Nico Rosberg steht nach fünf Rennen auf Platz sieben der WM-Wertung © getty

Bei Mercedes bleibt der Schub nach dem China-Triumph von Rosberg aus. Die Probleme der Vergangenheit holen das Team ein.

Von Tobias Wiltschek

München - Sollte es am Ende doch nur eine Eintagsfliege gewesen sein?

In Schanghai hatte Nico Rosberg für den ersten Sieg eines Werks-Mercedes seit mehr als 56 Jahren gesorgt und damit eine riesige Euphorie rund um die Silberpfeile ausgelöst.

"Wenn wir unser Auto noch besser verstehen, dann steht uns nicht mehr viel im Weg", kündigte der glückliche Sieger an.

Auch seinem Teamkollegen Michael Schumacher wurde wegen des weiter entwickelten Fahrzeugs die baldige Rückkehr auf das Podium prophezeit.

Schumacher hadert

Einen Monat später ist von dieser Zuversicht nicht mehr allzu viel übrig geblieben.

Schumacher hadert weiter mit dem fehlenden Glück und den sensiblen Reifen. In Barcelona ( 558427 Bilder ) hatte er nach der Kollision mit Bruno Senna schon den dritten Ausfall in dieser Saison zu verkraften und steht damit weiter mit nur zwei WM-Punkten da (BERICHT: Schumi wettert gegen Senna).

Mehr noch: Da er am Crash mit dem Williams-Piloten von den Rennkommissaren für schuldig befunden wurde, wird er beim kommenden Grand Prix von Monaco um fünf Startplätze nach hinten versetzt.

Ernüchterung bei Rosberg

Ernüchterung herrschte auch bei Rosberg, der nach den ausgiebigen Testfahrten in Mugello Anfang Mai noch stolz verkündet hatte, dass man bei Mercedes auch in Sachen Reifen-Management ein gutes Stück vorangekommen sei.

"Wir haben einen Parameter gefunden, der den Reifenabbau beeinflusst. Das ist schon einmal sehr interessant", frohlockte der gebürtige Wiesbadener. "Ich denke, die Informationen vom Test werden uns in Barcelona helfen."

Haben sie offensichtlich nicht. Denn nach dem siebten Platz beim Spanien-Grand-Prix klang Rosberg wieder so wie vor seinem Premieren-Sieg in Schanghai.

Probleme im Qualifying

"Es ging alles nur um das Reifenmanagement", erklärte er in seinem Videoblog. "Sogar im Qualifying über die eine schnelle Runde war immer die Frage, wie schnell das Auto die Reifen zum Überhitzen bringt."

Im Rennen hätten dann die Hinterreifen enorm abgebaut. So war er gezwungen, sich immer sehr früh neue Gummiwalzen zu holen (DATENCENTER: Das Ergebnis des Rennens).

"Da war es bei mir immer nur eine Frage der Zeit, bis ich durchgereicht werde. Ich musste immer früher stoppen als die anderen", so Rosberg.

Dieses Gefühl kannte er schon von den ersten Rennen der Saison. In Malaysia wurde er allein wegen der abbauenden Reifen noch auf Platz 13 verdrängt.

Negative Tendenz

So schlecht ist er seitdem nicht mehr gewesen. Doch die Tendenz zeigt mit Platz fünf in Bahrain und Platz sieben in Barcelona wieder nach unten (DATENCENTER: WM-Stand Fahrer).

Neben den Pneus bereitet Mercedes aber auch die Performance in den Qualifiyings Kopfzerbrechen. Während die Silberpfeile zu Beginn der Saison dank des F-Schachts am Heckflügel regelmäßig um die Pole-Position mitfahren konnten, reichte es nach Schanghai nicht mal mehr für die zweite Startreihe.

"Im Qualifying, bisher unsere Stärke, sind wir etwas ins Hintertreffen geraten", musste auch Schumacher in Barcelona eingestehen. Aber nicht nur ihm fällt es schwer, diesen Leistungsabfall zu erklären. Schließlich setzt Mercedes nach wie vor auf den von der Konkurrenz argwöhnisch betrachteten Technik-Trick am Heck des Fahrzeugs.

Rosberg zuversichtlich

Rosberg, der seinen Teamkollegen in den fünf bisherigen Qualifikationen drei Mal bezwingen konnte, glaubt indes auch weiterhin an die Stärke von Mercedes.

"Es ist gut möglich, dass uns die Bedingungen in Monaco und Montreal in die Karten spielen", hofft der 26-Jährige, wobei die Strafe gegen Schumacher im Fürstentum doppelt schwer wiegt.

Bekanntlich ist es nirgendwo schwerer, sich nach vorne zu kämpfen, als in den Häuserschluchten von Monaco.

Vorentscheidendes Qualifying

Deshalb dürfte auch Rosberg nur dann auf ein erfolgreiches Rennen hoffen, wenn er wieder zu alter Stärke im Qualifying findet. Denn so schwer das Überholen in Monte Carlo ist, so groß ist auch die Chance, einen guten Startplatz bis ins Ziel zu retten.

Selbst wenn am Ende die Reifen so stark abbauen sollten wie bei Mercedes.

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