Sebastian Vettel hat 57 WM-Punkte weniger als zum gleichen Zeitpunkt der Vorsaison © getty

Trotz der behaupteten WM-Führung stellt der Spanien-GP Vettel und das Team vor viele Rätsel. Der Champion redet Klartext.

Von Tobias Wiltschek

München - Manche hätten das Ergebnis von Red Bull auf dem Circuit de Catalunya ( 558427 Bilder ) mit Blick auf die WM-Wertungen nach fünf Rennen schön geredet (DATENCENTER: WM-Stand Fahrer).

Sebastian Vettel hat seine Führung im Fahrerklassement verteidigt, und das Team konnte den Vorsprung bei den Konstrukteuren sogar noch ausbauen (DATENCENTER: WM-Stand Teams).

Doch der amtierende Weltmeister klang nach seinem sechsten Platz in Barcelona ganz und gar nicht glücklich (STIMMEN: "Ein Drunter und Drüber").

Kämpferischer Vettel

"Insgesamt muss man sagen, dass wir an diesem Wochenende eins auf die Mütze bekommen haben", redete Vettel bei "auto, motor und sport" Klartext, und fügte kämpferisch hinzu: "Wir müssen sehen, dass sich das schnellstmöglich wieder ändert."

Das Problem ist nur, dass die "Bullen" derzeit offenbar gar nicht genau wissen, in welchen Bereichen sie sich verbessern müssen.

"Es ist für uns auch schwer zu erklären", sagte Vettel auf die Frage, warum dem dominanten Team des vergangenen Jahres plötzlich krasse Außenseiter wie Pastor Maldonado in Barcelona "um die Ohren fahren".

So hatte es der Heppenheimer selbst kurz nach dem Spanien-GP in seiner Verwunderung ausgerückt (BERICHT: Maldonado siegt aus dem Nichts).

Schwere Problemanalyse

Selbst Teamchef Christian Horner tut sich in der Problemanalyse schwer. "Sebastian hat irgendwie zwischen Training und Qualifying Performance verloren", rätselte der Brite. "Das versehen wir nicht so ganz. Das war mysteriös."

Konfusion herrschte im Lager des österreichisch-britischen Rennstalls auch über den Grund dafür, dass nach Mark Webber auch Vettel an die Box musste, um die Nase an seinem Auto wechseln zu lassen (DATENCENTER: Rennergebnis).

"Ich wollte erst gar nicht, dass man die Nase wechselt, weil das beim Boxenstopp länger dauert", berichtete der zweimalige Weltmeister. Später habe man aber den Schaden am Flügel gesehen. "Woher der kam? Keine Ahnung", zuckte Vettel mit der Schulter.

Horner erklärte später, dass ein Trümmerteil der Kollision zwischen Michael Schumacher und Bruno Senna den Schaden verursacht habe.

Vettel akzeptiert Strafe

Für Vettel hielt das Barcelona-Rennen zunächst noch ein weiteres Rätsel bereit. Warum er eine Durchfahrtstrafe kassiert hatte, war ihm erst nach genauem Studium der Regeln klar.

Demnach gilt nach einem Unfall nicht nur Überholverbot, sondern man muss die Gefahrenstelle auch nachweislich mit verringertem Tempo passieren. Vettel hatte jedoch das DRS aktiviert, was die Autos bekanntlich schneller macht.

"Die Strafe muss ich akzeptierten", sagte er noch am Abend nach dem einigermaßen verkorksten Rennen kleinlaut.

Sein Teamchef hat indes zumindest eine Erkenntnis gewonnen, warum Red Bull die Dominanz des vergangenen Jahres abhanden gekommen ist. "Die Aerodynamik spielt in diesem Jahr eine geringere Rolle als in den Vorjahren", erklärte Horner.

Nachteil für Red Bull

Für das Team aus dem britischen Milton Keynes kommt diese Entwicklung denkbar ungelegen. Für die großen Erfolge der jüngeren Vergangenheit sorgten schließlich vor allem die perfekten Aerodynamik-Eigenschaften der Fahrzeuge.

Diese seien zwar immer noch wichtig. "Aber es kommt jetzt auf Harmonie im Zusammenspiel vieler Elemente an", so Horner, der den Mittelfeldteams einen großen Sprung in Sachen Rennperformance bescheinigt.

Allerdings gibt der 38-Jährige auch zu bedenken, dass bislang in jedem Rennen immer ein anderer Außenseiter auf sich aufmerksam machen konnte.

Horner: "Konstanz entscheidend"

"Das hängt von Temperaturen, Strecke, Charakteristik des Autos, Wetter und vielen weiteren Faktoren ab", meinte Horner. Für den WM-Triumph entscheidend sei aber die Konstanz.

Und in dieser Hinsicht könne sein Team bislang nicht so viel falsch gemacht haben.

"Bisher waren wir wohl am konstantesten, denn wir führen beide Wertungen an", zog Horner dann doch noch ein positives Fazit des Spanien-Grand-Prix in Barcelona.

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