Der Spanier Fernando Alonso fährt seit 2010 für Ferrari in der Formel 1 © getty

Nach dem unbefriedigenden Wochenende in Singapur erhöht Stefano Domenicali den Druck auf das Team. Alonso fordert mehr Tempo.

Von Tobias Wiltschek

München - Vier Rennen, kein Sieg.

Die Bilanz von Fernando Alonso seit seinem Erfolg Ende Juli auf dem Hockenheimring lässt den Druck auf Ferrari steigen.

Auch wenn der Vorsprung des Spaniers in der WM-Wertung nach dem Singapur-GP (Rennbericht) immer noch satte 29 Punkte beträgt, wirkt die Scuderia nicht mehr so souverän wie noch vor einigen Wochen (DATENCENTER: WM-Stand Fahrer).

"Die richtige Wahl treffen"

"Wir müssen sicherstellen, dass wir bei den Entwicklungen die richtige Wahl treffen und das Auto verbessern, wenn wir zuhause in der Fabrik mit Vollgas arbeiten", schlägt Teamchef Stefano Domenicali Alarm.

"Wenn man die Entwicklung so stark vorantreibt, dann läuft man manchmal Gefahr, dass man Teile anbringt, die keine Verbesserung sind oder sogar den gegenteiligen Effekt haben und das Auto verschlechtern."

So geschehen in Singapur, als Ferrari mit seinem Update gründlich scheiterte. Der neue Heckflügel hat überhaupt nicht funktioniert und wurde bereits am Freitag wieder ausgetauscht.

Alonso holt Maximum heraus

Auch im Qualifying fuhr Alonso der Spitze hinterher und holte im Rennen mit Platz drei hinter Sebastian Vettel und Jenson Button noch das Maximum heraus.

"Wir waren an diesem Wochenende nicht so konkurrenzfähig", erklärte der Weltmeister von 2005 und 2006 und fand im Hinblick auf die ausstehenden Grand Prix deutliche Worte: "Wir können bis zum Saisonende nicht mit solchen Qualifyings wie hier weitermachen, wo uns eine Sekunde gefehlt hat."

"Wir müssen uns verbessern"

Vor allem in den langsamen Kurven, in denen viel Traktion und Abtrieb gefragt ist, offenbarte der F2012 Schwächen. "Da gehören wir nicht zu den Besten", monierte Alonso. "Da müssen wir uns verbessern."

Domenicali hat die Botschaft seines Star-Piloten verstanden. "Es ist fundamental wichtig, Fernando ein unter bestimmten Bedingungen verbessertes Auto zu geben."

Denn die Konkurrenz habe anscheindend einmal mehr den richtigen Weg gefunden, um ihr Auto zu verbessern ( 615796 DIASHOW: Die Bilder des Rennens ).

Arbeit unter Hochdruck

Man darf also sicher sein, dass in Maranello in den nächsten Wochen Tag und Nacht gearbeitet wird, um den roten Renner endlich wieder siegfähig zu machen.

Denn ohne Siege in den ausstehenden sechs Rennen dürfte es sehr schwer werden, die WM-Führung bis zum Schluss zu behaupten. Das weiß natürlich auch Domenicali:

"Wir müssen sicherstellen, dass Fernando bis zum Ende der Saison wieder gewinnen kann. Ansonsten müssten wir uns auch weiterhin auf die Probleme der Konkurrenten verlassen."

Warnung vor Ausfällen

Das Wichtigste sei aber, Ausfälle zu vermeiden. "Punkte sind das, worauf es ankommt. Wer zu diesem Zeitpunkt Probleme mit der Zuverlässigkeit hat, zahlt dafür einen hohen Preis."

Damit meint der 47-Jährige auch die knapper werdenden Motoren, von denen jeder Fahrer für die gesamte Saison nur acht Stück zur Verfügung hat: "Da ist Laufzeit wichtig."

Trotz der großen Herausforderungen mahnt der Teamchef die Scuderia zur Besonnenheit: "Wir müssen jetzt rational und ruhig handeln."

Vettel kündigt harten Kampf an

Der Druck ist seit dem Grand-Prix von Singapur schon groß genug, und er kommt neuerdings auch wieder von außen.

"Es wird unheimlich eng bis zum Ende", kündigte Titelverteidiger Vettel nach seinem Singapur-Triumph bei "Servus TV" an.

Er geht also davon aus, dass Alonsos Vorsprung weiter schmelzen wird.

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