Unter der Leitung von Norbert Haug stieg Mercedes 1993 wieder in die Formel 1 ein © imago

Norbert Haug spricht bei SPORT1 über die Mercedes-Philosophie, Schumis Reifenkritik und seine Erwartungen für den Spanien-GP.

Von Tobias Wiltschek

München - Norbert Haug ist derzeit viel unterwegs.

Der Motorsportchef von Mercedes pendelt seit Wochen zwischen den Formel-1-Rennen und den DTM-Events hin und her.

Vor dem Großen Preis von Spanien fand er dennoch Zeit, die Fragen von SPORT1 zu beantworten.

Im Interview der Woche spricht der 59-jährige Schwabe über die Teamphilosophie bei Mercedes, die Reifenkritik von Michael Schumacher und seine Erwartungen für das Rennen in Barcelona (ROSBERG: Reifen-Problem ist gelöst).

SPORT1: Herr Haug, die Formel 1 steht vor ihrem Europa-Auftakt auf dem Circuit de Catalunya. Mit welchen Erwartungen reist Mercedes nach Barcelona?

Norbert Haug: Wir haben das vorletzte Rennen, den GP China, mit Nico Rosberg gewonnen und waren danach in Bahrain auf den Plätzen fünf und zehn platziert, wobei Michael wegen technischen Problemen im Qualifying als 22. losfuhr und im Ziel Zehnter war. Wir wollen Schritt für Schritt vorankommen - und wie bei allen anderen Teams in dieser Saison auch - gibt es dabei auch Stagnationen und Rückschläge.

SPORT1: Gibt es größere Updates?

Haug: Wir wollen bei jedem Rennen technische Weiterentwicklungen vorstellen, auch hier in Barcelona.

SPORT1: Wie wichtig wäre ein gutes Ergebnis in Barcelona für den weiteren Verlauf der Saison?

Haug: Gute Ergebnisse sind immer wichtig, am liebsten ist mir eines wie in China.

SPORT1: Auf welche Bereiche hat sich das Team bei den Tests in Mugello besonders konzentriert?

Haug: Auf die Rennsimulation und auf die bestmögliche Nutzung der Pirelli-Reifen, und dabei haben wir dazu gelernt ( 552465 DIASHOW: Testfahrten in Mugello )..

SPORT1: Michael Schumacher hat heftige Kritik an den Reifen geäußert. Nico Rosberg hält sie für eine Bereicherung. Was stimmt denn nun?

Haug: Bei uns ist es nicht nur erlaubt, sondern gewünscht, dass unsere Fahrer ihre Meinung sagen. Michael hat nach dem Rennen in Bahrain gesagt, wie er sich in diesem Rennen beim Umgang mit den Reifen gefühlt hat. Das war's und alles Weitere besprechen wir intern mit Pirelli.

SPORT1: Wie kann das Team Michael Schumacher helfen, mit den Reifen besser klar zu kommen?

Haug: Michael hat hier verglichen mit anderen Fahrern kein Handicap. Er hat lediglich seine Meinung zum Thema aktuelle Reifen gesagt.

SPORT1: Glauben Sie, dass sich die Diskussionen durch die ganze Saison ziehen?

Haug: Das Thema Reifen wird immer eines bleiben, es gehört zur aktuellen Formel 1-was für Pirelli ausgesprochen gut ist - die Marke ist in aller Munde.

SPORT1: Kimi Räikkönen brauchte nur vier Rennen, um nach seinem Comeback auf dem Podium zu landen. Schumacher wartet seit mehr als zwei Jahren auf seine erste Podiumsplatzierung. Wie ist das zu erklären?

Haug: Kimi hat auf Anhieb ein konkurrenzfähiges Auto, was ich ihm gönne. Und wir arbeiten daran, öfter ein so konkurrenzfähiges Auto für Michael und Nico zu haben wie zuletzt in China.

SPORT1: Nico Rosberg konnte in Schanghai den lange ersehnten ersten Sieg für Mercedes holen. Was bedeutet dieser Triumph für ihr Team? Hat sich die Arbeit dadurch erleichtert?

Haug: Ich habe mich sehr für alle im Team gefreut, die tagein, tagaus derartig hart arbeiten. Einen besseren Lohn als einen Sieg gibt es für diesen dauernden Einsatz nicht.

SPORT1: Welche Auswirkungen hat der Erfolg von Rosberg auf die teaminterne Hierarchie? Ist er jetzt der Leader?

Haug: Unsere Fahrer waren schon immer gleichgestellt und sie werden immer gleichgestellt sein (DATENCENTER: WM-Stand Fahrer). .

SPORT1: Sie haben kürzlich einen Rentenvertrag für Rosberg in Aussicht gestellt. Sein Vertrag läuft noch bis 2013. Wie weit sind die Verhandlungen über eine Verlängerung gediehen.

Haug: Nico möchte mit uns gewinnen und wir mit ihm, und beide möchten das möglichst oft und möglichst lange, auch wenn wir jetzt noch in unserer Team- Aufbauzeit sind.

SPORT1: Nach den ersten vier Rennen präsentiert sich die Formel 1 so ausgeglichen wie nie. Bleibt das Ihrer Meinung nach so bis zum Schluss? Wo sehen sie Mercedes?

Haug: Keiner, der seriös arbeitet, kann das voraussagen. Und eben das macht die Formel 1 so spannend und so interessant. Stellen Sie sich vor, wir wüssten, wer das nächste und übernächste Rennen gewinnt - wer würde sich dann noch auf diese Rennen freuen? Was Mercedes betrifft, so wird unser Formel 1-Team seine Lern- und Aufbauphase fortsetzen mit dem Ziel, ganz an der Spitze anzukommen, und wir wissen, dass wir - wie alle anderen Teams auch- Zeit brauchen, um das zu erreichen.

SPORT1: Was wünschen Sie sich für die nächsten Rennen am meisten?

Haug: Da kommen Sie nie drauf...

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