Kimi Räikkönen wurde 2007 Formel-1-Weltmeister mit Ferrari © getty

Lotus erklärt sich zur dritten Formel-1-Kraft und hofft endlich, sein wahres Potenzial zu zeigen. Permane verteilt Seitenhiebe.

Von Jakob Gajdzik

München - McLaren und Red Bull fahren vorne weg.

Im Melbourne machte das Duo das Podest unter sich aus.

Hätte sich der zweite Grand Prix in Malaysia nicht in eine Regenlotterie verwandelt, wäre die Wahrscheinlichkeit groß gewesen, dass es erneut so gekommen wäre.

Stattdessen spülte die nasse Fahrbahn den Fahrvirtuosen Fernando Alonso und den cleveren Sergio Perez nach vorne.

Darf Sauber nun den Platz des ersten Verfolgers für sich beanspruchen?

Selbsternannte dritte Kraft

Von wegen! Für Konkurrent Lotus ist die Machtfrage in der Königsklasse geklärt.

"McLaren und Red Bull sind vorne, dann kommen wir", sagte der Chefingenieur des britischen Rennstalls, Alan Permane.

Forsche Töne des Rennstalls, der bisher mit 16 Punkten auf Platz fünf der Teamwertung liegt. (DATENCENTER: Die Teamwertung)

Auch wenn die Punkteanzahl ausbaufähig ist, zog Permane sein Selbstbewusstsein aus den ersten beiden Rennen. (DATENCENTER: Der Rennkalender)

"Wir hatten noch kein normales Rennen"

"Den Speed im Renntrimm haben wir noch nicht wirklich gesehen", behauptete der Brite.

Die Ausbeute gebe nicht das wahre Bild wieder.

"Wir hatten noch kein normales Rennen. Aber ich sehe keinen Grund zum Pessimismus", ergänzte er.

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In der Tat, Lotus deutete sein immenses Potenzial in den ersten beiden Rennen der Saison an.

Die Kollisionen des übermotivierten Romain Grosjean, für den in beiden Grand Prix' nach Startunfällen früh Schluss war sowie Quali- und Getriebe-Pech von Kimi Räikkönen, verhinderten mehr Punkte.

"Rennen ohne Strafen und Crashs wären schön"

"Ein Rennen ohne Strafen und Crashs von Romain in den ersten Kurven wäre schön", hofft Permane somit auf den dritten Grand Prix des Jahres in Schanghai.

Auch Räikkönen erlebte trotz der Pannen einen "vielversprechenden Start" und glaubt an das Potenzial seines Boliden.

"Manchmal war es frustrierend - wegen der Chassis-Probleme beim Testen, dem Qualifying-Durcheinander in Australien und dem Getriebewechsel in Malaysia. Wir haben aber gezeigt, dass wir mit allen Problemen fertig werden und stärker zurückkommen", so der Finne, der bisher alle 16 Punkte für Lotus holte. (DATENCENTER: So steht's in der WM)

"Bruchpilot" Grosjean strich gar heraus, dass seine Saison "erst in China anfängt".

"Ich hoffe auf ein reguläres Rennen, damit wir endlich das Resultat einfahren, das für uns möglich ist", sagte der Franzose.

Permane: Vorteile gegenüber Mercedes und Ferrari

"Lotus-Hirn" Permane sieht den Lotus - Red Bull und McLaren ausgeschlossen - bereits stärker als die Konkurrenz - und verteilte Seitenhiebe.

"Die Rennpace von Mercedes ist nichts Besonderes", urteilte der 45-Jährige über die Silberpfeile, die ebenfalls im Verfolgerfeld der zwei Großen erwartet wurden. "Mercedes wird sich verbessern, aber im Moment stellen sie keine Bedrohung dar", so der Chefingenieur.

Auch gegenüber Ferrari sieht er sein Team im Vorteil. "Wenn sie (Ferrari, d. Red.) im Qualifying Zehnter oder Zwölfter sind und wir eine Sekunde vor ihnen stehen, ist das ein Unterschied."

Dass die Scuderia "nicht lange braucht, um sich zu verbessern", hat auch Permane erkannt, sagte aber im gleichen Atemzug über Lotus: "Wir haben auch ein gutes Team."

Bouiller plant den Angriff auf die Spitze

Mit diesem Optimismus machen sich Räikkönen, Grosjean und Co. zum wiederholten Male auf, die ambitionierten Pläne von Teamchef Eric Bouiller umzusetzen.

Der Franzose übernahm 2010 das damalige Renault Formel 1 Team und plant seitdem den Angriff auf die Spitze.

2010 und 2011 stand am Ende jeweils der fünfte Platz in der Teamwertung.

Ziel: WM-Titel 2015

Mittlerweile hat der Rennstall einen Vier-Jahres-Plan ins Auge gefasst.

In diesem Jahr will Lotus die Lücke nach oben schließen, bevor in absehbarer Zukunft das ganz große Ziel erreicht werden soll.

"2015 soll der WM-Titel eingefahren werden", verriet Grosjean, "ich hoffe, dass ich dann noch an Bord bin".

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