Das Team von Peter Sauber wird am Rande des Kanada-Grand-Prix in Montreal 2012 wie schon drei Jahre zuvor ausgeraubt
Peter Sauber wurde 2005 zum "Schweizer des Jahres" gewählt © imago

Peter Sauber und Monisha Kaltenborn fordern die Einführung einer Budget-Obergrenze und kritisieren Sebastian Vettels Team.

Monte Carlo - Die Formel 1 soll über den Dosenrand schauen.

Teamchef Peter Sauber und seine designierte Nachfolgerin Monisha Kaltenborn haben mit Vehemenz die Einführung einer Budget-Obergrenze gefordert und dabei durch die Blume vor allem Kritik am Weltmeister-Team Red Bull um Champion Sebastian Vettel geübt - dessen Hauptsponsor Sauber von 1995 bis 2000 war.

"Weitsicht ist wichtig, sofern dies im Sport überhaupt möglich ist. Man sollte immer auch über den Tellerrand schauen. Oder soll ich dem Fall sagen, über den Dosenrand?", fragte Sauber mit einem deutlichen Seitenhieb auf das finanzkräftigste Team des österreichischen Energy-Drink-Herstellers.

Ohne die Budgetdeckelung, die schon vor Jahren eingeführt werden sollte und 2010 schließlich zu einem Kostenreduzierungs-Vertrag (RRA) wurde, stehe die Königsklasse vor einer unsicheren Zukunft, so der Schweizer. ( 559249 DIASHOW: Große Siege, große Dramen )

Formel 1 das Kerngeschäft

"Mancherorts interessiert es niemanden, ob es die Formel 1 in zehn Jahren noch gibt", sagt der 68-Jährige.

Kaltenborn, die seit kurzem ein Drittel der Anteile am Team hält und in absehbarer Zeit Saubers Nachfolgerin werden wird, stößt ins gleiche Horn.

"Die Formel 1 besteht nicht nur aus vier Teams", betont sie: "Für uns ist die Formel 1 das Kerngeschäft, unsere Haupttätigkeit. Wir sind nicht hier, um ein anderes Produkt zu verkaufen, das wir herstellen. "

"Ein großer Schritt"

Der Schweizer Rennstall hat die Kostendeckelung beim Weltverband FIA schon auf die Agenda gebracht.

Monisha Kaltenborn ist sich der Zustimmung der kleineren Teams sicher und hofft auf das Verständnis der anderen.

"Wenn die Großen über die Situation nachdenken, muss jedem klar sein, dass die Kostendeckelung kommen muss", erklärt sie: "Klar ist das ein großer Schritt. Aber es muss eine Vorgabe sein, die es den großen Teams ermöglicht, langsam herunterzufahren. Es muss ja keine Schocktherapie sein."

"Zahlen sind eindeutig"

Gleichmacherei will Kaltenborn nicht betreiben, der Einsatz des verbleibenden Budgets soll den Teams selbst überlassen bleiben.

"Alle sollten innerhalb des Kostenrahmens das machen können, was sie wollen", erklärt sie: "Jedem steht frei, ob er dafür in den Windkanal geht, auf der Strecke testet oder das Geld für etwas anderes ausgibt."

Das von vielen Seiten angebrachte Argument der Kontrollierbarkeit lässt die 41-Jährige nicht gelten.

"Alles, was man aufschreiben muss, ist auch kontrollierbar", entgegnet sie: "Zahlen sind eindeutig. Und wer etwas Falsches hinschreibt, hat gegen die Regeln verstoßen. Alles steht und fällt mit den Strafen, die angedroht werden."

Mehrfach Unstimmigkeiten

Schon die Einhaltung des RRA hatte unter den Teams mehrfach für Unstimmigkeiten gesorgt, auch unter den "großen Vieren" (Red Bull, McLaren, Ferrari, Mercedes).

Vor allem Red Bull war von den Konkurrenten indirekt vorgeworfen worden, sich nicht an die Spielregeln zu halten. Mit Freude sieht Sauber, dass das Feld aber auch in diesem Jahr schon zusammengerückt ist (DATENCENTER: WM-Stand Fahrer).

"Die Großen jammern nun, weil sie es als selbstverständlich sehen, dass sie vorne sind", sagt er: "Und wenn es anders ist und sie keine Erklärung dafür haben, jammern sie eben über die Reifen. Ich glaube nicht, dass es die Reifen sind. Allenfalls die Änderungen des Reglements vor der Saison könnten eine Rolle spielen."

Ab 2014 muss in der Königsklasse ein neues Concorde Agreement in Kraft treten. Der Trend der Teamvereinigung FOTA geht derzeit wohl dahin, allenfalls das RRA zu überarbeiten.

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