Fernando Alonso (l.) feierte bislang sieben Grand-Prix-Siege für Ferrari © imago

Die Ferrari-Bosse erklären den Spanien-GP zum Gradmesser für den Rest der Saison. Alonso betätigt sich als großer Motivator.

Von Tobias Wiltschek

München - Es soll der große Neuanfang werden für Ferrari.

Nach der bislang enttäuschend verlaufenen Saison fordert Präsident Luca di Montezemolo beim Europa-Auftakt in Barcelona eine deutliche Steigerung.

Dafür hat er sich in den vergangenen Wochen vor allem die Mechaniker der Scuderia zur Brust genommen, die Tag und Nacht an Verbesserungen am F2012 gearbeitet haben.

"Was ich will, ist ein konkurrenzfähigeres Auto", sagte der Ferrari-Boss bei "Rai Sport" am Rande einer Gedenkfeier für den vor 30 Jahren tödlich verunglückten Gilles Villeneuve.

"Großer Entwicklungsschub"

Schon bei den Tests in Mugello Anfang Mai warteten die Roten unter anderem mit neuen Auspuffendrohren und einem modifizierten Heckflügel auf (BERICHT: Geheimniskrämer Alonso).

Doch "der große Entwicklungsschub" soll erst in Barcelona zu bestaunen sein, kündigte Fernando Alonso an, der in der Fahrer-WM auf dem vierten Platz liegt (DATENCENTER: Stand Fahrer-WM).

Gelingt den roten Rennern dort das angestrebte Erfolgserlebnis, könne man laut di Montezemolo sogar noch einmal in den Titelkampf eingreifen: "Denn wir haben auch für die Zeit nach Spanien ein großes Entwicklungsprogramm vor uns."

Teamchef hofft auf positives Feedback

Auch Teamchef Stefano Domenicali spricht dem Rennen auf dem Circuit de Catalunya wegweisende Bedeutung zu. "Es ist für unsere Ingenieure sehr wichtig, dass wir dort ein positives Feedback auf unsere Neuerungen bekommen", sagte er.

Bislang sprang für den Traditionsrennstall aus Maranello außer dem Überraschungscoup von Alonso im Regen von Sepang nicht viel heraus.

Der zweimalige Weltmeister fuhr zwar in den vier bisherigen Rennen jedes Mal in die Punkteränge, doch für das Podium reichte es nur bei seinem Sieg in Malaysia.

Massa weiter enttäuschend

Und Felipe Massa knüpft in dieser Saison nahtlos an seine enttäuschenden Leistungen aus dem Vorjahr an. Beim jüngsten Grand Prix in Bahrain erzielte er sein bislang bestes Ergebnis - mit Rang neun. In der Teamwertung ist Ferrari hinter Lotus zurückgefallen (DATENCENTER: Stand Konstrukteurs-WM)

Auch di Montezemolo hat sich die ersten Rennen dieses Jahres anders vorgestellt. "Ich war enttäuscht von unserem Saisonstart. Das habe ich so nicht erwartet", gab der 64-Jährige zu.

Gleichzeitig gibt er zu bedenken, dass auch ein Pilot seines Teams zu den vier verschiedenen Siegern in diesem Jahr gehört.

"Wir sind dabei. Jetzt müssen wir mit einem besseren Auto, das leichter zu fahren ist, einen Schritt nach vorn machen", sagte di Montezemolo.

Hoffnungen ruhen auf Alonso

Die größten Hoffnungen ruhen dabei natürlich auf Alonso, der beim Großen Preis von Spanien ein Heimspiel hat.

"Wir können gewinnen, auch wenn wir nicht das stärkste Auto haben", macht der 30-Jährige seinem Team Mut. Denn er weiß nur zu gut, wie groß der Druck auf die Scuderia in Barcelona nach dem verkorksten Saisonstart ist.

Selbst daraus zieht der große Motivator Alonso etwas Positives. "Das Team ist mit der doppelten Geschwindigkeit im Vergleich zu einem normalen Jahr gewachsen", lobte der Spanier und fügte an:

"Wir haben ein Niveau von Professionalität und Sicherheit erreicht, das höher ist, als es von außen gesehen den Anschein macht."

Selbstbewusster Asturier

Zum vollständigen Glück fehle der Marke mit dem springenden Pferd nur noch das Wichtigste: "das schnellste Auto von allen".

Solange das nicht der Fall ist, muss er eben die Kohlen aus dem Feuer holen und die Schwächen des Autos kompensieren. Das ist dem selbstbewussten Asturier durchaus klar.

"Ich glaube, dass das meine beste Eigenschaft ist", erklärte Alonso. "Ich versuche, das Beste aus dem Auto zu machen."

Und "wenn wir in Barcelona schlecht abschneiden, heißt das noch nicht, dass die Saison für uns gelaufen ist." Da ist er sich sicher.

Ob das seine Bosse di Montezemolo und Domenicali genauso sehen, ist indes nicht überliefert.

Weiterlesen