Weltmeister Vettel feierte 2011 seinen ersten Sieg im Fürstentum © getty

In den Häuserschluchten von Monaco wartet ein harter Test auf die Piloten. Der Weltmeister will "keine Fehler machen".

Von Björn Seitner

München - Sebastian Vettels Vorsprung in der "Weltrangliste des Motorsports" ist komfortabel.

Das "Castrol EDGE Driver Ranking", das Fahrer aus insgesamt 45 Rennserien über ein Jahr vergleicht, führt der Formel-1-Weltmeister mit 27.970 Punkten klar vor seinem Teamkollegen Mark Webber (20.325) an.

Der WM-Stand der Königsklasse ist da doch deutlich spannender: Vettel teilt sich vor dem 70. Monaco-Grand-Prix (1. Freies Training, Do., ab 9.45 Uhr im LIVE-TICKER) mit 61 Punkten Rang eins mit Ferrari-Konkurrent Fernando Alonso.

Nach fünf Siegern in den ersten fünf Saisonrennen liegen zudem viele weitere Fahrer in Schlagweite (DATENCENTER: WM-Stand Fahrer).

2011 fast doppelt so viele WM-Punkte

Obwohl Red Bull auch in der Konstrukteurs-Wertung die Nase vorn hat, ist die überragende Dominanz der Vorsaison dahin.

Nach den Plätzen zwei, elf, fünf, eins und sechs ist Vettel der schlechteste WM-Leader seit Einführung des neuen Punktesystems 2010.

Zum Vergleich: Vergangenes Jahr hatte der 24-Jährige vor dem Prestige-Rennen im Fürstentum mit 118 noch fast doppelt so viele Zähler auf dem Konto.

Einer, der sich schon an die neuen Verhältnisse gewöhnt hat, ist der Teamchef des österreichischen Rennstalls, Christian Horner.

Konstanz wird entscheiden

"Es ist kein Zufall, dass es so viele verschiedene Sieger gab, wir aber beide WM-Wertungen anführen", sagt der Brite (BERICHT: Wer landet den nächsten Volltreffer?).

In den Rennen, in denen kein Sieg möglich war, habe Red Bull dennoch einen guten Job gemacht: "Dann muss die Strategie, die Arbeit in der Box und die Geschwindigkeit stimmen."

Geht es so weiter, sieht Horner sein Team am Ende auch wieder vorn, denn "die Konstanz wird dieses Jahr entscheidend sein".

[kaltura id="0_stsboy6d" class="full_size" title="Schumacher: Startplatz sechs und voll auf Angriff"]

Geschwindigkeitsmanko kein Problem in Monaco

Doch ausgerechnet die Geschwindigkeit scheint sich als Hauptproblem bei den "Bullen" herauskristallisiert zu haben.

Angeblich fehlen dem RB8 auf der Gerade bis zu 15 km/h an Top-Speed, sagen manche Experten.

Im engen Stadtkurs von Monaco - mit 130 Lenkbewegungen pro Runde eines der anspruchsvollsten Rennen - wird das allerdings nicht wirklich ausschlaggebend sein.

Zwischen den Häuserschluchten an der Cote d'Azur zählt nur eines: Die Position halten.

Sensations-Triumph 2011

Vettel hat damit Erfahrung: Im vergangenen Jahr triumphierte der 24-Jährige, weil er trotz deutlich abgefahreneren Reifen Alonso und McLaren-Pilot Jenson Button hinter sich halten konnte.

Damals war Vettel der einzige Fahrer neben Kamui Kobayashi (Rang fünf), der nun einmal an die Box ging.

Das vieldiskutierte Reifenproblem in dieser Saison wird in Monaco also wohl nicht das große Problem sein (BERICHT: Wer löst das Reifen-Rätsel).

"Es wird immer von Reifen-Roulette gesprochen, aber die Voraussetzungen sind für alle gleich", versicherte er.

Vettel stimmte dagegen Horner zu: "Wenn man sich den Durchschnitt der fünf Rennen anschaut, stehen doch die vorne, die es auch verdienen. Und wenn am Ende nach 20 Rennen einer Weltmeister wird, kann man sicher nicht sagen, er hatte Glück."

Webber: "Ein harter Test"

Vettel will in Monaco vor allem "keine Fehler machen. Es gibt keinen Platz. Man kann das immer fühlen, wenn man die Wand knapp verpasst."

Auch Mark Webber, der 2010 als Sieger das Fürsten-Dinner genießen durfte, weiß, dass die 3,34 Kilometer lange Strecke eine Probe für jeden Piloten ist.

"Es ist immer noch ein harter Test. Man fährt nicht nur gegen die Konkurrenz, sondern auch gegen die Strecke und daher ist es eine mentale Herausforderung. Man benötigt sehr viel Disziplin, um dort erfolgreich zu sein", erklärt Vettels Teamkollege.

Nach dem Roulette in den ersten Rennen wird sich in Monte Carlo zeigen, wer vor allem fahrerisch überzeugen kann (BERICHT: 4500 Schaltvoränge fürs Fürsten-Dinner).

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