Romain Grosjean (l.) ging in der Formel 1 bisher 19 Mal an den Start © imago

Der Lotus-Pilot nutzt seine Rennsperre und sammelt Erfahrungen in der Box. Er lernt vom "Iceman". Der kann "natürlich den Titel holen".

Von Felix Götz

München - Den Großen Preis von Italien in Monza erlebte Romain Grosjean von der Boxengasse aus.

Der Lotus-Pilot saß seine nach der von ihm verursachten Startkarambolage in Belgien erhaltene Rennsperre ab.

In Spa war er mit seinem Auto nur ganz knapp am Kopf von Fernando Alonso vorbeigeflogen. (BERICHT: Alonso mit Lobeshymnen überschüttet)

Schlecht war die Zwangspause für den 26-Jährigen allerdings nicht.

"Mit den Ingenieuren an der Boxenmauer und am Kommandostand zu stehen und die Daten anzusehen, ist immer hilfreich", sagte Grosjean gegenüber "Motorsport-Magazin.com": "Man erhält eine andere Perspektive davon, wie die Autos arbeiten, worin die Unterschiede liegen, was verbessert werden kann."

"Er ist verdammt schnell"

Zwar hätte der in Genf geborene Rennfahrer natürlich lieber in seinem Boliden gesessen, "aber abgesehen davon war das die beste Vorbereitung, die ich für Singapur bekommen konnte".

Ganz wichtig war es für Grosjean, der zuletzt für die so oft riskante Fahrweise heftig kritisiert wurde, seinen wesentlich erfahreneren Teamkollegen Kimi Räikkönen genau zu beobachten. (BERICHT: Heftige Prügel für Crash-Kid Grosjean)

"Ich kann von Kimi noch eine Menge lernen", fiel Grosjean dabei auf: "Er ist verdammt schnell und verfügt über Fähigkeiten, die ich noch entwickeln muss."

Boullier zufrieden

Der "Iceman" sei vor allem unglaublich schnell im Kopf, "er kann sich von einer Minute auf die andere zu 100 Prozent auf den Job fokussieren".

Auch Lotus-Teamchef Eric Boullier stellte zufrieden fest, dass sein Fahrer in Italien aufmerksam und wissbegierig war.

"Monza war hart für Romain, aber aus solchen Erfahrungen kann man viel lernen. Er hat Kimi das ganze Wochenende genau verfolgt und ich bin überzeugt, dass er sich einige nützliche Tricks abschauen konnte", erklärte der 38-jährige Franzose.

Grosjean sieben Mal ohne Punkt

Während Räikkönen in dieser Saison bisher nur in China leer ausging und in der Fahrerwertung Dritter ist, blieb Grosjean inklusive seiner Sperre bereits sieben Mal ohne Zähler und belegt Platz acht.

"Ich würde sagen, dass ich mich seit Hockenheim im Auto nicht mehr so wohl fühle wie zu Beginn der Saison", meinte Grosjean.

Der frühere Renault-Fahrer rätselt selbst über den Grund: "Ich weiß nicht, was es ist. Die Reifen, das Setup oder mein Fahrstil. Wir müssen alles durchgehen, um den Grund herauszufinden."

Boullier glaubt an Titelchance

Das Hauptaugenmerk beim Rennstall aus dem englischen Enstone dürfte in den verbleibenden sieben Saisonrennen allerdings eher auf Räikkönen liegen.

Schließlich hat der "Schweiger aus Espoo" nur 38 Zähler Rückstand auf den Führenden Ferrari-Star Alonso. (DATENCENTER: WM-Stand Fahrer)

"Natürlich kann Kimi den Titel holen", erklärte Boullier: "Wir sind aber nicht naiv und wissen, dass unsere Chancen gering sind. Aber wir werden wie die Hölle pushen, solange wir mathematisch noch die Chance auf den Titel haben."

Miese Bilanz in Singapur

Dazu muss Räikkönen zwingend auch in Singapur punkten. Das Rennen im südostasiatischen Stadtstaat war für den Finnen bisher allerdings wenig ertragreich.(DATENCENTER: Der Rennkalender)

Seine Bilanz: Zwei Teilnahmen, null Punkte.

"Ich habe dort noch eine Rechnung offen", gibt sich der Champion von 2007 kämpferisch: "Es gibt keinen Grund, warum wir nicht auch in Singapur gut sein sollten."

Grosjean ist heiß

Darauf hofft auch Grosjean, der endlich wieder für positive Schlagzeilen auf der Strecke sorgen möchte.

"Ich freue mich darauf, ins Auto zurückzukehren, auch wenn ich auf dem Kurs bislang nicht sehr viele Erfahrungen sammeln konnte", sagte Grosjean.

Sein Plan, um möglichst gut abzuschneiden, ist daher ganz einfach: "Ich möchte so nah wie möglich an Kimi dran sein."

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