Der Spanier Fernando Alonso wurde 2005 und 2006 Formel-1-Weltmeister © getty

Fernando Alonso weist Gerüchte um einen Zoff bei Ferrari zurück. Fakt sei, "dass wir auf gar keinen Fall Frust schieben".

Abu Dhabi - Die Geschichten über seinen angeblichen Wutanfall (Bericht) in Indien kommen Fernando Alonso spanisch vor.

Als der Ferrari-Pilot aus Oviedo im Emirat Abu Dhabi auf seinen vermeintlichen Ausraster nach dem Qualifying von Indien angesprochen wurde, schaute er, als habe er soeben ein Märchen aus 1001 Nacht gehört.

"Das war eine sehr gute Erfindung der italienischen Medien. Wirklich sehr kreativ", sagte der 31-Jährige, sein Schmunzeln hinter der dicken schwarzen Sonnenbrille verborgen:

"Irgendwann werde ich mal rausfinden müssen, wie man auf so etwas kommt."

Berichte nicht völlig illusorisch

Die italienische Tageszeitung "La Stampa" hatte berichtet, Alonso habe nach dem Qualifying des vorherigen Rennens in Indien am vergangenen Samstag einen derartigen Wutanfall bekommen, dass Teamchef Stefano Domenicali den Streit mit Technikchef Pat Fry erst weit nach Mitternacht schlichten konnte und somit verhindert habe, dass Alonso bei Twitter eine bereits fertig formulierte Nachricht veröffentlichte.

"Ich will, dass meine 1,2 Millionen Follower wissen, dass die aerodynamischen Schlüsselkomponenten im Heck des Ferrari immer noch die gleichen wie im Mai sind", soll diese gelautet haben.

Völlig illusorisch erscheinen jene Berichte aber nicht, denn Alonso hatte zuletzt mehrfach intern und öffentlich seinen Unmut geäußert. Und seine Wut ist durchaus verständlich.

Viele Nackenschläge

Schon 2010 vermasselte Ferrari ihm durch einen strategischen Fehler im letzten Saisonrennen in Abu Dhabi den sicher geglaubten Titel.

2011 war die Scuderia gegen Vettel in keinster Weise konkurrenzfähig, in diesem Jahr fightet der Champion von 2005 und 2006 um den Titel, obwohl sein Auto klar unterlegen scheint.

Nach den Wintertests galt der Ferrari als völlig chancenlos, Alonsos Teamkollege Felipe Massa ist mit demselben Auto nur Neunter der WM-Wertung.

"Keine entscheidenden Updates"

Nun hat Alonsos Auto offenbar seit einem halben Jahr keine entscheidenden Updates bekommen hat.

Der Red Bull seines Rivalen Sebastian Vettel hat dagegen im selben Zeitraum mehrere Verbesserungen erhalten, der Weltmeister machte so in nur sieben Rennen aus 44 Punkten Rückstand 13 Zähler Vorsprung.

Fry hatte dagegen in einem Interview behauptet, dass "die nicht perfekte Quali-Leistung" der Fahrer in Indien entscheidend gewesen sei. Dies, so "La Stampa", habe das Fass zum Überlaufen gebracht.

Alonso schimpft

Am vergangenen Donnerstag in Indien hatte Alonso schon öffentlich geschimpft, er könne "nichts Positives erkennen. Bei anderen Teams gibt es wenig Gerede, aber viele Updates. Bei uns gibt es viel Gerede und wenig Updates."

Auch die Aussage nach dem Qualifying, er fahre "nicht gegen Vettel, sondern gegen Adrian Newey", sollte wohl nicht nur ein persönlicher Angriff gegen den deutschen Rivalen sein, sondern auch Kritik an der eigenen Technikabteilung.

Tenor: Wir haben kein Designer-Genie, wie Newey es bei Red Bull ist.

Ferrari ein stumpfes Schwert?

Nach dem Rennen in Indien hatte sich Alonso mit einem Samurai-Spruch selbst Mut gemacht.

"Wenn das Schwert bricht, kämpfe mit der Hand. Wenn sie dir deine Hände abhacken, schlag den Feind mit deiner Schulter, wenn es sein muss, mit den Zähnen."

Der Ferrari - ein stumpfes Schwert?

Alonso: Schieben keinen Frust

Domenicali stellte sich nun indirekt auf die Seite seines Fahrers.

Die Teamwertung hakte er bereits ab, den Red Bull bezeichnete er klar als das bessere Auto, Hoffnung auf die Fahrer-Krone mache ihm vor den letzten drei Rennen alleine Alonso:

"Wir haben den Luxus, Fernando in unseren Reihen zu haben, der die Nummer eins unter den Fahrern ist. Deshalb bleibe ich immer optimistisch."

Alonso selbst beteuerte am Donnerstag, es sei Fakt, "dass wir auf gar keinen Fall Frust schieben. Wir ziehen alle an einem Strang. Es gab in dieser Saison Hochs und Tiefs. Jetzt hatte Red Bull vier Hochs in Folge, also müssen wir schauen, dass sie bald wieder ein Tief bekommen. Wir werden kämpfen bis zum letzten Tag."

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