Pastor Maldonado (l.) und Sir Frank Williams (r.) arbeiten seit 2011 zusammen © getty

Nach acht Jahren feiert der ruhmreiche Rennstall dank Pastor Maldonado wieder einen Sieg. Der Rennstall-Gründer bleibt cool.

Von Felix Götz

München - Bruno Sennas Bolide stand verkohlt in der fast ausgebrannten Garage, die Mechaniker waren mit Asche bedeckt, manche sogar verletzt (NEWS: Neun Personen im Krankenhaus).

Die Bilder nach dem Brand in der Williams-Box ( 558427 Bilder ) im Anschluss an den Spanien-Grand-Prix ließen wahrlich nicht vermuten, dass der britische Rennstall soeben seine Wiederauferstehung gefeiert hatte.

Pastor Maldonado war in Barcelona sensationell vor Ferrari-Pilot Fernando Alonso über die Ziellinie gefahren (Bericht: Maldonado siegt aus dem Nichts).

Es war der erste Sieg in der Königsklasse nach einer achtjährigen Durststrecke.

Lauda adelt Maldonado

2004 hatte Juan Pablo Montoya in Brasilien gewonnen, seither ging nicht mehr viel (DATENCENTER: Rennergebnis).

Dementsprechend groß war die Freude - trotz der Beinahe-Katastrophe. Lediglich Teambesitzer Sir Frank Williams blieb so cool, dass selbst der "Iceman" Kimi Räikkönen vor Neid erblasst sein dürfte.

"Nach 600 Grands Prix flippt man nicht mehr aus", sagte der Gründer des Teams lapidar: "Aber ich freue mich natürlich sehr."

Niki Lauda war wesentlich euphorischer: "Das ist für mich die unglaublichste Leistung der vergangenen Jahre. Maldonado hat sich mit einem Schlag in die Top-Liga der Fahrer katapultiert."

Ruhmreiche Vergangenheit

Endlich mal wieder ein Riesenerfolg für das Williams-Team, das in den 1980er und 1990er Jahren legendäre Siege errungen hat.

Zwischen 1980 und 1997 wurde Williams neun Mal Konstrukteurs-Weltmeister.

Mit Alan Jones, Keke Rosberg, Nelson Piquet, Nigel Mansell, Alain Prost, Damon Hill und Jacques Villeneuve krönten sich im selben Zeitraum sieben Piloten in einem Williams-Boliden zum Weltmeister.

Danach ging es aber stetig bergab, im letzten Jahr machten sogar zeitweise Gerüchte die Runde, wonach sich Williams aus Geldmangel komplett aus der Formel 1 zurückziehen werden müsse.

2011 nur fünf Punkte

2011 brachte es der Rennstall insgesamt auf jämmerliche fünf Punkte. Das Auto war langsam und unzuverlässig, konstant schlecht sozusagen.

Und nun das, die dickste Überraschung in einer bisher an unerwarteten Ergebnissen nicht armen Formel-1-Saison.

Zwar zeigten Maldonado und sein Teamkollege Senna in den ersten vier Rennen mit insgesamt 18 Zählern eine deutliche Steigerung im Vergleich zur vergangenen Saison, mit einem Platz ganz oben auf dem Podest hatten aber selbst die kühnsten Optimisten nicht gerechnet (DATENCENTER: WM-Stand Fahrer).

"Natürlich haben wir nicht geahnt, dass wir siegen könnten", sagte Renningenieur Xevi Pujolar und zuckte dabei mit den Schultern.

Die Gründe für den Sieg

Wie aber ist so etwas möglich? "Wenn du einen perfekten Job machst, dann ist in dieser Saison in jedem Rennen eine Überraschung drin. Und wir, allen voran Pastor, haben in Barcelona einen perfekten Job gemacht", erklärte Pujolar.

Teambesitzer Williams erwähnte vor allem den neuen Renault-Motor als Grund für den Sieg: "Außerdem ein erfahrenes Team. Ein Auto, das sich einfach fahren und abstimmen lässt und gut ausbalanciert ist. Und ein Fahrer, der keinen Fehler gemacht hat."

Williams-Fahrermentor Alex Wurz meinte: "Das war ein schönes Beispiel für das, wofür Williams steht, nämlich prozessorientiertes Denken. Es hat in dieser Saison bisher nur eines gegeben: die Daten eingeben und nüchtern bleiben."

"Das ist alles so großartig"

Für Williams war es der 114. Sieg, für den so oft als Paydriver verspotteten Maldonado der erste. Der erste Sieg eines Fahrers aus Venezuela überhaupt.

"Das ist alles so großartig. Ich kann mich sehr glücklich schätzen, ein ganzes Land hinter mir zu haben", sagte Maldonado.

Tatsächlich hatte Venezuelas umstrittener Staatspräsident Hugo Chavez Maldonados Einstieg in die Königsklasse großzügig finanziert.

Dementsprechend begeistert war Chavez nach dem Triumph seines Schützlings.

"Bravo, Pastor! Glückwunsch an dich und dein kämpferisches Team. Venceremos!", schrieb er via "Twitter".

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