuletzt öffentlich über das nicht konkurrenzfähige Auto, das sein Team für ihn konstruiert hat. Dafür musste er sich von Montezemolo harte Worte gefallen lassen
Luca di Montezemolo (l.) ist seit 1991 Verwaltungsratsvorsitzender von Ferrari © imago

Scuederia-Boss Luca di Montezemolo schwört die Belegschaft auf das Finale ein. Er lobt und glaubt, "dass wir es schaffen können".

Von Felix Götz

München - Der Tag der Entscheidung rückt näher.

Am Sonntag um etwa 18.45 Uhr deutscher Zeit steht fest, ob sich Sebastian Vettel oder Fernando Alonso Weltmeister 2012 nennen darf.

Ferrari-Star Alonso liegt vor dem Großen Preis von Sao Paulo in Brasilien 13 Zähler hinter dem Red-Bull-Piloten und hat damit die deutlich schlechteren Karten. (BERICHT: Vettels fünf Schlüssel zum Titel)

Für die Scuderia kommt es trotzdem überhaupt nicht in Frage, die Flinte früher als unbedingt nötig ins Korn zu werfen.

"Es wird sehr hart"

"Es wird sehr hart. Aber ich und alle anderen glauben daran, dass wir es schaffen können", schrieb Ferrari-Präsident Luca di Montezemolo in einem offenen Brief an die Mitarbeiter in Maranello.

Der 65-Jährige hob hervor, wie sehr er mit der bisherigen Vorstellung seines Rennstalls in dieser Saison zufrieden ist:

"Wir können stolz darauf sein, was wir bislang erreicht haben. Trotzdem ist Stolz nicht genug: Wir wollen gewinnen."

USA-GP macht Mut

Das Abschneiden beim USA-Grand-Prix mit dem dritten Platz von Alonso und Rang vier von Felipe Massa habe ihm Mut gemacht.

"In Austin hat das ganze Team ein Mal mehr genau wie beide Fahrer einen perfekten Job abgeliefert", so di Montezemolo weiter.

Besonders Massa wurde gelobt. Schließlich nahm es der Brasilianer ohne Murren hin, dass an seinem Boliden das Getriebe gewechselt wurde, er somit fünf Plätze weiter hinten starten musste und Alonso auf der sauberen Seite starten durfte.

"Felipe hat erneut demonstriert, dass er ein Teamplayer ist. Jetzt fahren wir festentschlossen zu gewinnen nach Sao Paulo", meinte di Montezemolo.

Ein Vorteil für Alonso?

Einen Vorteil könnte Alonso gegenüber Vettel tatsächlich haben - den psychologischen.

Schließlich hat der Spanier nichts zu verlieren. (DATENCENTER: WM-Stand Fahrer)

Das sieht auch Alonsos Landsmann und Pirelli-Testfahrer Jaime Alguersuari so. "Jeder Sportler weiß, wie gut es ist, nichts zu verlieren zu haben", sagte der 22-Jährige zu "Mundo Deportivo".

Miese Diffusor-Wahl

Um eine ernsthafte Chance zu haben, muss beim italienischen Rennstall in Interlagos allerdings alles rundlaufen. Das gelang - obwohl di Montezemolo anderes behauptet - in Texas auf dem Circuit of The Americas nicht.

Viele wunderten sich, warum Massa schneller als Alonso unterwegs war. Nun ist es klar. Im Gegensatz zu seinem Teamkollegen verwendete Alonso nämlich eine überarbeitete Version des Diffusors, die nicht wie gewünscht funktionierte.

"Das war nicht die beste Wahl", gab der zweimalige Champion zu.

Sollte es am Sonntag tatsächlich noch mit dem WM-Titel klappen, wäre dieses Missgeschick allerdings vergessen.

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