Mercedes steht unter gewaltigem Druck. Michael Schumacher muss gehen, Lewis Hamilton soll endlich den Erfolg bringen.

Michael Schumacher und Mercedes gehen zum Jahresende getrennte Wege.

Lewis Hamilton, derzeit noch für das englische Vorzeige-Team McLaren aktiv, wird Nachfolger des deutschen Superstars.

Sportlich betrachtet ist diese spektakuläre Personalrochade aus Sicht der Silberpfeile ziemlich nachvollziehbar.

Schumacher hat das große Versprechen, das mit seinem berühmten Namen und seinem Status als lebende Formel-1-Legende einher ging, in den drei Jahren nach seiner vielumjubelten Rückkehr 2010 nicht einlösen können.

Das lag nur zum Teil an Schumacher selbst. Sein Stuttgarter Arbeitgeber muss sich ankreiden lassen, mit den Mercedes-Modellen der Jahre 2010, 11 und 12 nicht ganz auf der Höhe der Zeit zu sein.

Mehr als einen Sieg brachte nämlich auch Schumachers hochbegabter Nebenmann Nico Rosberg in seinen drei Jahren im Mercedes-Cockpit nicht zu Stande. Wegen seiner eindeutig besseren Bilanz wurde Rosberg dem Altstar von Kritikern sozusagen als lebender Beweis der eigenen Schwächen vorgehalten.

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Unter dem Strich bleibt stehen: Schumachers erklärter Plan, gemeinsam mit den schwäbischen Autobauern seinen achten Weltmeister-Titel einzufahren, ist gescheitert.

Und bei Mercedes fehlte ganz offensichtlich der Glaube, dass sich das Blatt in einem weiteren Jahr mit dem berühmten Piloten noch einmal wenden würde.

Daher setzt der Rennstall ab 2013 seine Hoffnungen in Lewis Hamilton. Der junge Brite, immerhin schon Weltmeister 2008, gibt den Silberpfeilen die Hoffnung auf eine goldene Zukunft.

Vielen gilt der schillernde Hamilton als schnellster Pilot im PS-Zirkus Formel 1.

Für Mercedes, das sich entschlossen hat, in schwierigen Zeiten bis 2020 in der Formel 1 zu bleiben, ist der jetzige McLaren-Pilot das letzte Ass im Ärmel.

Der Rennstall steht unter gewaltigem Druck. Erfolg muss endlich her, koste es, was es wolle. Auch deshalb war man offenbar bereit, die enormen Summen für Hamilton aufzurufen, die kolportiert werden.

Bleiben die Meriten aber auch in der kommenden Saison aus, dürfte Schumacher nicht der letzte prominente Name gewesen sein, der bei der Marke mit dem Stern beiseite gedrängt wird.

Was aus Schumacher wird, bleibt eine spannende Frage.

Hört er ganz auf?

Wählt er die vermeintliche Option Sauber, über die schon vor dem Nacht-GP in Singapur berichtet wurde, auch weil der Schweizer Rennstall-Besitzer Peter Sauber dem deutschen Superstar heftige Avancen machte?

Wird er Marken-Botschafter der Silberpfeile, wie sein einstiger Konkurrent Mika Häkkinen?

Wählte Schumacher die Option Früh-Verrentung, wäre das jammerschade.

Der Rekord-Weltmeister war auch ohne Siege eine Bereicherung für die Formel 1. Sein Werbewert und das Interesse der Fans sind nach wie vor gewaltig.

Und - bei allen Misserfolgen, die sein dreijähriges Mercedes-Comeback begleiteten - sollte niemand vergessen: Schumacher hat bewiesen, dass das Alter für ihn kein Faktor ist und er auf Augenhöhe mit den Besten seiner Zunft fährt - noch dazu in einem Silberpfeil, dessen Leistungsfähigkeit selten den Möglichkeiten seines berühmten Lenkers entsprach.

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