Lewis Hamilton (l.) fuhr in seiner Formel-1-Karriere bisher 865 WM-Punkte ein © getty

Der englische Rennstall sucht angeblich einen neuen Fahrer, weil Hamilton zu viel Geld verlangt. Der will sich nicht ablenken lassen.

Von Felix Götz

München - An sich läuft alles gut für Lewis Hamilton.

Durch den Sieg beim Italien-Grand-Prix ist er auf einen Schlag in der WM-Fahrerwertung von Platz fünf auf Rang zwei geklettert.

Der McLaren-Bolide des 27-Jährigen ist so schnell und zuverlässig, dass es durchaus möglich scheint, in den verbleibenden sieben Saisonrennen den 37-Punkte-Rückstand auf Spitzenreiter Fernando Alonso wettzumachen. (DATENCENTER: WM-Stand Fahrer)

Zu einem Stolperstein könnten allerdings die andauernden Spekulationen um die Zukunft von Hamilton werden, dessen Vertrag am Saisonende ausläuft, und um dessen Verlängerung derzeit verhandelt wird.

Keine Einigung beim Gehalt

Einem Bericht der "Mail on Sunday" zufolge stehen die Gespräche zwischen dem Weltmeister von 2008 und McLaren am Scheideweg.

Die beiden Parteien können sich demnach nicht auf ein Gehalt einigen. Zudem soll Hamilton mit einem angeblich ihm vorliegenden Angebot von Mercedes seinen Preis in die Höhe treiben.

Offenbar sind die Verhandlungen derart ins Stocken geraten, dass sich der englische Rennstall bereits nach Alternativen umsieht.

Sauber-Pilot Sergio Perez soll dafür in Frage kommen.

Hamilton wehrt sich

"Es gibt aktuell sehr viele Spekulationen um meine Person", meinte Hamilton dazu: "Ich denke, wir alle wissen sehr genau, dass die Leute etwas schreiben müssen, aber dass das Geschriebene nicht immer der Wahrheit entspricht."

Der 20-malige Grand-Prix-Sieger will sich von seinem Arbeitgeber nicht unter Druck setzen lassen. Er habe sich keinen Zeitpunkt für eine Entscheidung gesetzt.

"Ich konzentriere mich darauf, die Weltmeisterschaft zu gewinnen", erklärte Hamilton: "Dieses Jahr sind wir dazu in der Lage und dürfen uns von all dem Geschwätz nicht ablenken lassen."

Alonso stichelt

Alonso, der in Hamilton seinen schärfsten Konkurrenten um den Titel sieht, kommt die Unruhe bei McLaren offenbar ganz recht.

Der Ferrari-Star goss in der "AS" sogar noch Öl ins Feuer: "Als ich McLaren 2007 verlassen habe, war das die beste Entscheidung meines Lebens. Hamilton könnte diese Option auch in Betracht ziehen. Ich wüsste nicht, warum er es nicht tun sollte."

Schließlich seien die "Chrompfeile" in der Vergangenheit nicht übermäßig erfolgreich gewesen: "Sie haben die WM zuletzt 2008 in der letzten Kurve gewonnen. Wenn wir diesen Titel nicht zählen, dann müssen wir weit zurückblicken, um einen weiteren Titel zu finden."

Vor Hamilton krönte sich 1999 Mika Häkkinen in einem McLaren-Boliden zum Weltmeister.

Chancen stehen nicht schlecht

In dieser Saison scheinen die Chancen dennoch nicht schlecht zu stehen.

Bei den vergangenen drei Rennen in Ungarn, Belgien und Italien gewann zwei Mal Hamilton und ein Mal Jenson Button.

"Nach drei Siegen in Folge auf so unterschiedlichen Kursen könnten wir uns jetzt hinstellen und sagen: 'Jetzt haben wir den Hattrick geholt, der Rest wird ein Kinderspiel.' Doch es ist diese Saison leider etwas komplexer", meinte Teamchef Martin Whitmarsh bei "Sky Sports F1". (DATENCENTER: Der Rennkalender)

McLaren darf "zuversichtlicher" sein

Dennoch weiß der 54-jährige Engländer, dass es derzeit gut für das Team aus Woking läuft.

"Wir dürfen hinsichtlich des Rennens in Singapur wohl etwas zuversichtlicher sein als manch anderer", sagte Whitmarsh.

Allerdings habe man vor jedem Rennen seine Zweifel, ob man "die Reifen auf Betriebstemperatur bekommt und wie gut man letztlich ist".

Probleme mit der Benzinpumpe

Kleinere Sorgen bereitet McLaren der Ausfall von Button in Monza. Wo genau das Problem mit der Benzinpumpe lag, ist bisher nämlich nicht bekannt.

"Das ist sehr ungewöhnlich", rätselte Whitmarsh: "Es waren noch 50 Kilogramm im Tank, diese wurden aber nicht zum Motor gepumpt."

Und weiter: "Ich kann mich nicht daran erinnern, dass wir in den vergangenen Jahren mal einem Problem nicht auf den Grund gehen konnten."

Bis zur Klärung des Problems wird McLaren auf ein Ersatz-System zurückgreifen.

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