Der Spanier Fernando Alonso kam 2010 von Renault zu Ferrari © getty

Die Scuderia startet desolat in die Saison, nun ist Alonso WM-Führender und erstaunt. Tests in Mugello bringen die Wende.

Von Felix Götz

München - Miserable Testfahrten in Barcelona, ein Redeverbot für die Fahrer und ein Auto, das sich durch geringen Speed und Unzuverlässigkeit auszeichnete: Es ist noch gar nicht so lange her, dass bei Ferrari die Nerven blank lagen.

Mittlerweile ist alles anders. Fernando Alonso führt durch seinen dritten Platz beim Monaco-Grand-Prix allein die WM-Fahrerwertung an (DATENCENTER: Die Fahrer-WM).

Und sogar das Sorgenkind Felipe Massa scheint so langsam in Fahrt zu kommen - Rang sechs im Fürstentum.

"Wir hatten einen schwierigen Auftakt in diese Saison, wenn wir uns über die reine Leistung des Autos unterhalten", sagte Stefano Domenicali.

Zeit perfekt genutzt

Was der Ferrari-Teamchef meint: Lediglich Alonsos vorzügliche Vorstellungen hielten die Scuderia auf Kurs.

Seit den Tests in Mugello vor dem ersten Rennen in Europa ist der F2012 deutlich stabiler und schneller.

Der italienische Rennstall hat die Zeit offenbar perfekt genutzt.

"Es ist erstaunlich"

Im Gegensatz zu McLaren beispielsweise, wo die Stammpiloten Lewis Hamilton und Jenson Button bei den Tests erst gar nicht anwesend waren und jetzt überhaupt nichts mehr zusammengeht.

Selbst Alonso ist überrascht von dem, was seine Crew in den vergangenen Wochen geleistet hat.

"Es ist erstaunlich", meinte der Spanier nach dem Rennen im Fürstentum: "Das Auto war perfekt, die Boxenstopps ebenso. Ich muss mich beim Team bedanken, wir befinden uns in einer tollen Position."

Steigerungspotenzial im Qualifying

Auch Domenicali ist sehr zufrieden, sieht aber noch Steigerungspotenzial - vor allem im Qualifying, wo Alonsos zweiter Platz in Barcelona das bisher beste Ergebnis war.

"Wir müssen unser Fahrzeug ständig weiterentwickeln. Die Konkurrenz markiert Pole-Positions, wir hingegen tun dies nicht. Das muss ein Ziel für das Team sein", erklärte der 47-Jährige.

Denn Domenicali weiß, dass es nicht nur in Monte Carlo ein Vorteil ist, von ganz vorn zu starten: "Ausgehend von einer solchen Position gestalten sich die Rennen ganz anders. Darauf müssen wir uns konzentrieren."

"Du musst immer da sein"

Der Mann, der 2007 die Nachfolge von Jean Todt in Maranello antrat, warnt sein Team davor, auch nur ein wenig nachzulassen.

"Wir freuen uns natürlich, dass wir die Gesamtwertung anführen", sagte Domenicali:

"Aber derzeit kämpfen sehr viele Piloten um den Sieg. Du musst einfach immer da sein. In dieser Meisterschaft ist es kaum zu durchschauen, wer in welcher Situation wie konkurrenzfähig ist."

Lob für Massa

Eigentlich nie konkurrenzfähig war in den ersten fünf Rennen Massa. Der Brasilianer holte nur zwei magere Punkte und wurde von allen Seiten heftig kritisiert.

In Monaco gelang endlich ein gutes Ergebnis: Nach einem konstant ordentlichen Wochenende wurde Massa mit acht Punkten belohnt (DATENCENTER: Das Rennergebnis).

"Sein Qualifying war großartig. Sein Rennen war ebenfalls toll", lobte selbst Domenicali, der seinem 31-jährigen Piloten nicht immer Rückendeckung gewährt.

Ein Schlag ins Gesicht

Massa müsse endlich "eine klare Rolle" spielen, hatte er im April öffentlich gemosert.

Und vor rund zwei Wochen verschickte Ferrari noch eine Presseerklärung, die Massa wie ein Schlag ins Gesicht vorgekommen sein muss:

"Fernando hat sein hohes Niveau beibehalten. Felipes Leistungsabfall hat sich aber bemerkbar gemacht. Der Brasilianer hatte vor zwei Jahren 49 Punkte und im Vorjahr 24 Punkte auf dem Konto - bisher sind es in dieser Saison erst zwei." (BERICHT: Ferrari stellt Massa bloß)

"Wir erwarten noch einiges"

Massa stand womöglich kurz vor dem Aus, jetzt hat er sich erst mal ein wenig Luft verschafft.

"Ich bin sehr zuversichtlich. Dieses Ergebnis ist sicher eine große Hilfe", erklärte Massa nach dem Monaco-GP und sah dabei aus, als wäre eben eine Zentnerlast von ihm abgefallen ( 564949 DIASHOW: Die Bilder des Rennens ).

Dass Massa unter einem so enormen Druck eine solche Leistung abrufen kann, imponierte offenbar auch Domenicali ein wenig: "Ich bin mir sicher: Das wird den Wendepunkt in seiner Saison darstellen. Wir erwarten noch einiges von ihm."

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