Adrian Newey (l.) leitet seit 2006 die Design-Abteilung von Red Bull Racing © getty

Die Zusammenarbeit zwischen Vettel und Newey funktioniert blendend. Im Fahrerlager ist aber nur der "Design-Guru" anerkannt.

Von Felix Götz

München - Sebastian Vettel hat mit seinem Husarenritt in Abu Dhabi seine Weltklasse eindrucksvoll unter Beweis gestellt. (BERICHT: Vettels Wüsten-Gala)

Großen Respekt genießt der Heppenheimer im Fahrerlager dennoch nicht.

"Vettel hat nur Glück gehabt", lästerte McLaren-Pilot Lewis Hamilton (News) nach dem Rennen auf dem Yas Marina Circuit, das für den Weltmeister von Platz 24 gestartet auf dem dritten Rang endete.

Bereits vor einigen Tagen hatte Ferrari-Star Fernando Alonso in Bezug auf den WM-Kampf geätzt: "Wir fahren nicht gegen Vettel, wir fahren gegen Adrian Newey."

Lob von Alonso

Seit dem Rennen in den Vereinigten Arabischen Emiraten weiß aber auch der Spanier, dass dies nicht die ganze Wahrheit ist. ( 634532 DIASHOW: Bilder des Rennens )

Nicht nur der Red-Bull-Chefdesigner macht der Scuderia das Leben schwer, auch Vettel trägt einen nicht unerheblichen Teil bei.

"Sebastian hat einen tollen Job gemacht und das vorhandene Potenzial voll ausgeschöpft", lobte Alonso nach dem Abu-Dhabi-Grand-Prix seinen Konkurrenten, der in der WM-Fahrerwertung zehn Punkte Vorsprung auf den 31-Jährigen hat. (DATENCENTER: WM-Fahrerwertung)

Newey liefert ein geniales Auto, Vettel lenkt den Boliden eben so brillant - ein perfektes Team.

"Adrian ist sehr wichtig für uns"

"Wir sind keine One-Man-Show, sondern ein Team. Adrian ist aber natürlich sehr wichtig für uns. Er ist technisch jemand, mit dem man sehr gut zusammenarbeiten kann und der auch den Fahrer sehr gut versteht, weil er lange auch Renningenieur war", schwärmte Vettel:

"Damit ist Adrian derjenige, der als Erster überhaupt mit dem Fahrer gesprochen hat."

Der Erfolg gibt dem 53-jährigen Engländer recht.

[kaltura id="0_39ms7tns" class="full_size" title="Newey testet eigene Autos"]

"Sebastian ist ein cleverer Junge"

Er entwarf bei Williams die Weltmeister-Boliden von Nigel Mansell, Alain Prost, Damon Hill und Jacques Villeneuve.

Auch Mika Häkkinen holte bei McLaren in einem von Newey entwickelten Auto den Titel.

"Sebastian ist ein cleverer Junge, der sehr viel über den Rennsport nachdenkt und aus seinen Fehlern lernt", sagte Newey zu "Sky Sports F1 und gab die Lorbeeren an den jüngsten Doppel-Weltmeister der Formel-1-Historie zurück.

Vettels Einsatz begeistert Newey

Besonders das überdurchschnittliche Engagement Vettels imponiert dem "Design-Guru".

"Er ist oft noch spät am Abend in der Box, schaut sich die Daten an und arbeitet mit den Ingenieuren", erklärte Newey:

"Sebastian sieht sich auch oft seine eigenen On-Board-Aufnahmen an und vergleicht seinen Fahrstil mit dem der anderen Fahrer. Er versucht jede noch so kleine Information für sich zu nutzen. Das ist genau das, was ich auch bei anderen großartigen Fahrern, mit denen ich zusammengearbeitet habe, gesehen habe."

Neweys Anteil ist groß

Newey empfindet sich also keinesfalls als Hauptgrund für die zuletzt so starken Auftritte der "Bullen".

Damit liegt er auf einer Wellenlänge mit Niki Lauda. "Was nützt Newey, wenn es der Fahrer nicht umsetzen kann?", meinte die Formel-1-Legende im SPORT1-Interview.

Allerdings weiß natürlich jeder, dass Newey einen großen Anteil hat.

Hill: "Regelrechte Kunstwerke"

"Seine Autos sind regelrechte Kunstwerke", zeigte sich Hill, 1996 Champion in einem Newey-Auto, von seinem früheren Gefährten begeistert.

Und der 52-Jährige hörte mit den Lobeshymnen auf seinen Landsmann gar nicht mehr auf: "Ich will nicht zu weit gehen, aber er ist der Michelangelo der Formel1."

Selbst als die FIA Newey immer wieder zu Änderungen (an der Motoreneinstellung und am Unterboden) am RB8 zwang, löste er das Problem auf beeindruckende Art und Weise.

Alle verehren Newey

Auch deshalb genießt Newey ganz im Gegensatz zu seinem Partner Vettel im Fahrerlager größten Respekt.

"Adrian ist ein Genie", sagte Hamilton kürzlich. Und Alonso fügte hinzu: "Er ist wirklich gut und hat ein großartiges Auto konstruiert."

Was Vettel tun muss, damit seine Kollegen über ihn ähnlich gut wie über seinen Chefdesigner sprechen? Wahrscheinlich einfach noch den ein oder anderen Titel einheimsen.

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