Ferrari ist seit der Formel-1-Gründung 1950 in der Königsklasse dabei © imago

Der WM-Leader konzentriert sich nun auf Hamilton. Die Scuderia ist auf Massa "sehr stolz". Trotzdem spricht di Montezemolo über Vettel.

Von Felix Götz

München - Im Training Probleme mit dem Motor und dem Getriebe, im Qualifying aufgrund eines defekten Stabilisators nur Startplatz zehn für Fernando Alonso.

Dazu im Rennen von Monza zeitweise keine Funkverbindung, am Ende aber ein guter dritter Rang für den WM-Führenden und Platz vier für Felipe Massa.

"Für uns war das Wochenende eine Achterbahnfahrt", teilte Ferrari nach dem Heim-Grand-Prix (Bericht) mit.

Eine Achterbahnfahrt mit einem hervorragenden Resultat. Alonso liegt in der Fahrer-Wertung mit 179 Punkten 37 Zähler vor dem ärgsten Verfolger Lewis Hamilton. (DATENCENTER: WM-Stand Fahrer).

Und in der Team-Wertung belegt Ferrari Rang drei - mit nur noch 46 Punkten Rückstand auf Red Bull, das kein Auto in die Punkte brachte.

Steigerung in Sachen Speed

"Das Rennen lief eigentlich perfekt. Nach den Problemen zuvor war das Podest das anvisierte Ziel. Das ist uns gelungen", sagte Alonso. (DATENCENTER: WM-Stand Teams).

Das Qualifying lief für den Spanier zwar enttäuschend, zeigte aber auch, dass sich Ferrari in Sachen Speed deutlich gesteigert hat.

"Wir hätten auf die Pole fahren können", erklärte Alonso, der in Q1 und Q2 jeweils Bestzeit fuhr, ehe dann die Probleme auftauchten.

Alonso hält an Taktik fest

Aufgrund des Ergebnisses kann die Scuderia die Schwierigkeiten verschmerzen. Steigerungspotenzial ist schließlich vorhanden, der Titel also möglich.

"Der Plan für die nächsten Rennen muss sein, jeweils vor meinem direkten Verfolger ins Ziel zu kommen", bleibt Alonso sich und seiner Taktik der kleinen Schritte treu. (DATENCENTER: Der Rennkalender)

Nicht in erster Linie Sebastian Vettel im Red Bull, sondern Hamilton in seinem zuletzt starken McLaren hat das Team aus Maranello also derzeit auf dem Zettel.

"Aber wir sollten neben Hamilton und Vettel auch Kimi Räikkönen im Auge behalten", sagte Teamchef Stefano Domenicali.

Der "Iceman" ist mit 38 Zählern Rückstand auf Alonso Dritter.

Massa kämpft um seinen Job

Während Alonso um den Titel fährt, kämpft sein Teamkollege Felipe Massa um den Job - zuletzt mit Erfolg.

Denn die beiden Auftritte des Brasilianers mit Platz vier in Monza und Rang fünf beim Belgien-Grand-Prix waren durchaus vorzeigbar.

"Ich habe in zwei Wochen zwei gute Ergebnisse geholt. Das ist für die Zukunft sehr wichtig", meinte der Vizeweltmeister von 2008.

Und Domenicali ergänzte: "Wir sind sehr stolz auf die Leistung von Felipe. Er ist ein großartiger und professioneller Fahrer, hinter dem ich persönlich stehe."

"Wir bleiben optimistisch"

Aussagen, die ganz und gar nicht nach einem Aus Massas am Saisonende klingen.

"Solange uns Ferrari nicht sagt, dass wir 2013 nicht mehr erwünscht sind, bleiben wir optimistisch und hoffen, dass es weitergeht", meinte Massas Manager Nicolas Todt.

Domenicalis überraschend überschwängliches Lob könnte taktische Gründe haben. Da Massas Zukunft noch nicht geklärt ist, soll er offenbar zumindest nicht geschwächt werden, um weiterhin gute Leistungen bringen zu können.

Wieder Gerüchte um Vettel

"Motorsport aktuell" spekuliert noch immer, dass Ferrari 2014 Vettel holen möchte.

Und Luca di Montezemolo gab diesen Gerüchten Futter.

"Vettel ist heute mehr oder weniger in dem Zustand, in dem Michael Schumacher damals bei Benetton war. Er ist jung, er ist ein sehr guter Fahrer und er sammelt sehr viel Erfahrung. Dass er in Zukunft für uns fährt, ist reine Theorie. Aber wenn ich dabei einen Namen nennen müsste, dann wäre es seiner", sagte der Ferrari-Boss zu "Sky Sports News".

Perez kommt vorerst nicht

Jeder Massa-Ersatz wäre demnach nur eine Übergangslösung. Fraglich, ob sich beispielsweise der oft mit Ferrari in Verbindung gebrachte Force-India-Fahrer Nico Hülkenberg darauf einlassen würde.

Dessen ebenfalls gehandelter Teamkollege Paul di Resta spielt offenbar in den Gedanken der Ferrari-Verantwortlichen keine Rolle.

Und für den 22-jährigen Sauber-Fahrer Sergio Perez, der mit Platz zwei in Monza eine vorzügliche Bewerbung im Ferrari-Land abgab (Bericht), kommt ein Wechsel nach Ansicht der Italiener noch zu früh.

"Nächstes Jahr ist es noch zu früh. Um einen jungen Kerl in einen Ferrari zu setzen und ihn dem Druck auszusetzen, braucht man mehr Erfahrung", so di Montezemolo.

Massa wohl mit guten Chancen

Bleiben noch der derzeit cockpitlose Adrian Sutil und Caterham-Pilot Heikki Kovalainen. Beide wären für ein Jahr Ferrari wohl zu haben.

Trotzdem: Die Chancen für Massa, auch 2013 bei der Scuderia unter Vertrag zu stehen, scheinen nicht schlecht zu sein.

Zumindest wenn er an die zuletzt gezeigten Leistungen anknüpfen kann.

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