Nico Rosberg (l.) hat bisher 83 WM-Punkte auf den Konto, Michael Schumacher (r.) 43 © imago

Nico Rosberg ist bei Mercedes zuletzt eine Nebenrolle gerückt, lobt aber die Entwicklung. Hans-Joachim Stuck weiß bei SPORT1 Rat.

Von Jakob Gajdzik

München - Nico Rosberg findet sich plötzlich in der Rolle wieder, aus der er längst ausgebrochen schien - die des zweiten Fahrers.

Acht Punkte aus den letzten fünf Grand Prix sprechen aktuell gegen den Teamkollegen von Formel-1-Legende Michael Schumacher.

Zum Vergleich: Schumi holte im gleichen Zeitraum 26 Zähler.

Das kuriose dabei: In der WM-Wertung hat Rosberg (83 Punkte) gegenüber Schumacher (43) weiterhin deutlich die Nase vorn. (DATENCENTER: WM-Stand Fahrer)

Nicht nur wegen der Spekulationen um seine Zukunft steht der Rekord-Weltmeister bei Mercedes in letzter Zeit im Rampenlicht und drängt Rosberg in die ungeliebte Nebenrolle - auch in fünf der vergangenen sechs Grand Prix landete Schumi vor ihm.

China-Sieg bisher einziger Mercedes-Triumph

Dabei wollte Rosberg nach seinem Triumph in China - dem bisher einzigen bei Mercedes - endgültig die Hauptrolle einnehmen.

Für SPORT1-Experte Hans-Joachim Stuck ist der Grund für diese Rollenverteilung simpel: "Rosberg hat mit Michael Schumacher einen siebenfachen Weltmeister an seiner Seite. Der bietet ihm selbstverständlich Paroli."

Allein wegen dieser Erfahrung nimmt Schumacher eine Sonderrolle ein.

"Team tut gut daran, Schumacher zu folgen"

"Das Team tut gut daran, dem Rat und dem Weg Schumachers zu folgen. Das Problem ist: Kann Rosberg mit einem auf Schumacher abgestimmten Auto auch so gut fahren?", fragt sich Stuck.

Die Lösung liegt laut der Rennlegende möglicherweise an Rosbergs Anpassungsgabe: "Er muss sich vielleicht an den Schumacher-Stil gewöhnen, um auf seine Leistung zu kommen."

Dennoch sei für Stuck klar: "Nico steht nicht im Schatten von Schumacher." Der 43-Jährige hätte seine ehemaligen Teamkollegen bei Ferrari untergebuttert, so Stuck, bei Mercedes sei dies aber nicht der Fall.

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Rosberg lobt Schumacher

Rosberg selbst betont: "Ich fühle mich wohl mit Michael als Teamkollegen. Das funktioniert sehr gut. Es ist eine große Herausforderung gegen ihn. Wir fahren beide auf einem hohen Level, pushen uns gegenseitig und bringen das Team gemeinsam voran."

Seine zuletzt eher mittelmäßigen Leistungen will Rosberg in Singapur (Freies Training, Fr., ab 12 Uhr im LIVE-TICKER) aber nun vergessen machen.

"Ich habe hier schon gute Ergebnisse erzielen können, daher erhoffe ich mir auch in diesem Jahr ein Topresultat", sagt der 27-Jährige besonders in Bezug auf seinen zweiten Platz 2008 auf dem Marina Bay Street Circuit.

Silberpfeile auf Kurs

Auch grundsätzlich sieht Rosberg die Silberpfeile auf Kurs: "Unser Ziel war es, uns im Vergleich zum vergangenen Jahr zu steigern. Das ist uns gelungen."

Für die Zukunft sei das Ziel "einige Rennen zu gewinnen".

Anlass zur Hoffnung, dass es bereits in Singapur fruchtet, geben die Updates am Silberpfeil. (DATENCENTER: Der Rennkalender)

"Wir haben neue Teile dabei, die das Auto sicherlich schneller machen werden. Das erhöht unsere Chancen. Wir haben einen neuen Auspuff, der für mehr Anpressdruck sorgt", sagt Rosberg.

Nach den erfolgreichen Tests im Simulator sowie auf der Strecke im französischen Magny-Cours hofft Rosberg auf eine gute Punkteausbeute: "Ein Platz in den Top Fünf wäre toll."

Neuer Auspuff in Singapur

Der neue Auspuff soll besonders auf der eher langsameren Strecke in Singapur seine Wirkung entfalten, wo es verstärkt auf die Traktion ankommt.

"Der Effekt zeigt sich auf langsameren Strecken besser als auf schnelleren", so Mercedes Teamchef Ross Brown zu "Autosport" und hofft zusätzlich auf eine bessere Balance.

Zur unsicheren Cockpit-Besetzung in der kommenden Saison kann Rosberg nicht viel sagen:

"Ob der Hamilton neben mir fährt oder Schumacher, dazu weiß ich auch noch nicht mehr."

Rosberg schiebt Spekulationen Riegel vor

Spekulationen, bei einer möglichen Vertragsverlängerung Schumachers wäre er selbst ein Streichkandidat zugunsten des McLaren-Fahrers, schiebt Rosberg einen Riegel vor.

"Das macht aus meiner Sicht überhaupt keinen Sinn", sagt er und stellt auf die Frage, ob er auch 2013 im Mercedes sitzt, klar: "Ja!"

Auch Stuck sieht Rosbergs Zukunft beim Stuttgarter Rennstall - zusammen mit Schumacher:

"Eine Vertragsverlängerung Schumachers wäre für Rosberg auf jeden Fall positiv. Nico kann von Schumachers Erfahrung profitieren. Die beiden arbeiten gut zusammen und bringen das Team nach vorne. Es ist nur eine Frage der Zeit. Ich bin mir sicher, dass es nächstes Jahr noch besser wird."

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