Nico Rosberg bestreiet in Barcelona sein 113. Rennen als Formel-1-Pilot © getty

Nach den Worten des Schanghai-Siegers liefern die Tests in Mugello die Antwort auf die wichtigste Frage bei Mercedes.

Von Tobias Wiltschek

München - Bei den Testfahrten in Mugello waren die beiden Mercedes-Piloten das fleißigste Fahrer-Duo.

Insgesamt spulten Michael Schumacher und Nico Rosberg an den drei Tagen Anfang Mai 1715 Kilometer ab. Und sorgten damit für jede Menge Datenmaterial, das anschließend ausgewertet wurde.

Mit Erfolg, wenn man den Worten von Rosberg Glauben schenken darf.

Denn vor dem Großen Preis von Spanien hat das Team offenbar die Ursache für das größte Problem bei den Silberpfeilen erkannt - die Reifen.

Euphorischer Rosberg

"Wir haben etwas gefunden, einen Parameter, der den Reifenabbau beeinflusst. Das sollte uns in Barcelona helfen", berichtete Rosberg, und fügte fast schon euphorisch an:

"Ich glaube, dass wir die Reifen und die Abstimmung unseres Autos jetzt viel besser verstehen."

Bislang hatte Mercedes mit Ausnahme des Rosberg-Triumphs von Schanghai große Schwierigkeiten mit dem Reifenverschleiß.

Schumis Konflikt mit Pirelli

Vor allem Michael Schumacher konnte sich ganz und gar nicht mit den Gummiwalzen von Pirelli anfreunden und ging nach dem Bahrain-Grand-Prix offen auf Konfrontationskurs zum Hersteller.

Zuletzt verglich er das Fahren auf den Reifen in einem "CNN"-Interview mit einem Ritt "auf rohen Eiern", bei dem man weder das Potenzial des Autos noch das des Fahrers auch nur annähernd ausschöpfen könne.

"Stelle die Grundsatzfrage"

Dass er mit seiner Kritik immer noch allein da steht und nicht nur bei Pirelli-Motorsportdirektor Paul Hembery auf Unverständnis trifft, ist dem siebenmaligen Weltmeister ziemlich egal. "Es geht mir um die Grundsatzdebatte, wie groß die Rolle der Reifen sein darf", begründete der Star in Barcelona sein harten Worte.

Er sei mit seinem Rennen in Bahrain, wo er von Startplatz 22 bis auf Rang zehn vorfuhr, zufrieden gewesen. "Dennoch stelle ich die Grundsatzfrage". Die schnell abbauenden Pirelli-Pneus überdeckten die Arbeit von "hunderten Ingenieuren und 24 Fahrern".

Positives Test-Fazit

Zugleich zog Schumi ein positives Fazit der Tests in Mugello. "Beim Fahren unter Rennbedingungen in bestimmten Programmen haben wir viel über das Auto gelernt. Das war sehr hilfreich", erklärte der 43-Jährige ( 552465 DIASHOW: Testfahrten in Mugello ).

Damit sollte das Team die Basis für die Weiterentwicklung geschaffen haben, hofft Schumacher, der auch im dritten Jahr nach seinem Comeback noch ohne Podiumsplatzierung dasteht (DATENCENTER: WM-Stand Fahrer).

Das Ende dieser Negativ-Serie ist für ihn aber nur noch eine Frage der Zeit. Man müsse sich immer an die Realität halten, so Schumi. "Und die Realität in diesem Jahr ist, dass wir ein Auto haben, mit dem wir aufs Podium fahren und Rennen gewinnen können. Je eher, umso besser."

"Timing muss stimmen"

Er fühle sich durchaus in der Lage, in dieser Saison einen Grand Prix zu gewinnen: "Wenn Nico ein Rennen gewinnen kann, sehe ich keinen Grund, warum ich das nicht auch schaffen sollte. Das Timing muss stimmen."

Auch Niki Lauda ist davon überzeugt, dass der Kerpener nicht mehr lange auf das große Erfolgserlebnis warten muss. "Schumi wird dieses Jahr noch gewinnen. Mercedes ist endlich gut genug, um die Spitze angreifen zu können", sagte der dreimalige Weltmeister in der "Bild".

Skepsis vor Barcelona

Dem Europa-Auftakt, bei dem Mercedes auf den erkrankten Teamchef Ross Brawn verzichten muss, blickt Schumacher dennoch mit etwas Skepsis entgegen.

"Barcelona ist eine Strecke, auf der wir ausgiebigst gefahren sind", sagte der Rekord-Champion. "Deshalb wissen wir, dass uns ihre Charakteristik nicht unbedingt in die Hände spielt."

Vielleicht aber spricht aus diesen Worten auch eine Menge Zweckpessimismus. Schließlich erlebt er im Gegensatz zu seinem Teamkollegen bislang eine enttäuschende Saison und möchte sich nicht zusätzlich unter Druck setzen.

Mit zwei WM-Punkten befindet sich Schumacher auf Platz 15 des Klassements in der Gesellschaft von Nico Hülkenberg oder Daniel Ricciardo.

Zu den Mitfavoriten gehören die Silberpfeile trotzdem auf jeden Fall. Zumal sie ihr bislang größtes Problem offensichtlich in den Griff bekommen haben.

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