Der Lösung auf der Spur? Weltmeister Vettel inspiziert einen Pirelli-Reifen © getty

Ratlosigkeit und ein ungelöstes Problem. Die Suche nach der optimalen Reifen-Temperatur läuft, "dumme Kommentare" helfen nicht.

Von Björn Seitner

München - Glück. Zufall. Lotterie.

Drei Wörter, die die bisherige Formel-1-Saison treffend zu beschreiben scheinen.

Fünf Sieger nach fünf Rennen und eine Achterbahnfahrt für fast jeden Piloten bestimmen das aktuelle Bild. Die Königklasse des Motorsports ist vor dem kommenden Grand Prix in Monaco (1. Freies Training, Do., ab 9.45 Uhr im LIVE-TICKER) so ausgeglichen wie seit Jahren nicht mehr.

Der Grund ist allen Beteiligten klar: Die Reifen sind schuld.

Sind die Pirelli-Pneus wirklich ein Fluch oder doch eher ein Segen für die "Formel Fad" des vergangenen Jahres, die Sebastian Vettel schon nach 15 von 19 Rennen als Weltmeister hervorbrachte?

"Sechs Sieger in fünf Rennen"

Ex-Formel-1-Pilot Alexander Wurz ist als Außenstehender begeistert von der neuen Ausgewogenheit.

Für den Österreicher gibt es nach den ersten fünf Saisonrennen sogar sechs Sieger: "Fünf verschiedene Piloten und die Formel 1 selbst", sagte Wutz der "SportWoche".

Natürlich freuen sich auch die Reifen-Macher selbst über den offenen WM-Kampf.

"Wenn uns am Anfang des Jahres jemand so einen Verlauf vorhergesagt hätte, hätte jeder gesagt: 'Hast du was geraucht?'", so Pirelli-Sportchef Paul Hembery gegenüber "Autosport".

Setzen sich am Ende die üblichen Verdächtigen durch?

"Die überwiegende Mehrheit genießt die Rennen. Mit dem Sieg von Pastor Maldonado in Spanien hätte niemand gerechnet. Nach so etwas fragen die Leute seit Jahren. Wir haben das möglich gemacht, aber es gibt immer noch einige, die unglücklich damit sind", erklärte der Brite etwas enttäuscht ob der fehlenden Anerkennung seitens des Feldes.

Dass den kleineren Rennställen wie Williams, Force Indiana oder Sauber nun große Aufmerksamkeit zuteil wird, begrüßt Hembery, glaubt aber dennoch, dass sich am Ende die üblichen Fahrer um den Titel streiten werden:

"Über das ganze Jahr hinweg werden sich die besten Piloten, die besten Autos und die besten Designer durchsetzen."

[kaltura id="0_x2dhnxi6" class="full_size" title="Analyse des Spanien Grand Prix"]

"Es ist ein Puzzle"

Was die Großen des Formel-1-Zirkus vor allem belastet, ist die Unberechenbarkeit und die Ohnmacht, der sie in den bisherigen Rennen ausgeliefert waren.

"Es ist ein Puzzle. Man muss die Reifen verstehen, muss wissen wie sich unterschiedliche Temperaturen und Bedingungen auswirken", sagte Red-Bull-Teamchef Christian Horner.

Was den Umgang mit dem "schwarzen Gold" aus Italien, das "völlig verändert gegenüber dem Vorjahr" sei, so schwierig macht, ist ein extrem kleines Temperaturfenster, in dem die Pneus optimal funktionieren.

"Wer dieses Fenster ausweiten kann, der wird schnell sein", weiß Horner.

Temperatur ist ausschlaggebend

Noch ist jedoch keine Lösung in Sicht.

In Spanien war Weltmeister Sebastian Vettel mit seinem RB8 im Samstagstraining noch Erster, im Qualifying drei Stunden später fand er sich dann auf Rang sieben wieder ( 558427 DIASHOW: Der Spanien-GP in Bildern ).

"Da ging es nur um zehn Grad Temperaturunterschied, eine etwas andere Windrichtung, das hat schon viel ausgemacht", erklärte Horner.

Viele offene Fragen

Red Bulls Motorsportchef bleibt dagegen schon lange nicht mehr so ruhig wie der Brite.

"Weiß einer, warum unser Auto innerhalb von zwei Stunden plötzlich seinen Grip verliert? Kann mir einer erklären, wie der Maldonado von einem Satz Reifen zum nächsten acht Zehntel in einem Sektor gewinnt?", fragte sich Helmut Marko nach dem Barcelona-Wochenende ungeduldig.

Auch Ex-Weltmeister und TV-Experte Niki Lauda, der sonst auf die meisten Fragen eine passende Antwort parat hat, ist ratlos:

"Ich persönlich finde mit meinen dummen Kommentaren überhaupt keinen Weg zu verstehen, was hier los ist", gibt Lauda bei "ServusTV" zu.

Vettel: "Man muss sich anpassen"

Und Horner weiß nicht mal, warum "wir in der WM führen, das ist verwirrend".

Nach den Plätzen zwei, elf, fünf, eins und sechs ist Vettel derzeit der WM-Leader - mit 61 Punkten allerdings der schlechteste seit Einführung des Punktesystems 2010 (DATENCENTER: WM-Stand Fahrer).

Der 24-Jährige bleibt gelassen: "Es gibt immer Dinge, an die man sich als Fahrer anpassen muss." Dass die Piloten heute mit dem Gefühl aufstehen würden, keine Hoffnung mehr zu haben oder den Glauben verloren zu haben, sei Schwachsinn.

Es ist wohl eher das genaue Gegenteil: Auch in Monaco werden vielleicht wieder einige Außenseiter aufstehen und auf den Sieg hoffen (BERICHT: Wer landet den nächsten Volltreffer?).

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