Michael Schumacher wurde 1994 erstmals Formel-1-Weltmeister © getty

Nach der Beinahe-Katastrophe in Spa diskutiert die Formel 1 über die Sicherheit. Nicht nur der Rekord-Champion fürchtet sich.

Monza - Die Eindrücke sind frisch und sie wirken nach.

Immer und immer wieder sah die Welt seit vergangenem Sonntag in Zeitlupe, wie der Lotus-Bolide von Romain Grosjean durch die Luft wirbelt und den Kopf von Ferrari-Pilot Fernando Alonso verfehlt - um Zentimeter ( 607536 Bilder ).

Der spektakuläre Crash von Spa hat die Aufmerksamkeit vor dem Großen Preis von Italien (Qualifying, Sa., ab 13.45 Uhr im LIVE-TICKER) einmal mehr auf den neuralgischen Punkt der Formel-1-Rennwagen gelenkt.

"Angst um den Kopf" habe er hin und wieder, sagt auch Michael Schumacher: "Wie jeder Pilot."

Das offene Cockpit ist ein wichtiges Charakteristikum in der Formel 1. Und weiterhin ist es die große Sicherheitslücke an den hochgerüsteten Maschinen. (BERICHT: Kampfjet oder Käfig?)

Zwei Varianten möglich

Nicht erst seit Sonntag arbeitet der Internationale Automobilverband FIA daher an Möglichkeiten, den Kopf der Fahrer besser zu schützen.

Um zwei Varianten geht es dabei hauptsächlich: Seit über einem Jahr werden Hüllen aus transparentem Polykarbonat getestet, die das Cockpit wie bei einem Kampfjet überdecken.

Auch eine Gitterkonstruktion wird diskutiert und getestet.

"Ich glaube, dass ein solcher Schutz unausweichlich ist", sagt McLaren-Technikchef Paddy Lowe, der in die Entwicklung involviert ist, zu Autosport: "Es ist das eine große Problem, das wir noch haben."

Konstruktionen halten stand

In den Simulationen wurden die Konstruktionen in hoher Geschwindigkeit beschossen, mit Reifen etwa - und hielten stand.

Doch das ist nicht das einzige Kriterium.

"Es wird am Ende die Lösung sein, die am wenigsten Probleme mit sich bringt", sagt Schumacher, für den das Thema Sicherheit seit Jahren ein persönlicher Schwerpunkt ist:

"Wir werden keine Lösung finden, an der nicht irgendjemand Anstoß nimmt. Das muss man mit einkalkulieren." Denn Probleme gibt es einige.

Eingeschränkte Sicht?

Dazu gehören scheinbar banale Bedenken wie die Sicht des Piloten. Ein Käfig aus Streben könnte diese einschränken. Eher kein Problem ist das allerdings für Lowe.

"Solange die Streben nicht zu groß sind, kann man sich an sie gewöhnen", sagt der 50-Jährige.

Eine Hülle müsste derweil unanfällig sein für die verschiedensten Sorten von Schmutz, die auf der Srecke aufgewirbelt werden.

Beide Varianten würden im Falle eines schweren Unfalls zudem die Bergung des Fahrers erschweren.

Alles Dinge, die perfektioniert werden müssen. Schon in der Luftfahrt habe man gesehen, sagt McLaren-Teamchef Martin Whitmarsh, "dass es gar nicht so einfach ist, den Kopf eines Piloten effektiv zu schützen."

Vettel: "Lösung unausweichlich"

Ein weiteres, zugegeben "weicheres" Problem, wird von den Piloten immer wieder angesprochen: die Ästhetik.

"Ich bin kein großer Fan einer Hülle vor dem Cockpit", sagt etwa Weltmeister Sebstian Vettel: "Ich finde die Autos schön, so wie sie sind und denke, dass ein offenes Auto eigentlich auch wirklich offen sein sollte."

Dennoch, auch Vettel weiß, dass "eine Lösung unausweichlich" sein wird. Die Sicherheit gehe vor.

"Sicherheitsorientiert denken"

"Eine Haube über dem Fahrerkopf würde der Formel 1 viel von ihrem Charme nehmen", sagt auch Force-India-Pilot Nico Hülkenberg: "Aber wir müssen sicherheitsorientiert denken. Die Formel 1 nimmt da schon eine Vorbildfunktion ein."

Zum Start der Tests im vergangenen Jahr war eine Umsetzung des Cockpitschutzes bis 2014 vorgesehen. Werden die Probleme minimiert, wird es früher oder später kommen, das Dach für die Formel-1-Boliden.

"So lang keine Ziegel oben drauf sind", sagt Vettel, könne auch er damit Leben.

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