Felipe Massa steht in der Fahrer-Wertung bislang nur auf Platz 16 © getty

In einer Pressemitteilung tritt die Scuderia "Felipes Leistungsabfall" breit und fordert, "einen anderen Gang" einzulegen.

Von Tobias Wiltschek

München - Der kommende Grand Prix von Monaco könnte der letzte für Felipe Massa im Ferrari sein.

Denn Platz 15 in Barcelona bedeutete eine weitere Enttäuschung und war weit weniger als das, was sich die Scuderia vom Brasilianer vor dem Großen Preis von Spanien (Bericht) erwartet hatte 558427 (DIASHOW: Die Bilder des Rennens) .

Die Quittung kam prompt - und in aller Öffentlichkeit. Per Pressemitteilung verglich das Team den Saisonstart des 30-Jährigen mit dem seines Kollegen Fernando Alonso, der nach Platz zwei in Barcelona die WM-Wertung zusammen mit Sebastian Vettel anführt (DATENCENTER: WM-Stand Fahrer).

"Felipes Leistungsabfall"

In der Mitteilung heißt es: "Fernando hat sein hohes Niveau beibehalten. Felipes Leistungsabfall hat sich aber bemerkbar gemacht. Der Brasilianer hatte vor zwei Jahren 49 Punkte und im Vorjahr 24 Punkte auf dem Konto - bisher sind es in dieser Saison erst zwei."

Deutlicher als mit einem Vergleich mit der klaren Nummer 1 im Team kann man die Schwäche von Massa nicht herausstreichen.

Doch das ist nicht alles. Vor dem kommenden Grand Prix richteten die Verantwortlichen eine klare Forderung an den Vize-Weltmeister von 2008: "Jeder erwartet nun, dass er ab dem Monaco-Grand-Prix einen anderen Gang einlegt."

Enttäuschte Hoffnungen

Über eventuelle Konsequenzen für den Fall einer weiteren Enttäuschung wurde zwar nichts bekannt. Es ist allerdings schwer vorstellbar, dass Massa danach noch eine Chance bekommen würde.

Zumal es schon vor dem Rennen in Barcelona aus Maranello hieß, dass die umfangreichen Updates am Auto Massa helfen würden, den Rückstand auf Alonso zu verringern.

Stattdessen aber demonstrierte der Spanier bei seinem Heimspiel so eindrucksvoll wie selten zuvor, dass er seinem Teamkollegen um Längen voraus ist. Auch diese Demütigung dürfte zu der ungewöhnlich scharfen Kritik an Massa geführt haben.

Der machte zwar geltend, dass er ohne die seiner Meinung nach ungerechte Durchfahrtstrafe wegen Missachtung der gelben Flaggen unter die Top Ten gekommen wäre (DATENCENTER: Rennergebnis).

Doch schon im Qualifying war Massa auf Platz 17 mehr als eine Sekunde langsamer als sein drittplatzierter Teamkollege.

Alonso: Kein Durchbruch

Er könne die Scuderia auf Dauer aber nicht allein an die Spitze führen, machte Alonso deutlich. "Ich traue mich erst von einem Durchbruch zu sprechen, wenn wir auf Platz eins und zwei ins Ziel kommen", erklärte der zweimalige Weltmeister (DATENCENTER: WM-Stand Teams).

Dass er dieses Ziel noch mit Massa erreichen wird, erscheint nach derzeitigem Stand so gut wie ausgeschlossen.

Viele Anwärter auf Ferrari-Cockpit

Anwärter auf den Platz neben Alonso gebe es zur Genüge. Schon länger spekuliert Adrian Sutil auf das rote Cockpit. "Ferrari ist mein Lieblingsteam", sagte der ehemalige Force-India-Pilot kürzlich bei "Eurosport".

"Es gibt noch keinen direkten Kontakt, aber ich denke, dass sie wissen, dass ich bereit stehe. Und wenn sie mich wollen, dann werden sie mich anrufen", so Sutil weiter.

Bessere Chancen als dem Deutschen werden derzeit allerdings anderen Piloten eingeräumt. So soll Ferrari eine unverbindliche Anfrage an Lotus wegen Testfahrer Jerome d'Ambrosio gestellt haben.

Kandidat di Resta?

Auch die beiden derzeitigen Force-India-Piloten gelten als Kandidaten für die Massa-Nachfolge. Vor allem Paul di Resta überzeugte bislang mit drei Top-Ten-Platzierungen in diesem Jahr.

In Barcelona hat sich Sutil die meiste Zeit bei seinem Ex-Team aufgehalten. Ein Hinweis darauf, dass er sich auch bei Force India ins Gespräch bringen will für den Fall, dass di Resta oder Nico Hülkenberg bei Ferrari anheuern?

Nach der öffentlichen Team-Kritik an Massa wird dieses Gerücht nicht das einzige bleiben.

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